DORNENREICH - Du wilde Liebe sei

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VÖ: 11.06.2021
Bandinfo: DORNENREICH
Genre: Avantgarde Metal
Label: Prophecy Productions
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Lineup  |  Trackliste

DORNENREICH machen es mit ihren Titeln den Übersetzern nicht leicht: das aktuelle Album „Du wilde Liebe sei“ in den Promo-Texten als „You Wild Love Be“ zu übersetzen, hat etwas von Otto Waalkes‘ Englischkurs für Fortgeschrittene („English for runaways“)… Aber das können sich die Tiroler leisten, die sich in über 20 Jahren Bandgeschichte einen hervorragenden Ruf – auch über die Grenzen hinaus – als eine der spannendsten und eigenständigsten Bands im deutschsprachigen Raum erarbeitet haben.

Dabei hat sich das Trio um Eviga stilistisch immer weiterentwickelt und ist vom stärker im Black Metal verwurzelten Beginn („Her von welken Nächten“) mehr in ruhige, akustisch geprägte Gegenden gewandert („In Luft geritzt“), bevor DORNENREICH mit den letzten Alben (vor allem „Freiheit“) die Gegensätze zu einem großen Teil vereint hat. Und auch „Du wilde Liebe sei“ ist im Grunde eine Mischung aus den Zutaten, die DORNENREICH immer so ausgezeichnet haben: die ruhigen Momente, wo Geigen und fast hingehauchter Sprechgesang die zarten Herzen auch der härtesten Metaller berühren; aber auch wieder die krachenden Riffs mit bösem Gekeife; und die Texte, die in ihrer Poesie ihresgleichen suchen.

Der Start ist mit „So ruf‘ sie wach das Sehnen“ eher sanft (Percussion und Akustik-Gitarre prägen den Song, die Geige sorgt mit den wiederholten Melodien analog zu klassischen Gitarrenleads für den Wiedererkennungsfaktor), „In Strömen aus Verwandlung ein flackerloses Licht“ ruft Natureindrücke wach (wenn die Geigengewitter nahen), und „Dein knöchern‘ Kosen“ sorgt dann für den ersten Härteausbruch (mit den simpel-harschen Riffs und den nekrophilen Texten erinnert das an RAMMSTEIN für Intellektuelle).

Weitere Highlights auf „Du wilde Liebe sei“ sind dann auf jeden Fall noch „Der Freiheit Verlangen nach goldenen Ketten“ (die Geige schwankt zwischen frohen und traurigen Momenten), das wieder härtere „Sie machen Mangel zum Geschenk“ (wo das Tempo einerseits angezogen wird, und andererseits mit Texten wie „Mein Leben hab‘ ich verpasst / kein neues kannst du geben“ die Depri-Schiene ganz arg gefahren wird) und „Das Geheimnis des Quellkosters“ (das wieder sanft mit Akustikgitarre, Geige und Stimme betört, und wo am Ende verhallte Geräusche zu einer schwermütig-schönen Melodie ausklingen).

Die letzten Songs auf der Scheibe machen dann etwas weniger Eindruck, aber insgesamt ist „Du wilde Liebe sei“ wieder das fast schon erwartet starke Album geworden. Es gibt ganz wenige Bands, die so wie DORNENREICH mit eigentlich simplen Mitteln (ein paar akustische Instrumente, etwas Gesang und durchdachte Texte) so viele Emotionen und Eindrücke beim Hörer wachrufen können.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Luka (24.06.2021)

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