ARCHON - Altiora

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VÖ: 11.06.2021
Bandinfo: ARCHON
Genre: Metalcore
Label: Prime Collective
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Metalcore - bis auf wenige Ausnahmen zieht dieses Genre weiträumig am Gehör des Verfassers vorbei. Doch manchmal finden bestimmte, zumeist frisch debütierende Vertreter dieser Zunft auf wundersame Weise ihren Weg auf meinen virtuellen Schreibtisch. So auch das dänische Ensemble ARCHON, das dieser Tage seine erste EP "Altiora" vorstellt.

ARCHON klingen zunächst einmal so, wie eine zeitgemäße Metalcore-Band klingen muss. Die Gitarren drücken wie eine Premiummarken-Dampfwalze, der Sound der Kessel gleicht einer massiven Ziegelmauer und es wimmelt nur so vor Breakdowns und unter- bis überschwelligen Aufforderungen, den nächsten Moshpit aufzusuchen und das Fitnessprogramm der letzten sechs Monate nachzuholen. So weit, so gut - die Dänen beherrschen das kleine Einmaleins ihrer musikalischen Sparte vorbehaltlos, doch können sie sich auch von anderen Bands abheben? Ja, das können sie. Der Refrain von "Begin" bspw. ist mit seinem synthetischen, dem Klang von Streichern nachempfunden Unterbau und dem halb-cleanen Gesangsvortrag ausgesprochen klebrig geraten - klebrig genug, um auf Anhieb in die Fuß- und Nackenmuskulatur überzuspringen und nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben, aber ungezogen genug, um dem gemeinem Mainstream zu entfliehen.

Das Rezept aus knüppelharten, Moshpit-anheizenden Strophen und zuckrigen Refrains zieht sich wie ein roter Faden durch die fünf Tracks der EP. Das ist mitnichten was Neues im Metalcore, hervorzuheben sind jedoch die beachtlichen technischen Fertigkeiten des Gitarrenduos (Kresten Maigaard Axelsen und Jonas Larsen), die musikalischen Nebenkriegsschauplätze abseits der Axtfront und auch die ohrwurmverdächtigen Gesänge in den Refrains. In "Gloom", dem melodischsten und eingängigsten Track, schimmern sogar dezente LINKIN PARK-Anleihen durch - und das, ohne den Verfasser in depressive Verstimmungen zu versetzen (was gar nicht mal so einfach ist...aber das ist eine andere Geschichte...).

Wie man also sieht (oder besser: hört), legt der Vierer aus Aarhus einen passablen Start an den Tag, der einer breiteren Audienz durchaus würdig ist. ARCHON schaffen es, die Aktivierung genrebezogener Urinstinkte mit einer eigenen, markanten Duftnote unter einen Hut zu bringen und dabei ein stückweit unberechenbar zu bleiben. Und da die Extreme auf "Altiora" weit auseinanderdriften, darf man gespannt sein, in welche Richtung sich die Kapelle musikalisch entwickeln wird.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (09.06.2021)

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