PLAGUESTORM - Purifying Fire

Artikel-Bild
VÖ: 04.06.2021
Bandinfo: PLAGUESTORM
Genre: Melodic Death Metal
Label: Noble Demon
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Man hat in letzter Zeit ja viel von Plagen unterschiedlichster Art gehört. Da ist es durchaus naheliegend, sich dieser Thematik auch auf musikalischer Ebene zu nähern. Sebastián Pastor aus Argentinien hat diesem Gedanken gleich ein ganzes Projekt mit dem Namen PLAGUESTORM gewidmet und auch der Titel seiner neuen Scheibe "Purifying Fire" schließt nahtlos an das Konzept an. Denn der Albumtitel scheint fast eine Antwort auf die Umstände, die der Projektname enthält, zu bieten. Nicht zuletzt das Coverartwork scheint das zu bestätigen, denn dort sehen wir einen abgemagerten rüstungslosen Reiter mit einer Pestmaske, die seinen baren Schädel ziert, während er auf einer zombieartigen buchstäblichen Pferdestärke durch die läuternden Flammen galoppiert. Äußerlich ist das Konzept auf jeden Fall schon mal stimmig und auch die Lyrics sprechen eine klare Sprache in dieselbe Richtung. Thematisch kreisen sie um Depressionen und vor allem die Menschheit, die gleich einer Krankheit dem Planeten seine Energie entzieht. Klar, das ist vermutlich nicht die Breaking News des Jahres, die Herr Pastor vorbetet, aber steter Tropfen höhlt den Stein. Außerdem finden sich neben diesen zeitgenössischen Zeilen auch überaus persönliche Textpassagen, die dem Album noch mehr Individualität und Kredibilität verleihen.

Für sein Soloprojekt hat sich Sebastián Pastor auch noch einige andere Kollegen zur Unterstützung dazu geholt. Unter anderem den Sänger Mikael Sehlin, der schon zuvor mit ihm zusammenarbeitete, aber auch die Gitarristen Diego Martínez und Pablo Román sind mit von der Partie. 

Die Scheibe startet mit dem thematisch sehr eindeutigen Song "Evolution Towards the Edge", der nach einem obligatorischen, aber passenden Intro sofort in die Vollen geht und sich zu einem wirklich eingängigen Melodeath-Song entwickelt. Ein absolut gelungener Einstieg, sowohl auf musikalischer als auch auf inhaltlicher Ebene. Die Riffs und Drum-Beats sind treibend und vor allem der akzentuierte Chor gibt dem Ganzen eine epische Atmosphäre, als würde hier bereits der Abgesang auf die Menschheit eingeläutet werden. 

Mit "Back to Zero" bremsen PLAGUESTORM ihr Tempo zwar nicht bis zum Stillstand nach unten, beginnen aber dennoch etwas gediegener als im vorherigen Stück. Auch hier sind die Chöre sehr atmosphärisch und noch etwas seichter. Die Soli auf der Gitarre nehmen mehr Platz ein und den wissen sie zu nutzen. Dieses Stück ist ebenfalls durchweg solide und geht sofort ins Ohr. Die Wut auf die Menschheit scheint sich dann aber in der zweiten Hälfte zurückzumelden und der Song nimmt wieder an Geschwindigkeit zu, um dann zum Schluss wieder mit melodischerem Grundtenor zu schließen. 

Darauf folgt der Titeltrack und dieser beginnt orchestral, man versteht schnell, wieso sich Pastor dazu entschlossen hat, auch eine orchestrale Version des Stückes als Bonus zu veröffentlichen. Zunächst tritt dann vor allem der Gesang in den Vordergrund, der unermüdlich von schnellen Riffs und galoppierenden Drum-Beats nach vorn gepeitscht wird. Im Refrain bleibt es melodisch und auch danach weicht die orchestrale Nuance des Stückes den Instrumenten nicht von der Saite. Aus dem anfänglichen Abgesang auf die Menschheit entspringt nun der fast schon fröhliche Gedanke, dass sich die Erde wie in einem Zyklus wieder von den Verletzungen erholt, die ihr zugefügt wurden. 

Aber diesem leichten Anflug von Optimismus wird schon durch den Titel des nächsten Stückes "Never Learn" ein jähes Ende gesetzt. Denn der Track beginnt schwerer und deprimierender als seine Vorgänger. Nach dem Erleuchten des Läuterfeuers hält nun die Zeile "How the flame ignites the flame also goes out" dem Pessismismus die Tür auf, bleibt die Frage wer das Feuer erneut entfacht. Als hätte man dies erhört scheint der folgende Song "You Against the World" eine recht simple Antwort darauf zu haben. Denn inhaltlich dreht sich der Song darum, sein eigenes inneres Feuer zu entfachen, um einen Unterschied in dieser Welt zu machen. Gut vielleicht mutet das etwas zu pathetisch an, denn auch dieses Stück beginnt eher schwer und langsam. Dann aber entfaltet sich recht schnell die gewohnte Wut gegenüber der Welt und die Gitarren nehmen an Härte sowie Tempo zu. Auch hier werden die Riffs immer eingängiger und die Drums immer trabender, als wollten sie den Reiter mit der Pestmaske durch die Flammen peitschen. 

