THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA - Aeromantic II

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VÖ: 03.09.2021
Bandinfo: THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA
Genre: Classic Rock
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste

Es ist noch gar nicht soo lange her, dass The Night Flight Orchestra mit "Aeromantic" 2020 ihren letzten Longplayer vorgelegt haben. Die Europa-Tour ist damals angelaufen, die ersten großen Shows wurden gespielt und dann, tja dann kam das, was allen auf Tour befindlichen Bands (und nicht nur diesen) den Bühnenboden unter den Füßen weggezogen hat. Laut Sänger Björn waren alle Bandmitglieder nach dem plötzlichen Aus der Tour so niedergeschlagen, dass sie erst mal alle krank geworden sind. Einige Zeit wurden die Wunden geleckt, ehe man aber realisierte, dass sich die Situation nicht von heute auf Morgen ändern wird und trat die Flucht nach vorn an. In der Rückschau verlebte man so musikalisch sehr intensive und kreative 18 Monate, engagierte einen neuen Keyboarder (John Lönnmayr) und am Ende kam "Aeromantic II" dabei raus.

Wer TNFO kennt weiß, was einen erwartet. Die Band zelebriert die Disco-Ära mit einer solchen Inbrunst, dass schon bei den ersten Tönen die Spiegelkugel vor dem geistigen Auge von der Decke fährt. "Violent Indigo" bereitet ideal die Bühne für die nachfolgenden Tracks. Breite Synth-Wände, einfacher, aber eingängiger Groove und ein catchy Chorus. "Midnight Marvelous" schließt nahtlos an. Funky Bass, ein paar mysteriöse Voice-Samples, feines Gitarrensolo. Alles da, was der Fan sucht. Grundsätzlich können alle, die mit "Aeromantic I" schon ihre Freude hatte ohnehin gleich zum Fazit springen, ihr werdet auch dieses Album lieben. TNFO bleiben ihrem Stil treu und verstehen es blendend, diese Disco-Vibes in Songs zu verpacken, die sich tief in den Gehörgängen festsetzen. Das Gesamtpaket ist sehr stimmig und einen großen Anteil daran hat natürlich Björn Strid, dessen Stimmbänder wie für diesen Sound gemacht erscheinen. Ganz gleich, wie hoch es rauf geht, er präsentiert seine Lines mit Sicherheit und Präzision.

Einzelne Songs herauszupicken macht wenig Sinn, da nahezu jede Nummer das eine oder andere Schmankerl zu bieten hat, welches den AOR-affinen Rocker mitwippen lässt. Bei "Change" ist es der treibende Beat, der perfekt zu Rocky Balboa gepasst hätte, während er sich auf den nächsten Kampf vorbereitet. Das leicht proggige "Amber Through A Window", das die Gitarren etwas in den Vordergrund treten lässt und wieder einen sehr eingängigen Chorus bereithält. "You Belong To The Night" streut ein paar Bongos in den Mix und "White Jeans" ist eine Hommage an die LGBT-Community.

FAZIT: hatte man bisher schon seine Probleme mit der Klangwelt und dem Style, dem sich TNFO verschrieben haben, kann man "Aeromantic II" getrost überspringen. Die Jungs und Mädels erfinden sich hier nicht neu. Man bleibt auf den bekannten Pfaden und setzt auf bewährte Zutaten. Diese Zutaten versteht man aber gekonnt zu einem gelungenen AOR-Album zu mixen, bei dem der 80-Flair nur so aus den Boxen tropft. Der Vorgänger mag an der einen oder anderen Stelle noch einnehmender gewesen sein, nichtsdestotrotz wird hier erneut auf hohem Niveau abgeliefert.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Hans Unteregger (02.09.2021)

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