PESTILENCE - Exitivm

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VÖ: 25.06.2021
Bandinfo: PESTILENCE
Genre: Death Metal
Label: Agonia Records
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Lineup  |  Trackliste

Kann man Werk und Künstler trennen“, ist eine Frage, mit der sich Presse und Hörer schon seit Ewigkeiten mal mehr und mal weniger intensiv auseinandersetzen. Ohne jetzt zu sehr in's Detail zu gehen und meine persönliche Masterarbeit zu diesem Thema niederzuschreiben, wähle ich an dieser Stelle für mich einfach die unbefriedigenste aller Antworten: Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. In meiner Schrift zum aktuellen THE MONOLITH DEATHCULT Werk "V3 - Vernedering: Connect the Goddamn Dots" hatte ich mein Sermon zum Thema Patrick Mameli ja mehr oder weniger groß angekündigt, dass da noch eine Abrechnung folgen könnte, aber bei PESTILENCEs neuem Album "Exitvm" tritt genau der Fall ein, auf den ich hinarbeiten wollte: Es ist so belanglos-durchschnittlich, dass man sich gar nicht erst die Mühe machen muss, um Werk und Künstler voneiander zu trennen.

Dass Mameli ein unangenehmer Charakter sein könnte, ist ja sowieso nicht erst seit seinen rassistischen und antisemitischen Äußerungen sowie diversem Geschwurbel zum Thema Covid-19 auf sozialen Kanälen, die er nach teils massiver Gegenreaktion übrigens allesamt wieder wie ein bockiges kleines Kind gelöscht hat, im Bereich des Möglichen. Dazu reicht ja schon ein Blick auf die illustre Liste ehemaliger Musiker, die sich mit ihm in PESTILENCE herumgeärgert haben. Mir scheint so, als hätte der Gute nicht nur einmal zu lange in der Sonne gelegen und zu oft aus dem verführerischen Topf der Steroide genascht. Nur dass das klar ist: Ich unterstelle Mameli hier nicht, ein Rassist, Antisemit oder Verschwörungstheoretiker zu sein. Ich halte ihn einfach für einen waschechten, nicht mehr ernstzunehmenden Vollidioten und Kleingeist, der sich seit Jahren erfolglos durch seine Alphamale-Midlifecrisis boxt. Und wer nun doch noch tiefer in die Materie eintauchen will: auf Reddit findet man noch genügend Screenshots, Links und Kontext zum Thema und muss sich dafür bei der Suche nicht allzu sehr anstrengen.

Nun aber doch zur Musik, die ja eigentlich nicht der Rede wert ist: Ich hatte mich nach dem ordentlichen "Hadeon" darauf gefreut. Zumindest so ein kleines bisschen. Spätestens mit dem achten Song "Pericvlvm Externvm" (wer außer BEHEMOTH betitelt heutzutage eigentlich noch seine Songs so?) ist meine Toleranzschwelle für zutiefst durchschnittliche Musik dann aber doch überschritten. "Exitvm" ist nicht per se schlecht, aber es rauscht halt an einem vorbei. Außerdem muss man sich die Frage stellen, warum man mittlerweile wieder verstärkt nach dem verhassten "Spheres" klingt, obschon selbst Mameli dazu keinen besonders guten Draht zu haben scheint, und das dann auch noch mit furchtbar vielen, penetrant in den Vordergrund gemischten Synthies zuspachtelt. Ich habe mich nicht schlecht amüsiert, als bei den bisherigen Singles der ein oder andere fehlgeleitete Hörer meinte, dass diese in bester Tradition eines "Testimony Of The Ancients" klängen. Bitte was? Nunja, es soll ja auch Leute geben, die ihn in seinem ach so gerechten Kampf gegen die bösen Medien und Bill Gates bekräftigen.

"Exitvm" kommt auf 38 Minuten Spielzeit, ist aber trotzdem anstrengend, was allerdings nicht nur am mittelmäßigen Songmaterial, sondern auch am künstlichen, komprimierten Sound liegt. Den Preis für den mit Abstand schlechtesten Drumsound des Jahres überreiche ich daher mit Freude an PESTILENCE. Ansonsten wäre dann eigentlich alles dazu gesagt. 2021 ist nun wahrlich nicht arm an guten Death-Metal-Veröffentlichungen, also investiert Zeit und Geld lieber in diese als in PESTILENCEs allenfalls lauwarmen, totdigitalisierten Aufguss längst vergangener Tage.



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (23.06.2021)

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