"Close to Nowhere" läutet die zweite Hälfte der Scheibe ein und dies mit gewohntem Tempo und erneut aggressiver Grundstimmung. Erneut wird textlich mit dem Thema des Feuers gespielt, denn neben den Pflanzen, die sich aus der Asche empor strecken, gibt es auch die Seelen, die nicht aus den Katastrophen lernen und weiter an ihren Mustern festhalten und sich auf dem Weg ins Nichts befinden. Eben diesen Seelen scheint das nächste Stück "No Farewell" wohl nicht hinterherzutrauern. Dennoch ist dieser Song wieder melancholischer, ohne dabei aber an Klangfülle zu verlieren, im Gegenteil. Die Gitarren bleiben absolut präsent und auch wenn das Drumset etwas gediegener bearbeitet wird, lässt es doch seine Existenz nicht vermissen. Ein auf eine andere Art wirklich eingängiger und auch berührender Song, der es versteht, wieder sehr akzentuiert mit gedoppelter Stimme zu arbeiten, um eine dem Stück perfekt anmutende Kulisse zu schaffen. 

Nachdem nun auch die deutlich ruhigere Fraktion bedient worden ist, darf sich "Blind and Weak" paradoxerweise wieder etwas kräftigeren Sounds erfreuen. Doch aus irgendeinem Grund wirkt das Stück in dieser Reihenfolge etwas deplatziert. Klar, es sorgt wieder für Abwechslung, aber erst ab der zweiten Hälfte, wenn sich der Song wieder etwas öffnet und melodischer wird scheint eine Kohärenz erkennbar zu werden. Ein dennoch eher hintergründiges Manko, welches den Song keineswegs uninteressant macht. 

Mit dem neuneinhalb-minütigen Stück "Burning Paradise" erwartet man ein gebührendes Ende für die bisher wirklich überzeugende Platte und dieses erhält man auch. Selbstverständlich gibt es ein ruhigeres Intro, bei einem solch langen Song, doch fast plötzlich brechen die Growls die Stimmung, nur um ihrerseits von cleanen Vocals abgelöst zu werden. Der Facettenreichtum des Stückes ist schnell klar und während die Gitarren sich langsam aufbauen, geht es auch schon in den nächsten Teil des Songs. Die Parole "Burn! Burn! Burn! Burn!" ist auf jeden Fall angekommen und das Feuer wird sich schnellstmöglich den Weg von Sodom und Gomorrha nach Eden gebahnt haben. Oder auch nicht, denn ein leichtes melodisches Intermezzo scheint sich dem noch einmal erwehren zu wollen, allerdings ohne Erfolg, denn selbstverständlich nimmt das Stück zügig wieder Tempo auf. Nachdem auch dieser Ansturm abgeklungen ist, singen einige Streicher das verlorene Paradies in den wohlverdienten Schlaf. Ein wirklich schönes Ende für eine wirklich schöne Platte. Doch Halt! Die Geige leitet auch den Bonustrack ein und zwar die orchestrale Version des Titeltracks "Purifying Fire". Ein Stück, das diesmal ohne Gesang auskommt und vor allem durch das Piano im Outro eine melancholischere Richtung bekommt. Ansonsten fällt der Vergleich zum Original eher etwas unspektakulär aus. Man hört mehr Synthesizer und mehr Streicher, auch das Arrangement ist etwas abgeändert, das heißt, mehr nach links und rechts gedreht. Ein schönes Extra und auch hier ein adäquater Weg, die Platte ausklingen zu lassen.

PLAGUESTORM überzeugen auf jeden Fall. Sebastián Pastor mag mit dem generellen Stil und der Thematik nicht aus der Myriade von Bands als hellster aller Sterne herausstechen, aber er hat es bestimmt geschafft, neben seinem eigenen noch einige weitere Feuer zu entfachen. Die Platte ist abwechslungsreich und melodisch. Die Songs haben ein Konzept und das merkt man ihnen an. Das Bild des Feuers bleibt im Kopf und immer wieder steigen die Riffs aus den ruhigeren Passagen durch clevere Spannungsbögen empor, wie der Phönix aus der Asche. Es ist in diesem Fall ausnahmsweise angebracht sich zu wünschen, dass sich der PLAGUESTORM weit über den Globus verteilen möge. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Joel Feldkamp (07.06.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE