SONIC HAVEN - Vagabond

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VÖ: 07.05.2021
Bandinfo: SONIC HAVEN
Genre: Power Metal
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

Da ist er wieder, Herbie "Hans Dampf in allen Gassen" Langhans. Nein, eigentlich war er nie weg. Im Gegenteil: Gefühlt mischt er überall mit. Der Stimmen-Workaholic, der unter anderem auch bei AVANTASIA, SINBREED oder RADIANT mitgemischt hat, oder sich ein Gastspiel bei unseren Lokalmatadoren SERENITY gegeben hat - und nebenbei als Vocal Coach die ein oder anderen Stimmbänder auch während der verflixten letzten Zeiten zum Klingen gebracht hat, hatte entweder Langeweile - oder zu viele neue Ideen im Kopf - oder beides. 

SONIC HAVEN ist das Ergebnis dieser neuen Ideen, inklusive eines kleinen Konglomerats an hochwertigen Musikern, die sich nun mit einer ordentlichen Ladung melodischen Power Metals und dem ersten Album "Vagabond" gehörig bemerkbar machen. Das Musikerquartett, das sich vollständig aus bekannten Namen bzw. Ingredienzen diverser Bands zusammensetzt, gibt mit ausführlich-melodischer Klampfenarbeit, leicht verdaulich, aber mitreißendem Rhythmus und großartigen, leicht angerauten Vocals eine Quasi-Debut-Vorlage, die sich gewaschen hat. Gleich vorweg: Werden wir hier die großen Innovationen des Power Metal erfahren? Nein, sicher nicht. (Melodischer) Power Metal muss ja auch so klingen, wie er klingen muss. Wird man mit "Vagabond" dennoch auf hohem Niveau unterhalten und bekommt ein glanzvolles Stück Musik vorgelegt? Auf jeden Fall! 

Vielleicht hat diese Stilrichtung ihren Zenit schon überschritten, alles Großartige schon gesehen. Kein Grund, sich nicht trotzdem als Fan auf hohem Niveau unterhalten zu lassen und voller Genuss zuzugreifen, wenn neues Futter für die Gehörgänge angekarrt wird. Und ins Genießen kommt man bei "Vagabond" durchaus. SONIC HAVEN garantieren eine extreme Dichte an Hooks und klebriger Melodielinien und gleichermaßen ein flottes Vorankommen ohne Längen, dafür mit viel Eingängigkeit. Die ausgeprägte, versierte Klampfenarbeit macht Spaß und bietet ausreichend Abwechslung und die ein oder andere unerwartete Marschrichtung in Tempo oder Melodielinie setzt dann doch wieder Spannungsbögen an ein sonst recht entspanntes und leicht verdauliches Durchhören. 

"The Darker Side" als Beispiel bedient sich einer relativ düsteren Gangart, schiebt zwischendurch etwas überraschend im Tempo etwas nach und baut sich dann gegen Ende wieder selbst zurück. Songs wie "End Of The World" oder "Back To Mad" (mein persönlicher Favorit) catchen schon von Anfang an durch den Aufbau, kombinieren dann gehörig Schwung, Eingängigkeit und Feierlaune. "Keep The Flame Alive" kommt mit dem gewissen hymnischen Touch, dieses Attribut kann man wohl auch "From White To Black" zuordnen, das gleichermaßen sehr vertraut, easy-going und angerockt ankommt. Und "Striking Back" als Rausschmeißer räumen dann durch punktierte Rhythmik und Rockbarkeit auch noch mal gut alles ab. Songs, die sich gut hören lassen, aber ein wenig nach Schema F generiert wirken, gibt es kaum (und ja, die obligate Ballade zähle ich auch dazu, aber das hat wohl mit meiner individuellen Aversion gegen Songs mit zu niedrigen BpM zu tun). Insgesamt aber eine sehr saubere Sache, die vor allem anderen Spaß macht! 

SONIC HAVEN sind zwar als Band neu, die Musiker sind es aber nicht und wissen, wie man gute Musik macht und gut zu unterhalten versteht. Hier gibt es definitiv neues Futter für Melodic und Power Fans, die auf Eingängigkeit, Rockbarkeit und Spaß stehen, ohne von Soli und Instrumentalschlachten niedergebombt zu werden. "Vagabond" kann das alles; bietet hochwertigen Sound mit Spaßfaktor, der aber auch nicht überanstrengt und überlastet.  Die große Innovation wird man hier zwar nicht finden, aber hier liegt Power Metal mit Herz und Seele vor, ein stimmiges Album mit rotem Faden, das auch nach mehrmaligen Umdrehungen noch Freude macht. Weiter so, die Herrschaften!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (17.06.2021)

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