71TONMAN - War Is Peace // Peace Is Slavery

Artikel-Bild
VÖ: 25.06.2021
Bandinfo: 71TONMAN
Genre: Doom Metal
Label: Transcending Obscurity
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Wer nach den 71-Tonnen-Mann gefragt wird, denkt wahrscheinlich zuerst an Peter Griffin aus "Family Guy" oder womöglich den 25-jährigen Arnold Schwarzenegger zur Massephase. Eine dritte, wenn auch weitaus unwahrscheinlichere Antwortmöglichkeit ist eine polnische Doom/Sludge-Band namens 71TONMAN, deren EP "War Is Peace // Peace Is Slavery" ihren ersten Besuch in unserer geschäftigen, fast alles an Obskuritäten erschnüffelnden Redaktion darstellt.

Der EP-Titel "War Is Peace // Peace Is Slavery" stellt - wenn man so will - auch zugleich deren Trackliste dar, denn tatsächlich lauten die Titel der beiden regulären oder "richtigen" Songs des Dreigespanns "War Is Peace" und "Peace Is Slavery". Und diese beiden Stücke können sich durchaus sehen bzw. hören lassen. "War Is Peace" überzeugt mit einer stimmigen Komposition, die die Schlagzahl sukzessive ansteigen und zum Ende des Tracks wieder behutsam herunterfahren lässt. Dazwischen herrschen Intensität und Brutalität - ein erdrückend endzeitliches Hörerlebnis, das einer erbarmungslosen Schlacht gleich verbrannte Erde hinterlässt. Aber wer diesen auralen Krieg in seine Lauscher einkehren lässt, der findet seinen Seelenfrieden - soviel ist sicher.

Und wo in "War Is Peace" noch eine gewisse Ordnung in der vertonten Aggression zu beobachten war, regiert in "Peace Is Slavery" die pure Anarchie. Dezente Ausflüge in die Iowa-Schule des Nu Metal gepaart mit polnischer Black-Death-Grantigkeit auf chaotisch-amorphen Beats - auf diese Konstellation musikalischer Extremitäten muss man erst mal kommen [kleiner Exkurs des Verfassers: dabei hatte ich seinerzeit noch einen flüchtigen Konzertbekannten, dessen Spitzname nach Erbrochenem klingt, innerlich belächelt aufgrund seiner Idee, die Maskenmänner aus Des Moines mit Black Metal zu paaren...]. Ein aufreizend interessantes Stück Musik, auch wenn's am Ende etwas schablonenhaft in den Sonnenuntergang walzt.

Zwei patente Tracks hätten wir also schon auf der Haben-Seite, aber was soll das danach? Steife Brisen, Synth-Gedröhne und Geflüster? Über stattliche neun Minuten? Auf einer EP, die in Summe 23 Minuten läuft? Die dramatische Wirkung eines Ambient-Stücks zwischen zwei normalen Tracks oder zum Opus-Finale in allen Ehren, aber neun Minuten Geräuschkulisse grenzen bei einer Drei-Track-EP schon an Ressourcenverschwendung... vom stagnierenden Unterhaltungswert mal ganz zu schweigen. Aber man kann die Nummer ja - wie der Titel "Ignorance Is Strength" scheinbar suggeriert - einfach skippen oder "ignorieren".

Vielleicht ist das dritte Stück im Bunde eine höhere Art von Kunst, die der Verfasser nicht zu begreifen vermag, wer weiß das schon so genau. In jedem Fall ist der neunminütige Abgesang der einzig wirksame Kritikpunkt an einer sonst gelungenen und unterhaltsamen Doom/Sludge-EP. Und so wahr zwei mal 3,5 bis vier Punkte und ein stirnrunzelndes "warum?" in Summe drei Tupfen ergeben, kann man sich unterm Strich nicht beklagen. Und wer weiß - vielleicht geht's auf Albumlänge auch etwas ausgewogener?



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (23.06.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE