NECROGOD - In Extremis

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VÖ: 23.07.2021
Bandinfo: NECROGOD
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Nicht zu fassen, dass JUPITERIAN schon wieder eine neue Platte am Start haben! Und das noch mit einem so flüssig und stringent fortgeführten Coverartwork... ach Momentchen mal ...falsche Baustelle! Der Dreher mit der verblüffenden Artwork-Kongruenz gehört gar nicht zu dem brasilianischen Sludge/Death/Doom-Gespann, sondern zu NECROGOD, dem höchstwahrscheinlich allerersten Rogga-Johansson-Death-Metal-Projekt überhaupt. Der aufstrebende Jungunternehmer, der erst kürzlich unter dem Banner EYE OF PURGATORY infinitesimal aus dem gemeinem Elchgemetzel auszubrechen drohte, verleiht seiner Kunst auch unter der Flagge dieses vergleichsweise unverbrauchten Projekts einen neuen Anstrich und feiert mit "In Extremis" zugleich dessen Album-Einstand.

Das Besondere an NECROGOD sind die vergleichsweise modernen Einflüsse, die einem bereits mit den ersten Tracks "Bringers Of Blasphemy" und "In Mortal Confinement" ins Gesicht springen. Es wird gerast, gegroovt, gesägt und gegrillt, was das Zeug hält, ohne dabei zu klingen wie auf jedem x-beliebigen anderen Johansson-Album (von denen es ja nun wirklich nicht viele gibt). Die zahlreichen Bendings und Quietschereien verleihen dem Gebräu eine merkliche Nu-Metal-Schlagseite, die man so im Oldschool-Geweih-Catchen nicht alle Tage präsentiert bekommt. Dies und der blutrünstige, durchdringende und zugleich mehrdimensional-voluminöse Gesang von Johanssons Companion The Master Butcher machen die Sache unterm Strich zu etwas musikalisch Besonderem.

Zu den stärksten Granaten der Platte gehören die schnelldrehende, fröhlich drauflos eskalierende Ohrwurm-Abrissbirne "The Brutal Path (Straight To Hell)" und das wie ein gedopter Zombie stampfende "When Madness Has Taken Control", das mit seinem großklötigen Groove stets den richtigen Nerv trifft. Fernab dieser Highlights gibt es auch eine reihe unauffälligerer Tracks, die weder sonderlich auf- noch erregen, aber das kommt in den besten Elchrudeln vor. Weiter lobenswert hervorzuheben ist der Sound, der nach dem eher schwachbrüstig produzierten "The Lighthouse" wieder mit zeitgemäßen Kracherzeugnissen konkurrieren kann. Einzig die (laut Albuminfos verwendeten) Dosendrums hätte man sich sparen und durch einen vitalen Trommler ersetzen können (auch wenn diese oft in erheblichem Maße mehr Bier konsumieren als ihre an der Steckdose hängenden Pendants). Völlig daneben klingen die Kessel auf der Platte nicht, das muss man der Sache schadlos zugestehen - aber ein fader Beigeschmack sowie ein Mangel an Vitalität lassen sich dabei nicht leugnen.

Zugegeben, manchmal neigen die ausgesprochen selten erscheinenden Alben Rogga Johanssons dazu, den Testhörer zu überfordern. Nicht selten begleiten einen dabei Gedanken wie "Kennt man eine, kennt man alle" oder "Wenn man genug davon gehört hat, hat man genug davon gehört". Mit NECROGOD hingegen beweist der fleißige Schwede jedoch, dass er mehr drauf hat als papageienartig alte PAGANIZER-Riffs aufzuwärmen. Mit "In Extremis" schafft er es sogar, für seine straighten Verhältnisse zu überraschen - und das durchaus positiv. Insofern hat das illustrierende Kunstwerk (by the way ein unverkennbarer Lewandowski) nicht zu viel versprochen, auch wenn sich dahinter nicht die Band versteckte, die man hätte vermuten können.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (21.07.2021)

WERBUNG: Hard
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