SAILING BEFORE THE WIND - Immemorial

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VÖ: 20.08.2021
Bandinfo: SAILING BEFORE THE WIND
Genre: Metalcore
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

"Never change a running system" ist eine Maxime, die von allen Gruppen in unserem geliebten Genre immer wieder etwas freier interpretiert wird. Zudem muss man ja dazu sagen, dass dem Bandgefüge eine frische Brise sehr guttun kann. Was wäre eine Kunstform ohne weitere Strömungen? Dennoch kennt man ja die große Tragik der Künstler, die ihrem Stil abgeschworen haben und dann in der Versenkung verschwunden sind, oder bestenfalls in den ewigen Jagdgründen des Metal auf ihre Absolution, oder ein halbherziges Comeback warten. Zum zehnten Geburtstag der japanischen Gruppe SAILING BEFORE THE WIND haben die Mitglieder sich überlegt, dass es zumindest nicht schaden kann, die Vergangenheit nochmal aufleben zu lassen und sich selbst Tribut zu zollen. Kein Wunder, dass bei einem derart maritimen Bandnamen die Songtitel nicht weniger nach der Braut eines jeden Matrosen, nämlich der unbeugsamen See, schreien.

Die EP beginnt mit dem kurzen, aber ebenso neuen Song "Decaders". Was der Titel uns wohl sagen möchte? Naja, man kann sich ja durchaus auch selbst ein Ständchen zum Geburtstag singen, wenn sich gerade niemand anderes findet. Ich könnte jedenfalls sehr gut damit leben, wenn dieses Stück es schaffen würde, das alljährliche Gesinge von Familie und Freunden zu ersetzen. Der Track ist zwar nur etwas über eineinhalb Minuten lang, aber die prägnanten Gitarren und die Drums sorgen sofort für ein typisches Core-Feeling. Sogar ein kleiner Breakdown mit wummerndem Bass und obligatorischem Gesang deutet das Potenzial der EP an.

Es folgen drei rerecordete Stücke, von denen "Sail Away" den Anfang machen darf. Der Song könnte im Grunde nicht mehr wie ein Core-Track klingen. Das ist natürlich nichts, woran man sich stoßen muss, denn durchaus machen die Melodien und harten Sounds Spaß. Ein absolut typischer Metalcore-Song eben. Vergleicht man die neue Version mit der älteren, so ist der Unterschied (vor allem in der Abmische und Soundqualität) wie Tag und Nacht. "Sail Away" war eines der ersten Stücke der Gruppe und selbst wenn man die Band nicht kennt, ist es doch eine schöne Zusammenfassung der eigenen musikalischen Reise, die auf der EP geboten wird. Von "back to the roots" kann man allerdings nicht wirklich sprechen, denn verändert hat sich die Musik selbst nur geringfügig. 

Thematisch knüpft "Cross The Ocean" selbstverständlich genau an "Sail Away" an. Musikalisch startet der Song etwas härter und wird dann im Refrain melodischer, fast ein wenig antithetisch zum Vorgänger. Die Gitarren sind beinah so kitschig wie in zahlreichen Anime-Intros, schaffen aber gemeinsam mit den überaus präsenten Bassläufen einen interessanten Kontrast. Man merkt, dass der Bassist Bitoku für die Abmische verantwortlich war. Auch dieses Stück macht absolut Laune und der Breakdown zum Ende bleibt im Gedächtnis, obschon auch dieser sehr stereotyp klingt. 

Wo wir gerade bei stereotyp waren... "Break The Silence", der Song, der die Dreifaltigkeit der rerecordeten Tracks komplettiert, ist ebenso glattgeschliffen und typisch Metalcore wie die vorherigen Stücke. Sehr eingängige Riffs, Drums, denen einfach zu folgen ist, Breakdowns, die melodisch bleiben und trotz ihrer fast generischen Art einfach Bock machen. Es wirkt ein wenig, als habe man sich zunächst das Genre überlegt, welches man bedienen möchte und dann die Musik daran angepasst. Nichtsdestotrotz, beziehungsweise deswegen, ist die Musik, vermutlich gerade für Einsteiger in die Szene, absolut ohrwurmtauglich. 

Auch mit "Misguided Sunrise" bewegen sich SAILING BEFORE THE WIND nicht aus dieser Komfortzone, aber wer will es ihnen verübeln, es heißt ja nicht umsonst "Komfort"-zone. Der Gesang ist eben, wie man ihn erwartet, die Riffs natürlich auch. Es gibt kurzum wenig zu meckern, es sei denn man ist auf der Suche nach einem echten Genre-Umkrempler. Wer aber ein Freund bzw. eine Freundin von grundsolidem Core ist, der/die wird seinen/ihren Spaß mit der EP haben. Also kommt man im Grunde doch auf den Satz "Never change a running system" zurück und vielleicht liegt doch viel Wahres darin. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Joel Feldkamp (14.08.2021)

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