DEAR MOTHER - Bulletproof

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VÖ: 16.07.2021
Bandinfo: DEAR MOTHER
Genre: Alternative Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Merel Bechtold hat die niederländische Symphonic Metal Band DELAIN bereits verlassen, noch bevor Gründer Martijn Westerholt das Ganze wieder als Soloprojekt ohne feste Band integriert hat. Ob sie da quasi das sinkende Schiff verlassen hat, wird erst die Zukunft von DELAIN zeigen, wo wir aber sicherlich irgendwann an anderer Stelle anknüpfen werden. Ein Grund für Merel war sicherlich die Gründung ihrer höchsteigenen Band DEAR MOTHER, der auch EX-DELAIN Drummer Joey Marin de Boer angehört. Komplettiert wird das Lineup durch Sänger David Pear, der zumindest für mich noch ein unbeschriebenes Blatt verkörpert. Soweit mir bekannt, ist das Debüt "Bulletproof" in Eigenregie entstanden und wird auch von der Band höchstselbst vertrieben. Stilistisch wandeln wir hier irgendwo zwischen Modern Metal und Alternative und die Parallelen zu LINKIN PARK (Inspirationsquelle von Sänger David) sind hier und da unverkennbar.

Der Opener "Vertigo" verstrickt sich in tiefgestimmten Riffs und virtuosen Synthie Sounds gepaart mit energischem Drumming, das sich sehr variabel im Tempo zeigt. Sänger David bedient alles zwischen energiegeladen, ruhig und brachial. "Vertigo" setzt sowohl auf Cleans als auch auf Screams, was eine angenehme Kombination ergibt. In der Hook setzt man voll auf catchiness und das gelingt der jungen Truppe auch auf Anhieb. Sicherlich wird hier auch nur mit Wasser gekocht, aber dieser gediegene "down to earth" Sound funktioniert und ermöglicht einen super Einstieg in das Album, ohne zu viel zu wollen. "Means To No War" greift die insgesamt eher düstere Atmosphäre vom Opener auf, verbleibt aber eher im gehobenen midtempo, wobei auch hier stets interessante Tempowechsel angestrebt werden. Lyrisch als auch gesanglich kommen definitiv die bereits angeteasten Parallelen zu LINKIN PARK zum Vorschein, obgleich das Soundgerüst als solches etwas roher und kompromissloser wirkt. Merel serviert uns wuchtiges und eher djentig angehauchtes Riffing, das einen guten Härtegrad mitbringt. In der letzten Hook nimmt man etwas Tempo raus, um eine gewisse Epik zu kreieren und das gelingt bestens! "12 Years In Exile" dreht die Synthies nochmal ne ganze Ecke mehr auf als die zwei vorangegangenen Tracks und kombiniert in der Strophe Atmosphäre mit ruhigen Vocals, die sich mit harschem Gesang die Klinke in die Hand drücken. Die Dramaturgie durch den mehrstimmigen Gesang in der Bridge stimmt auf die emotional vorgetragene Hook ein, die wieder in einem wilden Synthie-Gewitter mündet gen Ende. "The Ones Below" nimmt durchaus poppige Züge an, die gerade in Intro und Strophe zum tragen kommen. Der Refrain gibt mir fast schon eine leichte Gothic-Note, was dem Album als Ganzes aber eine nette Vielfalt aufdrückt. 

"A Soul For Hire" springt vollends auf den Dubstep Train auf und schickt sich an, einer der verspieltesten Songs der Platte zu werden. Verzerrte Vocals münden in wilden Dubstep Sounds und marschieren durch den weiteren ruhigen Verlauf der Strophe in einen energischen Chorus, der sich stampfend in die Gehörgänge bewegt. Die Dramaturgie wird von Sänger David stets super in Szene gesetzt und der junge Mann gibt allgemein ein mehr als angenehmes Bild ab. "Symbiose" möchte dann wieder in deutlich härtere Gefilde aufbrechen, was durch das brachiale Riffing und die Screams in der Strophe definitiv deutlich gemacht wird. Das hohe Tempo wird wird nur in der Hook minimal gedrosselt, die einmal mehr einen Augen- bzw. Ohrenschmaus verkörpert. Zum Schluss möchte ich noch die zwei letzten Songs an euch herantragen mit "Invincible" und "Palace". "Invincible" gibt sich einem stampfenden Drum-Rhythmus hin und kombiniert Screams mit harschen Cleans und Gangshouts. Sänger David zeigt uns bereits auf dem Debüt eine sehr beeindruckende Variabilität, die ihren Höhepunkt im energiegeladen vorgetragenen Refrain erreicht, der sicherlich DEN Ohrwurm der Platte gewinnt. Raus geht's am Ende aber mit der sehr schnörkellosen Ballade "Palace", die nur aus Davids Vocals, einer Akustikgitarre und weiblichen Backing Vocals besteht. Auch dieses Gewand steht DEAR MOTHER vorzüglich und bildet en emotionalen Höhepunkt eines wirklich gelungenen Debüts. Ganz schön ironisch, dass der seichteste Song der Platte meinen Favoriten markiert, obgleich es insgesamt keinen wirklichen Ausfall auf "Bulletproof" gibt. Auch die Produktion möchte ich zum Abschluss noch loben, die einen wirklich guten Job abgeliefert hat! DEAR MOTHER scheinen sich schnell gefunden zu haben und man möge es ihnen gönnen, dass eine großartige Zukunft auf sie wartet!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Sonata (09.07.2021)

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