HEIRS OF ISILDUR - Heirs Of Isildur vs Tales From Nocturnia

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VÖ: 16.09.2021
Bandinfo: HEIRS OF ISILDUR
Genre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

HEIRS OF ISILDUR soll es also sein. Gut, muss ich hier meine Beschlagenheit, haha, bezüglich des Elbischen aus der Klamottenkiste holen, bzw. das Internet weiß alles. Isildur bedeutet auf hochelbisch in etwa „Diener des Mondes“. Der Sprachwissenschaftler J. R. R. Tolkien schuf, beeinflusst durch diverse Mythologien bzw. Sprachen, eine persönliche Mythologie untermauert durch ausgedachte Sprachen. Ehrlich gesagt, beneide ich Prof. Helmut Birkhan ein wenig dafür, einen der interessantesten Professoren, den ich je kennen lernen durfte, Tolkien persönlich gekannt zu haben.
 
„Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“, sind wohl die meistgelesenen ersten Worte bezüglich Fantasy-Literatur.

"Heirs Of Isildur" ist eigentlich eine Comic-Reihe, die von Matt Knowles (der Mulitiinstrumentalist, hinter HEIRS OF ISILDUR: Gesang, Gitarre, Schlagzeug und Bass) und Steph Cannon erarbeitet werden.

Der Sound von „Tales From Nocturnia“ ist, sagen wir mal euphemistisch, gewöhnungsbedürftig. Aus den Boxen bricht ein Schwall an Schallwellen, die diffus ineinander strömen. Zu den traditionellen Metal-Instrumenten gesellen sich Keyboard, Geige und mehr. Da war doch mal was mit Wall of Sound, oder um den Klang mit einem Adjektiv zu beschreiben: undifferenziert. Kein Instrument tritt per se in den Vordergrund oder in den Hintergrund, oder, um es deutlicher zu beschreiben, das Song-Writing ist ausbaufähig. Um einen weiteren Kritikpunkt ins Feld zu führen: Der Gesang ist derlei für ein Lied gut, nicht aber für einen Longplayer. Mehr Variation. Was spräche dagegen, Gastsänger*innen zu engagieren?

Das erste echte Überraschungsmoment, offenbarte sich beim dritten Lied „The Perilous Prospects Of The Timekeeper“, als ab etwa 2:05 Minuten Metal-Gewitter die Wolken geteilt wurden und zarte Sonnenstrahlen in Form einer empfindsamen Klavier-Bridge herabschienen. Es wart gut.

Nightmare Scenario“, das fünfte Lied, weiß wieder zu überraschen. Eigentlich sollte es ein langsamer instrumentaler Song sein, jedoch löst etwas Unstetigkeit aus und es ist bis zur ersten Hälfte des Liedes der Synthesizer, der von einem Schlagzeug abgelöst wird, das zu forsch die Snare nach dem Stichwort Nähmaschine bearbeitet. Versuch es mal mit einem Becken, Mann. 

Ferner fiel mir an dieser Art der Ausformung auf, ähnlich wie beim kommenden Album von RIVERS OF NIHIL, bzw. bei „Something Sinister This Way Comes“, dass die Instrumente sich so anhören, als würden sie verschiedene Tempi spielen. Bei diesem Album betrifft es das Keyboard, das meistenteils in schwebenden Akkorden einfließt, während Gitarren, Bass, Schlagzeug ordentlich dahinbolzen. Mit etwas mehr Esprit hätte dieses Vorhaben durchaus Charme, meiner Meinung fehlt da noch die eine oder andere alchemistische Zutat. Immerhin existieren eine Menge an Bands, bei denen das Keyboard, eine tragende und wunderbare Rolle spielt: DEEP PURPLE und John Lord, Gott hab ihn selig. Alles gesagt.

Into The Wilderness“ offenbart abermals diese Konfusion, die ich nicht verstehe. Wie passt hier die Geige ins Konzept? Meine Empfehlung: Bei NE OBLIVISCARIS nachhören, eine Band, die soundtechnisch über jeden Zweifel erhaben ist. Okay, ab etwa 3:15 Minuten wird eine weitere Überraschung eröffnet. Cello, Geige, cleaner femininer Gesang, die beste Stelle des Albums. Das Schlagzeug gesellt sich dazu, wobei dieses zu aufdringlich, zu wenig dezent ausfällt und ein männlicher Gesangspart. Okay.

Fazit: Dieses Album würde ich kompositorisch eher als durchwachsen bezeichnen. Die guten Ansätze werden immer wieder niedergeknüppelt, mehr Konfusion als ausgereifte Komposition tut sich auf. Zurückkommend auf das anfängliche Thema, nämlich das Volk der Elben, deren Gestalt von Grazilität geprägt ist, prescht dieses Album eher vor wie die wackeren Uruk-hai, die beabsichtigen, den Menschen den Garaus zu machen. Wir wissen alle, wie die Geschichte ausgegangen ist.



 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (07.09.2021)

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