RIVERS OF NIHIL - The Work

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VÖ: 24.09.2021
Bandinfo: RIVERS OF NIHIL
Genre: Death Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Diese Mannen aus Pennsylvania, genauer Reading, sind laut Pressetext klanglich in keine Schublade zu stecken. Ob das nicht wieder eine Schublade ist, sei dahingestellt, jedenfalls fand ich RIVERS OF NIHIL soundtechnisch immer sehr innovativ, darum wartete ich verheißungsvoll auf diese Langrille, deren unspektakulär Name den Titel „The Work“ trägt.
 
The Tower (Theme from „The Work“)“: Es beginnt mit einem exakt zweieinhalbminütigen verhaltenen Intro, das durch verzerrten Gesang und Klavier dominiert wird. Der kurze Heavy-Teil wird abermals von einem verhalten schwebendem Outro abgelöst.

Dreaming Black Clockwork“: Puh, arger Sound. Das bemerkenswerteste daran ist, es scheint an manchen Stellen so, als würden etwa Schlagzeug und der Rest der Band  verschiedene Tempi spielen und das ergibt eine interessante Malaise, die so schräg ist, dass sie schon wieder gut ist, das steigert sich bis zur Kakophonie.

Wait“: Nach dem Ende mit Schrecken beim Vorgänger, kommt „Wait“, sanft, dezent, wie eine 70er Happy-Peppy-Nummer daher. Kritikpunkt: Bereits die zweite Nummer und ich habe das Horn von Gondor, in diesem Falle das Saxophon von Zach Strouse, noch nicht gehört. Upsi, der Herr trötet ja jetzt bei BURIAL IN THE SKY.

Focus“: Der Ursprung dieses Liedes ist so außergewöhnlich, dass ich ihn hier erläutern werde. Der Sänger der Band, Jake Dieffenbachk, litt als Kind an ADHS und nahm, wie in den USA üblich, eine Menge an Medikamenten dagegen, was wiederum der Grundstein für eine Affinität zu Drogen bedeutete, wovon er sich schlussendlich lossagte.
Das Lied an sich ist von einer statischen Schwere, die für dieses Album exemplarisch ist, was wiederrum bemerkenswert ist, denn diese Band ist bekannt dafür, mühelos zwischen Musikstilen zu changieren. 



Clean“: Wie der Vorgänger ein Lied mit schwebenden Gitarren und seltsamen Sound des Gesangs. Was das Song-Writing betrifft, ist mir bei RIVERS OF NIHIL bereits Ausgefeilteres untergekommen.

The Void from Which No Sound Escapes“: Was willst du mir sagen RIVERS OF NIHIL? Das Intro mit diesem unspektakulären Keyboard, nein, so geht´s nicht. Diese Jungs können das viel besser. Die härteren Passagen sind okay, jedoch bin ich bei den soften Intermezzos Besseres von dieser Band gewohnt. Heureka, ab 4:55 Minuten intoniert ein Saxophon und es ist nicht Zach Strouse Getröte. Preiset den Herren, die Herrin, oder wen auch immer. Zum Ende wird es doch noch was. Der gescreamte Gesang unterstützt durch das Saxophon, ja, mehr davon.

More“: Grundsätzlich kein schlechtes Lied, vor allem, weil es stellenweise soundtechnisch interessant herbeiwummert. Dieses Stakkato-Schlagzeug gepaart mit dem sehr monotonen harten Gesang, hätte meiner Meinung überarbeitet werden müssen.

Tower 2“: Das Lied geht in Ordnung, dezent schwebend, hervorzuheben ist die Passion für seltsame Soundeffekte.

Episode“: Wieder eine Steigerung und ja, stellenweise klingt der Sound sehr schräg und das ganze Konstrukt irgendwie statisch. Ich denke, Agent Mulder hätte seine Freude mit diesem Sound: Danger From Outer Space. Einen Kritikpunkt muss ich anbringen. Das Keyboard passt während der gesamten Platte nicht ins Konzept.

Maybe On Day“: Wieder einer dieser Lieder auf dieser Platte, bei dem ich mich frage, was mir die Band sagen will. Ich dachte zu Beginn echt, es sei eine Persiflage von Musikstilen, die den 70ern zuzuordnen sind, aber ich denke, RIVERS OF NIHIL meinen das ernst. 

Terrestria IV: Work“: Wow, 11 Minuten 30 Sekunden und ich habe nicht den geringsten Schimmer, was hier vor sich geht. Agent Scully, ihre Akte. Zugegebenermaßen muss dieser Koloss äußerst genau untersucht werden, denn die mannigfaltigen Soundwechsel bzw. Stile erlauben es nicht anders. Keine Sekunde darf hier weggehört werden, ein Sakrileg.
Nein, ich mache eine Kehrtwende und revidiere meine Meinung zu diesem Lied: Es ist so schräg, so abgespaced, dass es großartig sein muss.

Fazit: Es ist so eine Sache mit Erwartungshaltungen. Im Gegensatz zu meinem Stormbringer-Kollegen, fand ich die letzten Alben dieser Band, ja, vor allem wegen der Diffusion diverser Stile und des Saxophones äußerst interessant und hörenswert. Leider wurden bei diesem Album meine Erwartungen enttäuscht. Sagen wir mal so: Es liegt nicht an RIVERS OF NIHIL, es liegt an mir, weil ich einfach nicht verstanden hab, worauf die Band hinauswill.
Manche Alben entziehen sich Hörer*innen und so werde ich dieses Werk 2045 wieder hervorkramen, um zu hören, wie der Zahn der Zeit an ihm genagt hat.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (20.09.2021)

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