THE SLOW DEATH - Siege

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VÖ: 27.08.2021
Bandinfo: THE SLOW DEATH
Genre: Death/Doom Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Über die Bedeutung des Bandnamens THE SLOW DEATH kann man mannigfach sinnieren. Ist es eine pessimistisch verklärte Reflexion über eine achtzig bis hundert Jahre dauernde Aneinanderreihung von Erniedrigungen, die die meisten Menschen mit "Leben" umschreiben? Folterpraktiken in stickigen Kellern mit HELENE FISCHER in Dauerrotation? Oder ist es vielleicht doch eine simple Umschreibung des dargebotenen Stils? Im Falle der australischen Atmospheric-Bestatter mit eben jenem Namen könnte man sich im Prinzip alle genannten und sinnverwandten Optionen vorstellen - oder aber auch eine beliebige Kombination aus allem.

"Siege" ist der nunmehr vierte Langspieler der Truppe - und den Begriff "Langspieler" darf man hier durchaus wörtlich verstehen, denn die Tracks bringen es im Durchschnitt auf eine Vierteilstunde... womit die Aussies mit ihrem aktuellen, vier Stücke fassenden Langeisen den "4/4-Takt" gewissermaßen neu interpretieren. Die große Herausforderung bei derart ausufernden Stücken ist es, den Hörer bei Laune zu halten und ihm die Chance zu geben, den Überblick zu behalten. Diese Disziplin gelingt der Truppe insofern gut, als dass sie sich gerne von Minute zu Minute tiefer in ihren melodiösen Dschungel hinein arbeiten, die emotionale Spannung immer weiter in die Höhe treiben und dazwischen eine wohldosierte Auswahl harter Klänge platzieren (vgl. "Tyranny"). Ebenfalls interessant ist der gesangliche Ansatz, bei dem der weibliche Klargesang dominiert und die tiefen Growls als Kontrast eingestreut werden.

Dies und die Tatsache, dass die Truppe in der Encyclopaedia Metallum durchweg überragende Kritiken einstreicht, macht mich neugierig. Nun sind aber eine bis drei Bewertungen (Stand August 2021) mitnichten statistisch belastbar...und auch bei näherer Betrachtung kann ich mich den ungezügelten Lobpreisungen nur bedingt anschließen. Das Konzept ist zwar erfrischend anders und in gewisser Weise "neu", doch die Umsetzung könnte an mancher Stelle besser sein. Zum Einen dürften die Highlights wie die starken, emotional berührenden Momente das Finale von "Tyranny" oder die temporeichen Rumpeletappen in "Famine" stärker ausgeprägt sein, d.h. mehr von der reichlich vorhandenen Zeit ausnutzen.

Zum Anderen tue ich es mir mit Mandy Andresens Gesang schwer. Dass sie in ihrem Job reichlich Trauer und ein Stück weit Schmalzigkeit einbringen "muss", ist sicherlich dem Genre geschuldet, aber das ist nicht das Problem. Vielmehr hapert es für mich an der allgemeinen Klasse des Gesangs...die Frontfrau hat ihre starken Momente, das steht außer Frage, aber sie singt zumindest an meiner emotionalen Reizschwelle konsequent vorbei. Zudem gerät sie an entsprechenden Passagen hörbar an ihre Grenzen und an anderer Stelle wird man ihres sülzigen Gesangs schlichtweg überdrüssig (vgl. die letzten Minuten von "Famine" oder in die gequälten Zeilen in "Pestilence").

Schade eigentlich - das Konzept von THE SLOW DEATH ist nicht alltäglich und hat Potenzial. Wäre die Umsetzung etwas aufregender und böte der Gesang mehr Klasse und Catchiness, könnte daraus noch eine untertourige Machtdemonstration wie APHONIC THRENODYs "The Great Hatred" werden (gewisse Parallelen sind nicht zu leugnen). So hingegen bleibt es zumindest für mich ein singuläres Hörereignis, das mich über die Besprechung der Platte hinaus nicht weiter beschäftigen wird.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (24.08.2021)

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