DER EWIGE TAG - Meteore

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VÖ: 30.04.2021
Bandinfo: DER EWIGE TAG
Genre: (nicht klassifizierbar)
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Oh Mann, diese Band. Es gibt dann und wann Musik-Combos aus den Teutschen Landen, die mich interessieren, hellhörig werden lassen, oder ganz einfach beeindrucken. DER EWIGE TAG ist so eine Band, die bei mir einen Stein im Brett hat und das aus mehreren Gründen. „Der ewige Tag“ ist ein Sammelband mit Gedichten des früh verstorbenen Expressionisten Georg Heym. Ich gestehe, seit vielen Jahren Fan-Boy expressionistischer Lyrik vorwiegend jüdischer Autoren zu sein, von denen kaum jemand das 1945er-Jahr überlebte. Diese Verzweiflung, Untergangsstimmung, Hoffnungslosigkeit in wunderbarer lyrischer Ausformung würde ich Todesmetallern dieses Erdenrundes ans Herz legen.

Meteore“ ist meiner Meinung, das unspektakulärste Lied dieser EP.  Eher eine moderne Rock-Nummer mit deutschem Gesang, ist okay, wobei ich mir durchaus vorstellen könnte, dass dieses Lied von großen Musiksendern über den Äther gejagt wird. Apropos über den Äther jagen: Ich hatte echt keine Ahnung, warum diese EP Meteor heißt wurde jedoch auf der Home-Page der Band fündig. Es geht, wie so oft, um den Untergang und wie wir alle wissen sind da Meteore sehr hilfreich. Laut der angeführten Daten sind alle fünf Musiker der Band verstorben. Ende gut, alles gut. 

Tag in der Stadt“ würde ich eher als Heavy-Metal-Nummer kategorisieren wollen. Der gute Gesang blieb nicht unbemerkt, wobei ich mir mehr Momente wie ab 3:55 Minute gewünscht hätte, wo der Sänger sozusagen aus sich herausgeht, um mehr zu zeigen wer DER EWIGE TAG eigentlich ist und was die Band will, denn mit diesen drei Nummern, wird nur die Richtung vorgegeben, die Reise an sich bleibt verborgen. Der Weg ist das Ziel. Haha. Ich hoffe also, bald auf eine richtig fette LP mit überbordendem Gesang und Fretless Bass, dass sich die Balken biegen.


Das Video zu „Dornenpfad“, es ist das erste Lied, das ich hörte, ist für mich als Eisenbahner im Dienste der Österreichischen Bundesbahnen sozusagen der Pfahl im Fleische. Der Sänger schreitet über stillgelegte Gleise, die womöglich durch Dornenranken überwuchert sind und klagt etwas theatralisch über das Leid des Menschengeschlechts (bzw. des modernen Mannes). Das Lied ist je nach Blickwinkel zu interpretieren. Ich wünschte, es ist eine subtile Kritik an den Stilllegungen von unrentablen Nebenfahrbahnen, die teilweise rückgebaut wieder urbar gemacht werden sollen, aber wie gesagt, der Reflexionshorizont von Eisenbahnern, ist eindimensional und bewegt sich nur in einer Richtung.
Musikalisch und in textlicher Ausformung sind wir hier im Reinen. Es beginnt dezent und baut sich in einer Klimax auf. Der Dornenpfad in Form eines Stacheldrahtes ist selbst für metalaffine Höher, etwas zu viel. Dennoch ist „Dornenpfad“ das beste Lied dieser Mini-EP.



Fazit: Das Seiende wurde gewogen, beurteilt und für gut befunden. Leiwander Sound mit gutem Sänger für die Zukunft wünschte ich mir mehr von allem, vor allem Überraschendes. Das Potential ist da.
 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (28.06.2021)

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