ANGELUS APATRIDA - Angelus Apatrida

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VÖ: 05.02.2021
Bandinfo: ANGELUS APATRIDA
Genre: Thrash Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

ANGELUS APATRIDA ist eine Band, die es verdient hätte viel bekannter zu sein als sie es ist, gehören sie doch zu den besten (Thrash) Metal Bands des 21. Jahrhunderts. Die vor 21 Jahren gegründete Combo bestehend aus den Brüdern Guillermo (Gesang und Gitarre) und José (Bass) Izquierdo, David Alvarez (Gitarre) sowie Victor Valera (Schlagzeug), veröffentlichte 2006 ihr Debüt „Evil Unleashed“ und präsentiert 2021 ihr mittlerweile siebentes Studioalbum „Angelus Apatrida“.
Ursprünglich als EP geplant, wurde aufgrund der Corona-Auszeit daraus ein Studioalbum mit zehn neuen Liedern.


Das Albumcover ist nicht spektakulär, aber schlicht, einfach, traditionell Thrash, martialisch und mit memento mori durch Totenkopf, der mit doppel-Anarchist A auch die Initialen der Band in Blut auf der Stirn trägt. 
Als erstes Video mit Song vom neuen Album veröffentlichte man „Bleed The Crown“, das mit einem PANTERA Vibe überrascht.


Etwas an ihrem Sound ist neu. „The first thing that everyone will notice is that we changed our tuning, for the first time in 20 years! We dropped down a half-step. We’re now in D-standard (…).“ Auch als jemand, der allgemein kein Fan von Downtuning ist, muss man einräumen, das hier klingt echt gut, bringt einen frischen Wind in die Band und lässt sie noch heftiger klingen als zuvor. Experiment gelungen!
 


Auch wenn das Label im offiziellen Press-Release die Band anpreist indem man meint, dass sie „never sounding quite like any other band“ sind, das ist gerade ein Punkt der ANGELUS APATRIDA besonders macht. Obwohl sie insgesamt unverkennbar und einzigartig klingen, so klingen sie eben doch immer wieder wie andere – meist klassische, aber auch neuere – Thrash Bands. So gab es immer wieder Lieder, wo sich beim Hören Gedanken aufdrängten wie: „Das könnte auch ein Song von OVERKILL sein“ oder „Hier klingt Guillermo sehr nach Chuck Billy von TESTAMENT.“ Auch auf dem neuen Studioalbum, reichen die vermeintlich herausgehörten Einflüsse von DEATH ANGEL bis PANTERA. Guillermo Izquierdo's Gesang ist stilistisch wie immer facettenreich und erinnern manchmal auch an andere Sänger wie eben Chuck Billy oder auch Bruce Corbitt (RIGOR MORTIS, WARBEAST).


Schon der Opener „Indoctrinate“ bietet alles was man sich von guten Thrash Metal Nummern wünschen kann: saftige Riffs, fetter Bass, Maschinengewehr-Drums, Tempi-Wechsel, Mitgröhlpassagen, und kleine Pausen (wie bei 4:19) vor Parts die geradezu zum moshen einladen. Diese Qualität zieht sich durch das ganze Album und jeder Songs hat seine eigenen Highlights, sei es die Drums bei „Bleed The Crown“ , das nach zwei Minuten einsetzende Gitarrensolo bei „Rise Or Fall“ oder die Rhythmussektion bei „Into The Well“. Bzw. wird dem Hörer genug geboten, dass man überall etwas finden kann, dass einem gefällt. Die Produktion ist modern und fett (von guter Quelle und auf gutem Equipment anhören zahlt sich aus).


ANGELUS APATRIDA brilliert aber nicht nur auf musikalischer Ebene. Wie gewohnt wird auch textlich auf inhaltlicher Ebene so einiges geboten. Beispielsweise „The Age Of Disinformation“, wenn der Song nicht mal wie Faust aufs Auge zu unserer jetzigen Zeit passt. Gerade auch vor dem Hintergrund von Corona samt den unzähligen und unendlich scheinenden Diskussionen der verschiedenen Lager, den ganzen „Informierten“, die sich ihre (zum Weltbild passende) Meinung anhand eigener „Recherche“ im Netz oder einseitiger Medien gebildet haben. Guillermo selbst sagt, dass die Pandemie und momentane politische Situation ihn bei der Komposition der Lyrics beeinflusst haben: 
“There’s a lot of rage that we have inside from going through the last few months, you know? Almost half of the album was composed before the pandemic. The pandemic came and everything  changed. Here in Spain, things were really, really fucked up… not just with the pandemic, but with the political situation here too. It’s at boiling point. So it’s all bad news everywhere, politicians fighting each other and in the meantime there are Nazis both on the Parliament and streets. We’re living in very hard times here. So all the lyrics are talking about those situations. But we’ve never been a political band. I don’t care who you vote for. We talk against racism, fascism, homophobia and all that stuff, because that’s not about politics, it’s about human rights.”
In bester Trash-Tradition beschäftigt man sich mit politischen und sozialen Missständen, ohne dabei für irgendeine Partei zu stehen, ja, man distanziert sich sogar dezidiert von ihnen und einem engstirnigen link-rechts schwarz-weiß malerischen Spektrum. So bleibt dem Hörer zum einen ein gewisser Freiraum an Interpretation, aber vor allem werden Punkte angesprochen, wo sich Anhänger verschiedener Lager und auch Apolitische einig sein können, dass das was da vorgeht nicht in Ordnung ist. Man wird nahezu wörtlich aufgefordert die Scheuklappen abzunehmen („We Stand Alone“) und sich mit dem was in der Welt vor sich geht auseinanderzusetzen.


Produziert haben ANGELUS APATRIDA ihr Album wieder selbst. Aufgenommen wurde es von Juanan López und gemischt und gemastered von Zeuss (OVERKILL, MUNICIPAL WASTE, ROB ZOMBIE, SHADOWS FALL).
Verfügbar ist „Angelus Apatrida“ als limitiertes CD Jewelcase, LP mit CD und im digitalen Format.

“We just try to improve ourselves, learning from each other and learning from other bands, bigger bands and smaller bands too. We try to learn from everybody. But the way we compose, the way we record, the way we do everything has stayed the same. There’s only one goal, which is to always try to find the best sounds we can and to always make the next album better than the previous one. So far, I think we’ve done that, in my own humble opinion!”
Während man bei vielen Bands das Gefühl hat, dass nach den ersten paar Alben das Pulver verschossen ist und sie nicht mehr an Ihre Blütezeit herankommen, scheinen ANGELUS APATRIDA noch immer von Album zu Album zu wachsen. Kritikpunkte sind schwer zu finden. Einfallslos waren sie nur bei der Namensgebung. Wie es nach dem gleichnamigen Album noch weitergehen wird, wird spannend.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (21.07.2021)

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