VIRTUAL SYMMETRY - Out Of The Shadow

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VÖ: 30.06.2021
Bandinfo: VIRTUAL SYMMETRY
Genre: Progressive Metal
Label: PBR Records
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Lineup  |  Trackliste

Auf der Suche nach einer rezensionsfähigen Scheibe aus dem Bereich Prog stieß ich auf einige gute Bands. Die Krux bei der Sache war allerdings, dass der Gesang oftmals nicht gefiel und so ging die Suche weiter, bis ich auf ein Live-Album von VIRTUAL SYMMETRY stieß. Der Sänger überzeugte mich nach drei Sekunden. Detail am Rande: Diese Herren haben italienische Namen und sprechen italienisch, ergo sind sie aus Italien, dachte ich. Nein, sie entstammen dem italienisch sprechendem Teil der Schweiz. Ein geradezu klassisches Beispiel dafür, wie leicht etwas in Schubladen gesteckt wird, das nicht hineinpasst. Tja, die Suche nach einer Prog-Platte auf Rätoromanisch blieb bis jetzt erfolglos.

Intro +Entropia“: Zu Beginn wird erst Mal Kritik angebracht, es kann also nur besser werden. Die ersten fünf Minuten würden nicht vermisst werden. Diese schwebenden Orgel-Akkorde müssen nicht sein (Grüße von John Lord & Ray Manzarek bei denen die Orgel wunderbar ins Gesamtkonzept passte). Der Sound dieser Wi-Wi-Gitarre ist ebenfalls verbesserungswürdig (zwei Namen: Garry Moore & David Gilmour trotz Single-Coil-Strat).

XI“: Leider ist das Intro zu lange geraten (siehe vorangegangenes Lied). Dafür ist der Gesang von Marco Pastorino bzw. seiner Duett-Partnerin wirklich wunderbar. Leider muss ich hier einen weiteren Kritikpunkt anbringen. Ich hätte mir knackigere Riffs gewünscht, jene von der Sorte, die ins Ohr gehen und dortbleiben wollen (Ich will nicht abermals „South Of Heaven“ strapazieren, ups). Ab etwa Minute 7:30 entfaltet sich ein Orgel-Part, der hier gut ins Gesamt-Konzept passt und ja die Geige, dito. Der abschließende Prog-Teil besticht durch seinen Gasang und ist in sich gelungen.  

Eyes Of Salvation“: Das Intro in seiner Dualität sanfte Orgel-Klänge vs. harte Gitarren-Akkorde geht in Ordnung (der Gitarren-Sound, uff). Der Gesang passt. Das Orgel-Solo ab etwa Minute 5:20 halte ich für entbehrlich.

Program Error“: Wenn immer die Orgel sanfte Töne anschlägt und wie hier durch eine verzerrte Gitarre unterstützt wird, finde ich es gelungen. Um, es nicht inflationär zu gebrauchen, hier zum letzten Mal: Der Gesang gefällt. Oje, ab etwa Minute 3:40 eilt wieder ein verworrener Orgel-Teil herbei, der gar nicht passt. Die elaborierten Instrumental-Teile sind gut gemeint, aber nicht gut genug, um sich in den Gehörgängen festzusetzen.

Odyssey“: Das Intro erinnert mich tatsächlich an ein Live-Album der DIRE STRAITS („Alchemy“), das ich sehr mag. Hier passt alles.

Remember“: Wieder ein gelungenes Intro, das Orgel, unverzerrte Gitarre und Streicher kredenzen. Was ich nicht ganz verstanden habe ist, warum das Gitarren-Solo (es ist exemplarisch für diese Platte) ab etwa Minute 3:30 nicht technischer ausfällt. Okay, kann ja dezent begonnen werden, aber was spricht dagegen, moderne Techniken wie Tapping, etc. einzusetzen. Meine Erklärung ist: Die Instrumente sind eigentlich Unterstützung des Gesangs, die ihn tragen sollen.

Elevate“: Gutes Lied, sehr gutes Duett. Das zweitbeste Lied, jedenfalls, wenn das Orgel-Solo weggelassen würde.



Exodus“: Nichts Neues im Westen.

Safe“: Hm, erinnert mich an das wunderbare Album von Joe Satriani: „Time Machine“, wobei leider die knackigen Riffs und Soli fehlen.

Extroverse Suite“: Hier passt das ewig lange Intro, weil die Kombination von schweren Riffs, Klavier und unspektakulärem Schlagzeug ein Ganzes ergeben. Das Gitarren-Solo fällt wieder schlicht aus. Insgesamt das Lied mit den interessantesten Stellen in 22:01 Minuten gepackt.


Fazit: Des guten Gesangs wegen und weil die Musiker in Ordnung sind, muss ich hier vier Punkte vergeben ("ist das so?" - der Bundespräsident). Für das Song-Writing hätte ich mir etwas Einprägsameres, etwas Knackigeres gewünscht. Auf die Dauer ist dieses Schlachtschiff nur bedingt manövrierfähig. Zu behäbig pflügt es durch unstete Gewässer, aber wie könnten Schweizer versiert in taktischen Seeschlachten agieren?



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (30.06.2021)

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