DEVILS IN HEAVEN - Rise

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VÖ: 25.06.2021
Bandinfo: DEVILS IN HEAVEN
Genre: AOR
Label: AOR Heaven
Lineup  |  Trackliste

DEVILS IN HEAVEN aus Australien (Tasmanien) muss man bislang nicht kennen, schließlich hat die Band nie ein Album veröffentlicht, sondern in den 80ern nur einige Singles. Angefangen als Coverband erspielten sie sich einen guten Ruf als Liveband und spielten im Laufe der Zeit mehr und mehr eigene Songs. Dem Beipackzettel zufolge war das Quartett kurz vor dem Durchbruch als der Grunge Rock die Musikszene zum Nachteil traditioneller klingender Rock-Bands veränderte. Die jetzt veröffentlichte Zusammenstellung „Rise“ enthält insgesamt zwölf Songs (plus alternativer Versionen zweier Tracks) aus verschiedenen Aufnahme-Sessions der Band. Sänger David Whitney arbeitet mittlerweile in der Baubranche in Kanada und hat über die Jahre seine Gesangsstimme verloren. Drummer Phil Crothers verstarb vor einigen Jahren. „Rise“ ist also das digital remasterte Vermächtnis dieser Band, das auch recht ausführliche Linernotes zur Entwicklung der Band spendiert bekommen hat.

Der Opener „Liberation“ zeigt das große Potenzial von DEVILS IN HEAVEN: Plötzlich fühlt man sich wieder in die Zeiten der Actionmovies in den 80er und frühen 90ern zurückversetzt. Ihr wisst schon, solche Filme wie „Over The Top“ mit Sylvester Stallone oder „Running Man“ mit Arnold Schwarzenegger. Großartige Hookline, tolles Feeling, großes Kino (also der Opener jetzt)! So schnell wie die Euphorie kam, so schnell ist sie aber auch wieder weg: Wie kann man denn bei „The Night Is Over“ ein derart nerviges, monotones Keyboard-Gequietsche, das klingt als sei es auf einem Kinderspielzeug fabriziert, für die Ewigkeit auf ein Album aufnehmen? Hatten die Australier keinen Produzenten als Kontrollinstanz? Auch der Gesang von David Whitney ist plötzlich sehr brüchig und kraftlos. Diese Makel setzen sich auf „Take Me“ fort. Der Song muss in seiner raumlassenden Struktur durch den Gesang getragen werden, was dieser aber nicht schafft. Das klingt eher so als jappst der Sänger viele, viele Treppenstufen hinauf und presst sich dabei Strophe um Strophe aus der Brust. Auch das Keyboard ist unterirdisch, so einen schlechten Sound gab es zuletzt in den ganz frühen 80ern – möglicherweise stammen die Aufnahmen auch aus dieser Zeit, dazu liegt keine Info vor.

Die Ballade „Ain´t It A Wonder“ verwundert dann erneut, da der Gesang plötzlich verdammt stark ist und die Nummer generell top produziert und arrangiert klingt und an eine der großartigen Balladen von ERIC CLAPTON erinnert. Insgesamt sind die Songs auf „Rise“ recht kurz gehalten, daher geht’s auch schon weiter: „Ships In The Night“ hat eigentlich eine gute Hookline, versprüht auch wieder angenehme AOR-Dynamik. Jedoch werden erneut die Grenzen des Sängers aufgezeigt, der den Refrain nicht kraftvoll genug durchhält. Diesbezüglich besser ist die 1990er-Version, die als Bonustrack ebenfalls auf „Rise“ enthalten ist. So richtig überzeugend ist aber auch da der Gesang nicht. „Say A Prayer“ ist ein ganz okayer, ruhiger Soft-Rocksong, der aber nicht als Hymne funktioniert, obwohl er es so gerne sein möchte. Die Ballade „Age (Simple Man)“ langweilt, also weiter zum poppig-fröhlichen „All Night“, bei dem man mit Ausnahme des kurzen Solos gänzlich auf verzerrte Gitarren verzichtet und man sich damit auf für STORMBRINGER recht weit entferntem Terrain bewegt.

Das stilistische Hin-und-her geht mit „Listen To My Heart“ weiter. Betont cooler 80er-Pop der an Boygroups der Marke NSYNC, MILLI VANILLI oder EAST17 erinnert, sprengt wohl selbst den tolerantesten und breitgefächertsten Musikgeschmack. Das ist in dieser Zusammenstellung einfach nicht gut unter einen Hut zu bringen. Selbst wenn mit „Dreams“ ein weiterer 90er-Popsong nun die sehr sachte Spielrichtung fortführt. Beides gefällig produzierte und gut gesungene Stücke, keine Frage, aber halt eine andere Spielwiese als der zu Beginn des Albums eingeschlagene Weg.

Und schwupps wieder eine Richtungsänderung: „Your Beating Heart“ rockt auf einmal gekonnt im Stile von SURVIVOR, (härteren) JOURNEY oder FOREIGNER. Boah, bei so viel Stilwechseln platzt gleich der Kopf! „Heart Mind & Soul“ ist Schmalz pur und könnte qualitativ als Soundtrack für einen Liebesfilm aus den 80er oder 90er durchgehen. Aber für Muttersprachler ist der Text doch arg stumpf süßlich, um nicht zu sagen unerträglich klebrig.
Diese Zusammenstellung zeigt, warum DEVILS IN HEAVEN keinen großen Erfolg hatten: Offenbar war sich die Band nicht im Klaren darüber, was sie sein wollen: Eine Band die AOR spielt? Oder Soft-Rock? Oder gar Pop mit klitzekleinen Rock-Einflüssen? Schade eigentlich, denn der mitreißende AOR-Opener „Liberation“, die herzerwärmende bluesige Ballade „Ain´t It A Wonder“ und auch der gelungene Rocker „Your Beating Heart“ zeigen, dass die Band Potenzial für mehr hatte. Aber es sollte nicht sein.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Tobias (21.06.2021)

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