SPIRIT BOMB - Tight

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VÖ: 24.09.2021
Bandinfo: SPIRIT BOMB
Genre: Rock
Label: Music Records
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Lineup  |  Trackliste

Zumal in Frankreich eine annehmliche Anzahl guter Prog-Bands beheimatet ist, werden diese Gefilde hier umschifft werden. Der Start erfolgt nahe einer schmucken Stadt im Mittelmeer: Marseille, Anno Domini 2015, wo SPIRT BOMB zusammenfand. Leider, oder glücklicherweise sind wir hier ganz weit von Progressive Metal entfernt, was der Sache keinen Abbruch tut, im Gegenteil.
Außergewöhnlich an dieser Band ist, dass sie gemeinsam Comics entwerfen bzw. bedingt das eine das andere. Zum Album wird es einen Comic geben. Eigentlich hätte alles bereits früher rausgehauen werden sollen, aber da und dort wurden Kinder geboren, Covid 19 hat der Band ein Schnippchen geschlagen und die Tücken des mitteleuropäischen Alltags, haben das Übrige erledigt, was wiederum die selbstauferlegte Weltrettung aufgeschoben hat.

Beim Durchhören von „Tight“, so der Titel des Werks, wird inständig den Altvorderen der neueren Musikgeschichte ihre Aufwartung gemacht: von den CHILLI PEPPERS bis zu INCUBUS, ja sogar LED ZEPPELIN. Bei 13 Nummern muss es irgendwo einen Durchhänger geben, dachte ich, womit ich irrte, denn jedes Lied ist sorgfältig ausgearbeitet, da passt soundtechnisch fast alles. Okay, womöglich „Bababudda“ ist qualitativ nicht so der Rausreißer. Ansonsten existieren ausreichend Überraschungsmomente, weil sich die Lieder stilistisch doch erheblich unterscheiden, das reicht von Blues Rock, Funk bis zu Rap Rock.

Um es (möglichst) kurz zu fassen: Dieser Longplayer könnte in seiner luftigen, unbeschwerten Leichtigkeit, eines dieser Alben werden, das etwa während einer ausgedehnten Autofahrt nur durch die Ansagen etwaiger Verkehrsbehinderungen unterbrochen wird.

Einen Kritikpunkt möchte ich anbringen: Ob es klug ist, den großen Fußstapfen von RAGE AGAINST THE MACHINE zu folgen, weiß ich nicht, jedenfalls sind „When Police Riots“ und „One Spirit One Bomb“ durchaus annehmbare Songs, die indessen über keinerlei Eigenständigkeit verfügen. Von der Gitarre, dem Bass bis zum Gesang bzw. dem Text ist hier alles auf RATM getrimmt.

Fazit: Eine Band, die aus Resteln schmackhafte Gerichte kreiert. Vor allem das Gespür für guten Sound, wie etwas klingen soll und muss, ist hervorzuheben. Mit Leichtigkeit wird zwischen den Genres changiert. Könnte angemerkt werden, gut geklaut ist besser als schlecht gemacht, Lenny Kravitz fährt im Grunde seit Jahrzehnten in diesem Kielwasser und der ist nun wirklich ein talentierter Musiker, jedoch auf Dauer könnte sich dieser Schmäh von selbst überholen.

Dieses Album muss gut bewertet werden, weil es nun mal gut ist. Beim nächsten Mal würde ich mir mehr Eigenständigkeit im Song Writing wünschen, etwa ein Überraschungsei: Was Neues, Schokolade und was zum Spielen. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (20.09.2021)

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