MANSFELD - Max und Moritz - eine Bubengeschichte in sieben Streichen

Artikel-Bild
VÖ: 15.01.2021
Bandinfo: MANSFELD
Genre: Metal
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Ach, was muß man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen.

Daß der Humor des deutschen Dichters und Zeichners Wilhelm Busch zutiefst dunkelschwarz war, ist jedem bekannt, der sich mit seinen Werken etwas genauer auseinandergesetzt hat. Nicht nur in "Max und Moritz" finden sich teils grausame Anekdoten, die sogar im Tode der Lausbuben enden. Auch Geschichten wie "Die fromme Helene" oder "Fipps der Affe" sind nur sehr bedingt für Kinderaugen und -ohren bestimmt. Insofern war es also nur eine Frage der Zeit, bis sich endlich eine Metalband findet, die dieses wunderbare und durch und durch mit inzwischen geflügelten Worten gespickte Werk namens "Max und Moritz" als Konzeptvorlage verwendet.

...die, anstatt durch weise Lehren
Sich zum Guten zu bekehren,
Oftmals noch darüber lachten
Und sich heimlich lustig machten.

MANSFELD aus Hessen entstanden aus der Asche der Death Metal/Grindcore Band RETARDED NOISE SQUAD, welche bereits seit 2003 gemeinsam musizierte und auch bereits die eine oder andere Veröffentlichung zu Buche stehen hat. Im Seuchenjahr 2020 wagte man unter neuem Namen und korrigierter stilistischer Ausrichtung einen Neustart und präsentiert nun als Debütalbum sogleich die Vertonung der sieben Streiche der beiden Lausejungen Max und Moritz, von denen - Spoiler! - der letzte bitterlich ins Auge gehen sollte.

Ja, zur Übeltätigkeit,
Ja, dazu ist man bereit!
Menschen necken, Tiere quälen;
Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen...

Verpackt in modernen Progressive Metal mit gelegentlichen Ausflügen Richtung Djent widmen sich MANSFELD der historischen Vorlage Buschs mit viel Feingefühl und Respekt. Soll heißen: Es ist zwar definitiv Metal, welcher zuweilen richtig hart gespielt wird, doch die Band mäht die Geschichte nicht ohne Rücksicht auf Verluste gnadenlos nieder. Vielmehr erhält jeder Streich die gebührliche Stimmung. Der Wechselgesang zwischen Sara Seubert, welche die melodischeren Parts bedient und Tobias Reinicke, der für die harschen Shouts zuständig zeichnet, ist sehr gelungen, wenngleich in der Akzentuierung, die bei der Erzählung dieser Geschichte ja eine ausnehmend wichtige Rolle spielt, durchaus noch Luft nach oben wäre.

...das ist freilich angenehmer
Und dazu auch viel bequemer,
Als in Kirche oder Schule
Festzusitzen auf dem Stuhle.

Die Geschichte von "Max und Moritz" lebt ja naturgemäß extrem stark von seiner Bildsprache. Nicht umsonst zählen die Geschichten von Wilhelm Busch ja vielerorts als Vorläufer der Comics, wie sie erst viele Jahre später populär werden sollten. MANSFELD ist es sehr gut gelungen, diese Bildsprache unter Einsatz unterschiedlicher Instrumentierung musikalisch zu vertonen. So hört man beim Streich am bedauernswerten Lehrer Lämpel, dessen Wonne nicht nur der Pfeifentabak sondern auch das Orgelspiel war, eine Orgel. Dazu kommen neben dem bekannnten Metal-Instrumentarium auch klassische und akustische Instrumente, wie Bläser und Streicher und ein Akkordeon zum Einsatz. Sehr schön wird beim abschließenden Schlußtrack auf eine melancholische Note gebaut, wodurch die berühmte "Moral von der G'schicht" noch extra hervorgehoben wird.

Aber wehe, wehe, wehe!
Wenn ich auf das Ende sehe!

MANSFELD haben sich mit der Vertonung der Streiche von "Max und Moritz" kein einfaches Thema vorgeknöpft, da es sehr stark auf schwarzem Humor und Stimmung aufgebaut ist. Mit viel Einfühlungsvermögen einerseits und einer gehörigen Portion musikalischen Verständnisses andererseits brilliert die Band und zaubert daraus ein wirklich wunderbares Album, das zumindest in mir die Lust geweckt hat, nach vielen Jahren wieder einmal die Geschichten von Wilhelm Busch herauszukramen und anzusehen. Höchst gelungen!

Ach, das war ein schlimmes Ding,
Wie es Max und Moritz ging.
Drum ist hier, was sie getrieben,
Abgemalt und aufgeschrieben.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: adl (03.06.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE