LEPROUS - Aphelion

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VÖ: 27.08.2021
Bandinfo: LEPROUS
Genre: Progressive Metal
Label: Inside Out Music
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Lineup  |  Trackliste

LEPROUS haben einiges an Status zu verteidigen: von den letzten drei Studio-Alben („The Congregation“, 2015; „Malina“, 2017; „Pitfalls“, 2019) haben zwei die Höchstnote erreicht und das dritte Album „nur“ 4.5 von 5 Punkten. Hohe Erwartungen also an die Norweger, die sich zunächst als IHSAHN-Begleitband hervorgetan haben und seit einigen Jahren ihr ganz eigenes Ding durchziehen – von dem Progrock von „Tall Poppy Syndrome“ (2009) oder dem stark metallischen „Coal“ (2013) ist man mittlerweile meilenweit entfernt. Die Musik von LEPROUS zu beschreiben fällt dann auch sehr schwer, am ehesten könnte noch „Prog Pop from hell“ zutreffen.

Was noch zur hohen Erwartungshaltung beiträgt, war die sehr frühe erste Single-Auskopplung „Castaway Angels“, die noch letztes Jahr herausgekommen ist und einer der besten Songs von LEPROUS (und überhaupt auf der ganzen Welt und für alle Zeiten) ist. „Aphelion“ beginnt jedenfalls mit „Running Low“, das sich am Anfang stark reduziert (nur Vocals und knappe Begleitung) und mit vielen Wiederholungen fast schon hypnotisierend präsentiert. Später setzen dann erst die Gitarren ein, und beim Refrain wird es gewohnt emotional und episch, und dazwischen kommen immer wieder längere Instrumental-Parts.

Der Track kann schon mal als Vorgeschmack auf das restliche Album gelten: das Material ist gefühlt noch etwas komplexer geworden, die Songs sind mehr experimentell (auch von der Struktur her) als gewohnt, was den Zugang zunächst erschwert. Ähnlich ist es bei „Out Of Here“, das zunächst elektronisch-triphoppig startet, bevor die verzerrten Gitarren dazukommen und Fronter Einar seine Vokal-Akrobatik startet. Die Nummer steigert sich immer mehr in der Intensität, der Refrain ist ein echter Herzausreißer, wo sich Gitarren und Streicher um ihr Leben schrammeln.

Der Hauptfokus von „Silhouette“ sind die an „The Congregation“ erinnernden Electro-Beats und die schönen Chöre, nochmal spannender wird es dann aber bei „All The Moments“, das mit einem unterschwelligen Blues-Riff komplett überrascht (Robert Johnson würde wohl gütig dazu in seinem Grab den Kopf nicken). „Have You Ever?“ ist dann wieder ein vielschichtiger Track, der eher elektronisch-experimentell daherblubbert bevor der Refrain den Track wieder in sphärische Höhen hebt.

Aber es gibt auch Nummern, die eher an die letzten paar Scheiben erinnern – das starke „The Silent Revelation“ ist von den Gitarren her fast schon klassisches LEPROUS Material, darauf beschränkt sich die Nummer aber nicht, es geht schnell wieder in gesangsgetriebene Parts mit Electro-Begleitung und einem herrlich intensiven Refrain, bevor die Gitarren wieder den Schlusspunkt setzen dürfen. Und während das folgende „The Shadow Side“ zunächst mit den vordergründigen Streicher-Parts eher an Filmmusik erinnert, kommt der Refrain dann doch recht rockig daher, und es gibt sogar zur Abwechslung mal ein „echtes“ Gitarrensolo.

Das darauffolgende Song-Doppel ist ein Highlight für sich – „On Hold“ ist ein geniales Werk, das sehr introspektiv daherkommt, und die Texte sind ungewohnt direkt, was die Wirkung vom epischen Refrain nochmal steigert; und „Castaway Angels“ ist mit seinem zarten Beginn und dem zunächst fast schüchtern vorgetragenen Refrain, der sich von Mal zu Mal dann in der Intensität steigert, und dem Ende, wo sich Drums und Gitarren um Kopf und Kragen rittern, ein Highlight der LEPROUS-Diskographie an sich. Das folgende, düster-krachende „Nighttime Disguise“ hat es dann bei den Vorgängern recht schwer und geht im Vergleich etwas unter.

Insgesamt zeigen LEPROUS auch auf „Aphelion“ ihre Klasse, die hohen Erwartungen werden zum Großteil erfüllt. Da sich das Album mehr experimentell und vielschichtiger darstellt als die zwei Vorgänger, ist der Zugang auch etwas schwieriger und langwieriger – war bei „Malina“ oder „Pitfalls“ schon beim ersten Durchhören klar, dass das Klassealben sind, hat es bei „Aphelion“ etwas länger gedauert. Aber das Durchhalten lohnt sich, nach einer gewissen Gewöhnungsphase kann auch „Aphelion“ den gewohnt hohen Standard halten.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Luka (23.08.2021)

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