ALESTORM - Live In Tilburg

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VÖ: 28.05.2021
Bandinfo: ALESTORM
Genre: Folk Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Habt ihr euch schon mal überlegt, wie es wäre, sich einen Anker rektal einzuführen? Also ich rede jetzt nicht von einem wabbeligen Sextoy, sondern schon von einem soliden, aus Metall gefertigtem Teil, das gewöhnlich für die sichere Standorttreue eines nautischen Transportmittels sorgt. Nein? Glückwunsch, dann wurdet ihr bisher noch nicht von den umtriebigen schottischen Piraten von ALESTORM geentert. Diese würden nämlich gerne Amüsement mit selbigem massivem Seemannsgerät (höhö) betreiben – da klingt ja fast des Corpsegrinders Liebeslied „Fucked With A Knife“ verlockender...

Allenfalls ist Kielholen bei Piraten immer eine Option - wenn man es genau nimmt tut es im Falle der Schotten auch die Kopulation, ähem der Tanz mit einer überdimensionalen Gummiente, mit der Fronter Chris Bowes wie ein Derwisch über die Bühne fegt. Ihr merkt, dass ich um Worte ringe, wie ich mich am Besten in eine fundierte Kritik des vorliegenden Live-Albums „Live in Tilburg“ des Metal-Kuriosums ALESTORM hinein schwindle – wenngleich, es wird keine geben. Also zumindest keine Kritik. Also keine fundierte. Denn eigentlich wurde über ALESTORM bereits alles geschrieben, was man so schreiben kann. Ein Sänger der nicht wirklich singen kann, simple Songs und Refrains, die man selbst im nebeligen 5-Promille-Niveautiefflug noch mitgrölen kann, dazu ein behämmertes Image inklusive Klamotten die jedem Modedesigner suizidale Tendenzen bescheren - und eine riesige Gummiente.

Unterm Strich – und jetzt kommt der Twist – ist es aber genau diese hochnotpeinliche Mischung, die die Schotten mit ihren ultra-eingängigen und einfach auf den Punkt komponierten Songs in die höheren Regionen diverser Festivalbillings gespült hat. Denn ALESTORM machen Spaß, Spaß und nochmal Spaß! Gerade die Nonperfektion, die schrägen Töne, das geradezu kindliche Image, welches den gelebten Eskapismus exerziert, das ist es, was die schamlose Piratentruppe so speziell macht. Und genau diese Atmosphäre schafft es „Live In Tilburg“ perfekt einzufangen – der schön differenzierte Sound kehrt vielleicht jede Fehlnote und so manchen wirklich fußnägelhochrollenden gesanglichen Ausreißer hervor, doch das begeisterte Publikum, das in so manchem Refrain sogar die Band in Grund und Boden brüllt, macht vieles wieder wett. Egal ob zu „Nancy The Tavern Wench“ geschunkelt wird, zu „Drink“ gepflegt eskaliert, der Klassiker „Captain Morgans Revenge“ geradezu zelebriert wird oder der eingangs erwähnte Anker als finaler Höhepunkt mit Wonne in den Leib gerammt wird – die Party, die ALESTORM regelmäßig indizieren, sucht ihresgleichen.

Auf „Live In Tilburg“ kann man sich davon überzeugen, wie lange und wie hart das Piratenschiff von ALESTORM schon am Trendwind segelt, ohne Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Man darf die Schotten getrost lieben, sie aber auch genauso inbrünstig hassen – Zwischenstufen gibt es hier keine. Und das ist auch gut so. Der Metal braucht seine Ecken und Kanten, auch wenn sie manchmal ein wenig wehtun. Nur über das "Hangover"-Cover müssen wir echt nochmal reden...

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (04.06.2021)

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