DÖDSRIT - Mortal Coil

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VÖ: 28.05.2021
Bandinfo: DÖDSRIT
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Auch wenn das schwedische Projekt DÖDSRIT erst 2017 gegründet wurde, hat es bereits einen langen Weg hinter sich. Was einst als Ein-Mann-Ensemble, das lärmenden D-Beat und Crust mit gelegentlichen atmosphärischen Pausen fusionierte, begann, ist mittlerweile zu einer richtigen Band mit internationalem Renommee herangewachsen, bei der der atmosphärische Black Metal die Vorherrschaft übernommen hat. So grüßt, wie schon der Vorgänger "Spirit Crusher", auch das jüngst erschienene Drittwerk "Mortal Coil" wieder von ganz oben in den Charts des Subgenres und bestätigt damit den leidenschaftlichen Fleiß, den Christoffer Öster seit Tag eins investiert.

Wer sich kaskadischem Black Metal à la ALDA und WOLVES IN THE THRONE ROOM nicht verschließt und auch mit Bands wie ANCST oder DOWNFALL OF GAIA etwas anfangen kann, wird mit dem daraus hervorgehenden Brainchild DÖDSRIT umgehend connecten können. "Mortal Coil" ist während seiner 36-minütigen Spielzeit nicht nur unheimlich dynamisch, sondern auch melodisch und atmosphärisch, sprich: sehr musikalisch für Black Metal. Zu musikalisch für handelsüblichen Krach - und das ist auch richtig so. Schon der Opener "The Third Door" besticht durch fantastische Harmonien sowie clevere Tempo- und Stimmungswechsel, die weit über den üblichen Horizont hinausgehen. Doch spätestens wenn sich im anschließenden "Shallow Graves" auch noch diverse Göteborg-Melodeath-Erinnerungsfetzen hinzubegeben oder der Titeltrack mit markanten Post-Rock-Melodien aufwartet, fällt einem auf, wie weit DÖDSRITs Songwriting bereits in seiner Entwicklung ist.

Woran sich die Geister hingegen (erneut) scheiden könnten, ist das sehr moderne Soundgewand, das von Alexander Backlund (Mixing) und Jack Shirley (Mastering) übernommen wurde. Zwar sind wir hier immer noch unzählige Dimensionen vom Loudness-War-Zeitgeist bzw. widernatürlicher Kompression entfernt, doch der sehr wuchtige, voluminöse Schlagzeugsound sowie die deftig bratenden Gitarren dürften nicht jedem gefallen. Ich selbst bin diesbezüglich immer noch zwiegespalten, obschon ich es durchaus als konsequent erachte, insbesondere der famosen Leadgitarre eine derart prominente Rolle zuzusprechen, weil diese nunmal das Prunkstück DÖDSRITs ist. Wenn ich im Gegenzug aber PANOPTICONs neuen Meilenstein "...And Again Into The Light", mit dessen Klang ich, so ehrlich muss ich an dieser Stelle natürlich sein, meine Anlaufschwierigkeiten hatte, höre, fällt mir die Beurteilung ein wenig leichter: Ich bevorzuge eindeutig den schmutzigeren, matschigeren, natürlicheren Weg.

Nichtsdestotrotz ist "Mortal Coil" aber ein tolles Album, das sich nicht davon hemmen lässt, zumal das ohnehin ein sehr subjektives Kriterium ist. Kann man sich damit anfreunden, wird man hier nämlich eines der eindrucksvollsten und künstlerisch hochwertigsten Atmospheric-Black-Metal-Alben hören, die das Genre aktuell zu bieten hat. Eine Chance haben sich DÖDSRIT mit "Mortal Coil" schon alleine deshalb zweifelsfrei verdient, weil sie in ebenjenem Genre, in dem sich viel zu viele SUMMONING-Kopien, Shoegaze-Klone und andere Delinquenten tummeln, mit einem unverkennbaren Stil herausstechen und diesen längst auf ein enorm hohes Niveau entwickelt haben.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (17.06.2021)

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