FIRIENHOLT - By The Waters Of Awakening

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VÖ: 11.06.2021
Bandinfo: FIRIENHOLT
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: Naturmacht Productions
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Wenn man, wie der Rezensent, SUMMONING (und CALADAN BROOD) zu seinen absoluten Lieblingsbands zählt, dann schaut man natürlich immer auch auf die Veröffentlichungen der Epigonen und Nacheiferer der Österreicher. Doch auch wenn Ensembles wie ELDERWIND, KINSTRIFE & BLOOD, ELFFOR, L'ORDRE DU TEMPLE, EMYN MUIL, VALFEANOR, ERED WETHRIN und viele andere durchaus immer wieder ein gewisses Potential und interessante Ideen präsentieren, Protector und Silenius konnte bislang noch niemand der Genannten (und nicht genannten) das Wasser reichen. Entweder gab es Defizite beim Songwriting und bei der Umsetzung, und / oder der Sound der Veröffentlichungen war schlecht bis unterirdisch.

Lediglich CALLADAN BROOD, das extrem talentierte Duo aus Utah, hat sich SUMMONING gegenüber als ebenbürtig erwiesen. Und nicht nur das, ihr bislang leider einziges, 2013 erschienenes Album "Echoes Of Battle" schaffte das schier Unmögliche und übertraf das im gleichen Jahr veröffentlichte österreichische Gegenstück "Old Mornings Dawn" deutlich. Allerdings schafften es die Wiener Platzhirsche 2018 mit der großartigen Scheibe "With Doom We Come", sich den Thron des Subgenres zurückzuerobern. Danach ruhte der Genre-See erst einmal einige Jahre still...

...Bis, ja bis im Jahr 2020, vorerst noch weitgehend vor den Blicken des Großteils der musikalischen Welt verborgen, ein britisches Trio namens FIRIENHOLT den Altvorderen gleich sich, so schien es, aus einem Äonen andauernden Schlaf erhob und wenige Eingeweihte mit drei unglaublich starken EPs beglückte, die jeweils einen Atmospheric Epic Tolkien Black Metal Track und dazu eine reine Ambient Nummer enthielten. Und nun, ein Jahr später, schicken FIRIENHOLT sich an, ihren Siegeszug mit einem vollwertigen Debütalbum endgültig zu vollziehen.

Der Begriff Firienholt entstammt dem Fantasy-Universum von J.R.R. Tolkien und bezeichnet in der Sprache der Rohirrim einen kleinen Eichenwald an der Grenze von Rohan und Gondor. In früheren Zeiten wurde der Wald in der Sprache der Sindarin (Grauelben) Eryn Fuir - Nordwald - genannt. In der Umgangssprache von Mittelerde wird FIRIENHOLT aufgrund der unnatürlichen Stille, die ihm innewohnt, auch als Flüsterwald bezeichnet. Doch genug des kleinen Exkurses in die tolkinsche Welt der zehntausend Namen.

FIRIENHOLT bewegen sich inhaltlich ebenso wie SUMMONING in der Fantasywelt von Tolkien. Und musikalisch? Nun, bereits bei den ersten Klängen des Openers "A Forgotten Legacy" schossen mir zwei Gedanken durch den Kopf: "City Of Azure Fire" von CALADAN BROOD und "Kortirion Among The Trees" von SUMMONING. "By The Waters Of Awakening" vereint das Beste aus den Welten der zwei genannten Bands, CALADAN BROODs grandiosem Werk "Echoes of Battle" und SUMMONING zu "Dol Guldur" / "Nightshade Forests" Zeiten mit spannenden eigenen Trademarks.

Es finden sich auf "By The Waters Of Awakening" die durch SUMMONING zur Perfektion erhobenen, zeitlosen schwebenden Synthesizer und die grandiosen klaren Männer-Chöre, die der Musik von CALADAN BROOD ihren speziellen Stempel aufdrückten. Doch sollen meine Vergleiche bitte nicht falsch verstanden werden. Natürlich nutzen FIRIENHOLT bekannte und etablierte Elemente des Musikstils der beiden großen Bands. Doch handelt es sich hier nicht (wie in vielen anderen Fällen) um eine bloße, oft schlechtere Kopie der Originale. Vielmehr schaffen es FIRIENHOLT bereits mit ihrem Debüt, sich als absolut ebenbürtig zu erweisen, und sie positionieren sich zurecht erhobenen Hauptes auf Augenhöhe mit den großen Vorbildern.

Und ist es nicht das größte Kompliment, dass man der Band machen kann, wenn man beim Hören von "War Of Wrath, War Of Ruin" in der Mitte des Songs eben nicht an SUMMONING denkt, sondern vielmehr an die Worte Boromirs, die dieser in Lothlorien an Streicher richtet: "... Hast du ihn je gesehen, Aragorn, den weißen Turm Ecthelions, glitzernd wie ein Dorn aus Perlen und Silber, seine Banner, leuchtend im Morgenwind? Hast du jemals den Klang vernommen, den hellen Klang silberner Trompeten? ..." Und wenn dann einige Minuten später dieser unglaublich ergreifende, tief tönende Chor einsetzt, ist eine massive Gänsehaut vorprogrammiert!

Auch die folgenden drei Stücke halten mühelos das Niveau der beiden ersten Songs. Es gibt eigentlich nicht genügend passende Worte, um das überwältigende Klangerlebnis zu beschreiben, das FIRIENHOLT dem Auditorium mit "By The Waters Of Awakening" schenken. Man MUSS es hören, und wenn man es hört, wird man es lieben (zumindest alle die, die mit dem Genre auch nur ein klein wenig anfangen können). Wenn man sich die Scheibe wieder und wieder zu Gemüte führt, stellt sich unweigerlich das Gefühl ein, das hier eine Band heranwächst, die das großartige Erbe von SUMMONING und CALADAN BROOD nicht nur fortzuführen, sondern auch weiterzuentwickeln vermag. Schon das Debüt versprüht so viel Eigenständigkeit und neue Facetten und Farbtupfer, dass es eine wahre Freude ist.

Und was mich ganz besonders freut, die fünf meisterhaften Kompositionen werden nicht vom Mantel einer grottig-billigen Produktion verdeckt. Vielmehr erstrahlen sie im prachtvollen Glanz eines glasklaren, kraftvollen Sounds, der sein Übriges dazu beiträgt, bereits FIRIENHOLTs Debüt zu einem Meilenstein des Genres werden zu lassen!

 

Fazit:

Momentan weine ich nicht mehr um das scheinbar niemals mehr erscheinende zweite Album von CALADAN BROOD. Zurzeit sehne ich kein neues SUMMONING Album herbei. Denn hier und jetzt, und noch eine ganze Zeit lang, gebe ich mich dem Zauber und der Magie hin, die FIRIENHOLT mit "By The Waters Of Awakening" versprühen. Was für ein Debüt! Bei einer derartig hohen Qualität wird mir um die Zukunft des tolkienbasierten Atmospheric Black Metal wirklich nicht bange, und ich kann gar nicht anders. Das Erstwerk der Engländer heimst direkt die Höchstnote ein, und, da lege ich mich fest, wird am Ende des Jahres definitiv in meiner Album Top 5 für 2021 stehen!

 

 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (10.06.2021)

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