SALTATIO MORTIS - Für immer Frei (Unsere Zeit Edition)

Artikel-Bild
VÖ: 27.08.2021
Bandinfo: SALTATIO MORTIS
Genre: Mittelalter Rock
Label: Vertigo
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Moment mal, wurde „Für Immer Frei“ nicht schon im Vorjahr veröffentlicht? Ja, der Rezensent hat richtig gelesen – SALTATIO MORTIS werfen ihr Erfolgsalbum vom Vorjahr kurzerhand noch einmal als „Unsere Zeit Edition“ auf den Markt – mit dickem, fettem Bonus, damit sich die Sache auch auszahlt. Über die Strategie, ein Album ein Jahr nach Erscheinen noch einmal in einer neuen Version aufzulegen, kann man natürlich wie immer geteilter Meinung sein, doch die Intention dahinter soll an dieser Stelle nicht hinterfragt werden.

Zwischen dem ersten Release von „Für Immer Frei“ und der nun vorliegenden neuen Version „Unsere Zeit Edition“ hat sich bei den Karlsruher Spielleuten einiges getan – Drummer und Gründungsmitglied Lasterbalk hat aus privaten Gründen seinen Rückzug aus dem Live-Geschehen bekannt gegeben, kehrte jedoch der Band nicht den Rücken und wird hinter den Kulissen und im Management erhalten bleiben.

Mit dem Album „Für Immer Frei“ selbst, sind SALTATIO MORTIS endgültig im Punkrock, beziehungsweise Deutschrock angekommen, wo sich simple Riffs mit fluffig-eingängigen Dudelsack-Melodien paaren und funktional auf die Easy-Listening-Klientel abzielen. Musikalisch ging „Für Immer Frei“ damit stark auf Nummer sicher und konnte trotz hohen Ohrwurmfaktors auf keine große Hitdichte setzen, zumal der Pathos in den Lyrics bisweilen übers Ziel hinausschoss. Doch das Album konnte die inzwischen sehr zahlreiche Fancommunity auf voller Länge überzeugen und griff exzellente Platzierungen in den Charts ab – dann kann nicht allzu viel verkehrt gelaufen sein. Allerdings würde man sich inzwischen wünschen, dass die aus allen ritzen quillende Gesellschaftskritik nicht zum alleinigen Zentralthema mutiert...

Anhänger der Karlsruher werden mit dem Bonusmaterial der zweiten CD verwöhnt und bestens unterhalten – die neuen Stücke gliedern sich nahtlos in die Diskografie ein und versprechen wie „Nie Allein“ (natürlich hat das zugehörige Video eine coole Message) Schunkeln, Mitsingen und Unbeschwertheit wie eh und je. „Unsere Zeit“ und „Funkenregen“ arbeiten einmal mehr die rotzige Punk-Schlagseite von SALTATIO MORTIS genauer heraus und hätten so ohne weiteres auch auf der ersten Veröffentlichung von „Für Immer Frei“ stehen können. Sowohl die Neueinspielung von „Geboren um frei zu sein“, ohne fröhliche Dudelsäcke dargeboten und damit sehr melodisch, kann punkten, als auch die Proberaum-Version von „Nie Allein“, das in rein akustischem, aber sehr stimmigem Gewand einherkommt.

Die Coverversionen bieten Licht und Schatten – wo das Shanty „The Wellerman“, welches in Lockdown-Zeiten zu einem Social Media Phänomen in gefühlt hunderten Versionen mutierte, in der bandeigenen Interpretation mit Aleas rauer Stimme richtig Laune macht, fragt man sich bei „My Mother Told Me“ aus der Serie „Vikings“ doch ernsthaft, was für Substanzen da im Spiel waren. Obwohl das Video dazu äußerst opulent geraten ist und immensen Coolness-Faktor hat, wirkt die Verbindung aus ältlichen NDH-Gitarren, klischeehaftem Nordic-Folk und der dazu kombinierten Mischung aus englischen und nordischen Lyrics nicht wirklich authentisch. Das quietschbunte „Hypa Hypa“ von ESKIMO CALLBOY läuft ohnehin außer Konkurrenz – entweder man feiert es, oder man wendet sich mit Grausen ab – Zwischenstufen gibt es hier keine und es darf jeder für sich selbst entscheiden.

Auch von der neuen Edition gibt es dann noch einmal eine Sonderedition mit ganzen 3 CDs (Editionception, oder so...), wo der Konsument noch einmal 15 (!) weitere, mehr oder minder kreative Interpretationen von SALTATIO MORTIS Songs, dargeboten von anderen Bands oder Künstlern auf die Ohren bekommt – von KISSIN' DYNAMITE über RUSSKAJA bis hin zu SONDASCHULE oder HEAVYSAURUS.

Wer es braucht, möge damit glücklich werden, dem Rezensenten erschließt sich jedoch die Praktik nicht so ganz – dass man mit „Für Immer Frei – Unsere Zeit Edition“ allerdings nichts für sein Geld bekommen würde, kann man SALTATIO MORTIS nicht vorwerfen.

 



Ohne Bewertung
Autor: Anthalerero (05.09.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE