EREMIT - Bearer Of Many Names

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VÖ: 11.06.2021
Bandinfo: EREMIT
Genre: Doom Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Mit ihrer EP "Desert Of Ghouls" hat die Osnabrücker Kreativschmiede EREMIT letztes Jahr einen kleinen Volltreffer gelandet und meine Aufmerksamkeit auf die beschwerliche Biografie des namensgebenden Eremiten gelenkt. Nach über vier einsamen Dekaden auf See endlich an Land angekommen, erwarten den Protagonisten "blutige und gnadenlose Kämpfe mit grausamen Kreaturen" [Anm. d. Verf.: hoffentlich muss der Ärmste keine deutsche Steuererklärung ausfüllen...]. Und wie wir aus dem hier angeführten Interview gelernt haben, spielt die Handlung der letzen EP innerhalb der Story des nun vorliegenden zweiten Studioalbums "Bearer Of Many Names", das die Lücke schließen und erklären soll, wie der Eremit eigentlich vom Regen ("Carrier Of Weight") in die Traufe ("Desert Of Ghouls") geraten ist.

Über die lyrischen Inhalte wollen wir an dieser Stelle nicht weiter spoilern, denn schließlich geht es im Rahmen der hier vorliegenden Rezension primär um die musikalische Umsetzung des Ganzen. Und die ist vor allem eins: ausufernd. "Bearer Of Many Names" bleibt der Tradition des 2019er Erstwerks verpflichtet und besteht aus drei Tracks, die mit bis zu dreißig (!) Minuten zu Buche schlagen. Am markanten Sound des Trios hat sich nicht viel verändert, allenfalls die (von nicht vorhandenen Tieftönern produzierten) Bässe drücken eine gute Ecke heftiger. Wenn man sich dieses Spektakel in der richtigen Lautstärke durch die Lauscher grollen lässt, dann drohen Trommelfelle und Knochen zu bersten und Gelenke vorzeitige Arthroseerscheinungen zu erleiden. Kaum zu glauben, dass hier wirklich kein Bass im Spiel sein soll.

"Enshrined In Indissoluble Chains And Enlightened Darkness" überrascht, wenn die sechs Minuten Intropassage mal verklungen sind, mit deutlichen Einflüssen aus dem Black Metal. Es wird in ungeahntem Tempo nach vorne geblastet und mit den typischen Tremolostürmen für erdrückende Stimmung gesorgt. In der zweiten Hälfte des Tracks beginnen die bereits angedeuteten Bässe zu dröhnen und der Gesang geht zuweilen in tiefe Growls (die zweite Überraschung im heurigen Stilmix EREMITs - beigesteuert von AHABs Daniel Droste) über. "Secret Powers Entrenched In An Ancient Artefact" findet zurück zum mystischen Touch der "Desert Of Ghouls"-Songs und geht im späteren Verlauf in eine lässige Doom-Rock-Nummer über. Dies ist auch die Stelle der Platte, die am besten an die mitreißende und hypnotische Wirkung der EP-Tracks anknüpfen kann. "Unmapped Territories Of Clans Without Names" führt schließlich die Attribute der vorangegangenen Tracks zusammen und wartet zum großen Finale mit der bereits für ihre betörende Wirkung bekannten Leadgitarre auf. Was uns das über den Ausgang der Klopperei zwischen dem Eremiten und der Landbevölkerung sagt? Findet's heraus...

Summa summarum hat das zusammenhängende Konzept EREMITs nichts an seiner Faszination eingebüßt. Die Saga um den einsamen Protagonisten wächst und wächst und mit ihm die musikalische Untermalung der Geschehnisse. Soundtechnisch konnten die Osnabrücker neue Extreme erklimmen (und vermutlich wieder einiges an Hardware verheizen), in puncto Klebewirkung und Halluzinogenität kommen allerdings nicht alle Passagen an die vorangegangene EP heran. Dies jedoch mag stark von subjektiven Empfindungen geprägt sein, die man vor diesem Hintergrund nicht überbewerten sollte. Wer sich also mal wieder ein zünftige Gehörgangsreinigung gönnen oder wissen möchte, wie die Handlungsstränge der bisherigen Werke mit dem aktuellen Opus zusammenlaufen, dem sei das Studium von "Bearer Of Many Names" und dem zeitgleich releasten zweiten EREMIT-Pamphlets nahegelegt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (14.06.2021)

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