MISTER MISERY - A Brighter Side Of Death

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VÖ: 23.04.2021
Bandinfo: MISTER MISERY
Genre: Modern Metal
Label: Arising Empire
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Lineup  |  Trackliste

2019 war ich beauftragt, die neue Horror Modern Metal Band MISTER MISERY aus Stockholm unter die Lupe zu nehmen. Deren Debütalbum „Unalive“ hat mich damals ganz schön überrascht. Ich beschrieb den Stil der Jungs als „…modernes, heavy Songwriting zwischen Rock, Gothic, Punk und Metal … man kann sich dem Eindruck nicht entziehen, dass dies mit einem Augenzwinkern geschieht…“ Ich fand den Stil zwischen Grusel, Blut, MARILYN MANSON und Fun schräg, witzig, nicht alltäglich und gut gemacht. Einfach mal was erfrischend Neues seit längerem.

2021 - zwei Jahre und eine Pandemie später schmeißen sich die Schweden erneut ins Zeug und servieren uns die Horrorstory „A Brighter Side Of Death“. Sie haben ihren Stil beibehalten und intensiviert. Die gleichen Gedanken wie 2019 kommen mir in den Sinn: Grusel, Party, crazy, freaky. Sie schaffen es, wieder zwölf Tracks mit mehr oder weniger Story dahinter auf das neue Album zu packen und einen gut und nicht abgelutscht klingenden Spagat zwischen Metal, Goth und Melodic Death mit einem Touch Punk sowie Symphonic aufs Parkett zu legen. Sänger Harley Vendetta schlägt stimmlich erneut Kapriolen zwischen Growling, Screams, Quietsch und schönem Gesang. Eine passende Mischung also zu der vielseitigen musikalischen Interpretation, die von heftigen Riffs, über ratternden Schlagzeug-Takt, bis hin zu sanften Piano- und großen Orchester-Keyboard-Tönen geht und musikalisch nicht beim Metal Halt macht, sondern auch mal bei Pop, Punk und Orchester wildert.
Ähnlichkeiten findet man zu vielen Bands (BLACK VEIL BRIDES, MARILYN MANSON, CRADLE OF FILTH oder MOTIONLESS IN WHITE), aber richtig kopiert wird niemand, sondern eifrig ins Farbtopferl und zum Verzerrer gegriffen, um die Eigenkreation noch kreativer und eigenständiger zu machen und sich von der Masse abzuheben. Und das gelingt den Jungs aus Schweden mit diesem Album wieder auf jeden Fall.

“A Brighter Side Of Death« Analyse:
Gestartet wird mit der “Ballad Of The Headless Horseman”. Dieser Song ist gleichzeitig Einstieg und Ausklang. Weil sie nämlich mit einer heftigen Version starten und mit einer Orchester-Version das Album beenden. In meinen Augen ist das eine gute Idee, für die Lösung des Anfangs und Endes eines Albums.
Aber was ist nun diese Ballade: es ist eine energiegeladene Freak-Musik mit schönen melodischen Sequenzen. Der Stilmix in diesem Song ist extrem breit und geht von Melodic Death Metal über Gothic zu Metal und Symphonic. Die Band schafft den krass anmutenden Spagat jedoch mit Eleganz und einem Augenzwinkern. Egal ob clean Vocals oder Screaming und Growls, die Mischung passt, das gleiche gilt für kreischende Gitarren, ratternde Drums oder orchestrale Keyboardtöne. Der Titel „Ballade“ passt vielleicht nicht so ganz, weil von Ballade ist hier nichts zu hören. Eher ist damit die Art und Weise des Erzählstils gemeint, aber nicht die Art der Musik. Es geht alles ins Ohr. Wenn man in aufgeregter Stimmung ist, ein perfekter Song. Und die Orchester-Variante ist richtig schön gemacht und mit einer großen Bandbreite an Vocals versehen. Sie sorgt für einen entspannenden Ausklang und um nach diesem teils recht heftigen Album den Kreis zu schließen und ein ruhiges Ende zu machen.

