IRON MAIDEN - Senjutsu

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VÖ: 03.09.2021
Bandinfo: IRON MAIDEN
Genre: Metal
Label: Warner Music
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

17 Alben lang gibt es schon unsere Lieblings East-Ender aus London und noch ist scheinbar kein Ende in Sicht. Meine Leser wissen, was ich mittlerweile von IRON MAIDEN halte, trotzdem werde ich wohl diesmal von einer Totalvernichtung absehen. Für mich war das letzte durchgehend gute Album der Brexiter "Brave New World" und das letzte gute Album, ähm, "Brave New World". Seitdem geht es mit den in die Tage gekommenen Jungs rasant bergab bis mit "Book Of Souls" 2015 der Tiefpunkt erreicht wurde.

Tiefpunkt? Das können sie besser, respektive noch tiefer und "Senjutsu" ist das IRON MAIDEN-Album welches ich für mich zum Anlass nehme, mich endgültig von jeglichen neuen, noch kommenden, Veröffentlichungen zu verabschieden. Ich bin ein alter Sack und werde die Dreifaltigkeit "Powerslave", "Seventh Son Of A Seventh Son" und "Somewhere In Time" auf ewig verehren, das was IRON MAIDEN heute machen ist nicht mehr das, was mir an ihnen gefallen hat.

Über 80 Minuten lang geht es in dieser Runde zugange. "Senjutsu" eröffnet mit dem Titeltrack, einem Song der nie anfängt und nie aufhört. Eine äußerst seltsame Wahl für einen Opener, wäre doch das folgende "Stratego", ein knackiger, sehr typischer, IRON MAIDEN-Hoppler mit einem richtig guten Refrain, deutlich besser geeignet, das Album zu eröffnen. Noch dazu ist "Senjutsu" über acht Minuten lang. Als Opener zieht mich der Song richtiggehend herunter, es passiert nicht viel außer diesem seltsamen Drumpattern und einem Sound, der uns dann leider noch die ganze Albumlänge begleiten wird.

"The Writing On The Wall" ist schon bekannt vom, das muss man zugeben, knackigen Video. Der Song tut nicht sonderlich weh, Herr Dickinson ringt aber auch hier wieder mit den Höhen. Kennen wir schon von den letzten Alben. Das war mal, Kinder, einer der besten Metalsänger, wie auch IRON MAIDEN einst eine der größten, wichtigsten, besten, was-weiß-ich-auch-immer Bands waren. Manchmal ist früher doch besser gewesen.

Das Problem an "Senjutsu" ist die Einfallslosigkeit im Songwriting. 81+ Minuten sind eindeutig viel zu lange für Ideen, die man in 40 Minuten untergebracht hätte. Ewige Wiederholungen, schamloses Kopieren eigener Ideen von anno dazumal und das unnötige Verlängern fast jeden Songs machen aus dem Album ein massiv verzichtbares Alterswerk. Allein, dass Steve Harris die letzten drei Songs allein geschrieben hat und jeder davon über zehn Minuten lang ist, lässt schon alle Alarmglocken läuten. Und so ist es dann auch, auf ein ewiges Akustikintro folgen vernachlässigbare Songs die wohl nur jemand abfeiern kann, der mit dem Backkatalog überhaupt nicht vertraut ist.

Kevin Shirley. Warum Kevin Shirley? Die Produktion ist, zitieren wir die Angelsachsen, "all over the place". Mal ist der Sound fast brauchbar, dann sind die Gitarren nicht richtig durchverzerrt (es heißt Heavy Metal bei MAIDEN und nicht Rock), dann rascheln die Overheads wieder die Klampfen nieder, die Solosounds sind bisweilen sehr eigenartig und die Platzierung des Gesangs ist schon fast als Komödie zu bezeichnen. Steht Dickinson einmal mitten im Wohnzimmer ist er kurz drauf wieder weit hinten, verhallt beinahe im Off oder kommt links oder rechts daher. 

Dazu ist alles irgendwie ohne Power, lahmarschig gar arrangiert. Klar, MAIDEN waren nie Speed Metal, aber einige Songs (alle, die Harris als Songwriter haben eigentlich) kommen nicht vom Fleck, verharren in einer Stasis die es recht schwierig macht, dem Album einen ganzen Durchlauf zuzuhören. 

IRON MAIDEN sind noch immer eine der größten Heavy Metal-Bands dieses Planeten, allein, mit den wegweisenden Knaben der 80er hat das alles nichts mehr zu tun. Ich könnten hier kilometerlang ranten, aber das Album wird, ob gegen Entgelt oder nicht, wohl vom den Printmagazinen und den bekannten Onlineportalen abgefeiert werden und die Stadien werden voll sein. Es sei den alternden Herren gegönnt, für mich ist das leider das schwächste Album der Dickinson-Ära.

Adieu, alter Freund, ich klinke mich hier aus...

 

 

 

 

 

 



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (03.09.2021)

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