PLUTONYAN - DOXA

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VÖ: 04.06.2021
Bandinfo: PLUTONYAN
Genre: Black Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Sonderlich begeistert war ich definitiv nicht, als die deutsche Black-Metal-Band EÏS das World Wide Web davon unterrichtete, dass man für einen unbestimmten Zeitraum in einen komatösen Zustand übergehen würde - in vielerlei Hinsicht. Selbstverständlich findet man noch einige von ihnen, den Ausnahmen, den Originalen, die sich vom Gros abheben oder zumindest einen bekannten Stil besonders gut interpretieren. Doch abgesehen davon - und ich weiß, dass ich mit nachfolgender Aussage ein wenig an den "Sachsen-Vikernes" Kanwulf erinnern werde - scheint mir deutscher Black Metal zu häufig nur noch ein gigantisches Meme, ein Gimmick zu sein. Allerdings, und das unterscheidet mich wohl von Herrn Wagner, geht es mir nicht um "Trveness" oder dergleichen, sondern um den künstlerischen Hirntod, der sich durch viele Veröffentlichungen zieht. Normalerweise kommen Trends, verschwinden dann für viele Jahre und kehren irgendwann wieder aus der Vergessenheit zurück, doch im deutschen Black Metal existiert zweiteres Stadium, in dem sich die Spreu vom Weizen trennt, schlichtweg nicht. Stattdessen florieren immer noch beliebiges Pagan-Black-Einerlei mit den immergleichen heroischen Texten, austauschbare Finnland-, Schweden- und Polen-Kopien, oder aber steinzeitliches NSBM-Gerümpel, zu dem man sich in albernsten Bruderschaften gegenseitig den (sozial-medialen) Phallus poliert, „weil Black Metal ja schon immer extrem war und auch sein muss - und weil die Riffs viel geiler sind!“. Da schließt sich dann der Kreis, weil mit jedem Mal, wenn Bands wie LUNAR AURORA oder eben zuletzt auch EÏS ihren Rückzug verkündeten, die Persönlichkeit, die Identität des deutschen Black-Metal-Mikrokosmos bröckelte.

Höchstwahrscheinlich rauft sich gerade irgendwo in NRW eine ganz bestimmte Person ob dieser einleitenden Zeilen die Haare, weil all dieser Kontext zwar relativ viel mit deutschem Black Metal an sich, dafür aber wenig mit ihrem neuen Projekt PLUTONYAN zu tun hat, aber das war es mir durchaus wert. Zumal es in Anbetracht erwähnter Lage irgendwo doch zusammengehört, weil hier nicht nur irgendwer, sondern zwei Gründungsmitglieder der Band EÏS sowie ein nicht minder bemerkenswerter Künstler von DER ROTE MILAN zusammengefunden haben. Lyrisch wie auch musikalisch gibt sich diese Handschrift auf der Debüt-EP "DOXA" auch umgehend zu erkennen, wobei ich insbesondere den Werdegang als charismatisch empfinde: Man begab sich auf und in das offene Meer, schritt bei klirrender Kälte über gewaltige Bergmassive, stand gedankenverloren vor norwegischen Fjorden, um die Abgründe der Menschheit und das eigene Sein zu reflektieren. Die Konsequenz? Eine Expedition in das Weltall, möglichst viel Abstand zu einer verkommenen Spezies gewinnen - Social Distancing in ganz anderen Dimensionen gedacht. Ob das letztlich auch das Konzept, der sog. "Masterplan" hinter PLUTONYAN ist, kann ich nur mutmaßen. Aber genau so eindrucksvoll wirken die beiden Stücke "I.I [Ihr die viel sprecht und niemals hört]" und "I.II [Von gutem Willen sprechen wir]" auf mich. "DOXA" ist - zum Glück! - kein Effektgewitter, sondern geradliniger, herrlich analog klingender Black Metal mit mal sphärischen, mal elektronischen Synthesizern, einem Quäntchen Weltfremdheit und Avantgarde im Stile von ARCTURUS sowie gewohnt qualitativer Lyrik. Der deutsche Black Metal gewinnt durch PLUTONYAN wieder an Klasse.



Ohne Bewertung
Autor: Pascal Staub (02.06.2021)

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