Nummer eins ist somit auch gleich der absolute Höhepunkt auf dem neuen Werk. Die weiteren Songs wechseln zwischen Stücken, die etwas ruhiger, langsamer aber trotzdem mit Nachdruck gespielt sind, wie „Buried“ oder „Devil In Me“, das mit zarten Glockenklägen und Hexensound eine Erinnerung an Kinderspiele, Karussell und Geisterbahn abliefert, sodass wir einen gruseligen und morbiden Sound hören. Der Gesang ist überwiegend klar und sauber. Der „la-la-la“-Part erinnert an Kindersongs. Schauriges, Gruseliges und Geisterbahn in Kombination mit melodischem Gesang hört man auch bei „Mister Hyde“. Das Nachdenkliche, Sphärische „In Forever (We All Fall Down)“ gehört hier auch noch dazu.

Zur wild-aggressiven Gattung gehören „Burn“ oder „I’ll Never Be Yours“. Das Erstere bringt ganz schön viel intensive Emotion mit, es hat raue Töne, ein wenig Rap, Elektronische Spielereien, und schraubt sich gesanglich in grölende Tiefen. Das zweite überwältigt mit Double-Bass und Extrem-Gitarren im Wechsel mit cleanem Gesang und schönen Refrains sowie Gegröle und Gekreisch. Eine köstliche Mischung, wenn man auf der Suche nach etwas nicht Alltäglichem ist oder sich mal was Anderes reinziehen will, als man in der Masse hört.

Nicht ganz Standard ist „Under The Moonlight“. Das ist Marschmusik mit getragener Stimme, tragisch vorgetragen und intoniert. Das passt aber zum Inhalt des Songs – man benötigt eine entsprechende Artikulierung, wenn es um Leichen geht. Die wenigen Takte, wo schön, klar und engelhaft gesungen wird (sowohl solo als auch im Chor), lockern auf und wirken trotz der Gegensätze harmonisch.

Auch der „Clown Prince Of Hell“ fällt auf. Einerseits ist es wieder das Jahrmarkt/Geisterbahn Feeling in Kombination mit Horror. Andererseits die Screams, heftigen Rhythmen/Drums, dröhnende Bässe, kreischende Gitarren-Akzente, heavy Riffs, Keyboardklänge und die sich krass dagegen schraubenden Screams und Growls. Klar, es spricht ja der Clown Prince aus der Hölle persönlich zu uns. Sie leben die Schizophrenie, das Yin-Yang Prinzip in allem, Gut und Böse… Ein Mix, der Metal immer wieder aufgreift und erfrischend wild ist.

Die letzten drei Songs „We don’t Belong“, „Home“ und „Through Hell“ lassen das Album nach den harten Ritten gemächlicher ausklingen. Bei diesen fehlen die bösen, wütenden Growls, alle sind schön gesungen, ruhiger gemacht sowie harmonisch. Sie sind am Ende des Albums und bilden das Ende der Geschichte. Fast so, als wäre es dann „Ende gut – alles gut“. Aber bei dem Gruselinhalt natürlich nicht. Die großen, fast schon epischen Klänge machen „Through Hell“ zu einem gelungenen Abklang und man wird nach dem Höllenritt und den aufputschenden Growls und Screams in der Mitte des Albums nun wieder zurückgeholt und auf „normal-Level“ gebracht.

Fazit: MISTER MISERY sind gut in dem, was sie tun, sie haben sich ihren Stil mit dem letzten Album erarbeitet und bauen ihn weiter aus. Ihr Markenzeichen: anders sein. Das schaffen sie eigentlich immer – die Gratwanderung zwischen hart, abgehackt und schön und harmonisch nimmt man ihnen ab, sie schaffen es locker mit ihrem Sound und klingen nicht gezwungen sondern modern, gut und erfrischend anders.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (01.07.2021)

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