KING ZEBRA - Survivors

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VÖ: 17.09.2021
Bandinfo: KING ZEBRA
Genre: Hard Rock
Label: GOLDEN ROBOT
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Lineup  |  Trackliste

Harte Musik ist mitunter die Kunst der dramatischen Übertreibung. Die seit Monaten die globalen Medien beherrschende Corona-Dramödie ist sicherlich eine der großen Katastrophen unseres Jahrhunderts (die ich hier in keiner Weise herunterspielen will), aber die Chance zum Überleben derselben ist doch im Vergleich zu anderen Ereignissen dieser Liga vergleichsweise hoch. Zuweilen fragt man sich sogar, ob der primäre Kampf tatsächlich gegen das Virus oder gegen unfähige Entscheidungsträger und geistige Brandstifter ausgetragen wird - oder aber, ob der gemeine "Survivor" wirklich körperlich funktionsfähig geblieben oder "lediglich" bei Verstand geblieben ist.

Zu den darüber Bescheid wissenden und Überlebenden gehören die Schweizer Hartrocker KING ZEBRA, die mit ihrem neuen Album "Survivors" ein Loblied auf das (Über)Leben singen und der schlechten Laune einen gepflegten Elfmeter mit dem Stiefel ins Hinterloch verpassen. "Survivors" macht dort weiter, wo die Eidgenossen mit ihrer selbstbetitelten EP ihre erste Duftmarke mit Neu-Sänger Eric St. Michaels platzierten und präsentiert den Fünfer in bestechender Form. Wie bereits beim 2019er Rock'n'Roll-Quickie postuliert, erfinden KING ZEBRA auch hier das Rad nicht neu, doch schaffen sie es, mit einer langen Latte zackiger Riffs, ohrwurmiger Refrains und einem fetten Bleifuß auf dem Gaspedal einen glaubwürdigen Spirit zu transportieren und für Begeisterung zu sorgen. Ob die unbändige Energie der Songs als positive Kanalisierung der eingangs erwähnten, geisterdrückenden Pandemie-Umstände zu deuten ist, kann hier nur spekuliert werden, aber das Ergebnis überzeugt.

Mit den überwiegend treibenden Kickass-Rock'n'Rollern wie "Under Destruction" (welch herrlich ironische Anspielung auf den zeitgenössischen geistigen Verfall) oder dem bläsergestützten "She Don't Like My R'n'R" kann man für wenige Minuten den Ärger über den bis dato andauernden "Überlebenskampf" vergessen und sich voll und ganz dem Rock'n'Roll hingeben...gute Laune garantiert - trotz der teils bedeutungsschwangeren Texte. Zu den klaren Highlights zählt der dreckige Gassenhauer "Wall Of Confusion", der schon für sich gesehen eine Perle ist und durch die rotzigen Gastvocals von THUNDERMOTHERs Guernica Mancini zur Granate wird (man beachte die großartige Symbiose aus St. Michaels cleanen Vocals und dem harschen Organ der Donnermutter). Und damit es nicht langweilig wird, gibt es zwischendurch gediegene Kost in Form von authentischem Achtziger Melodic Rock, siehe "On The Run" und "We're The Survivors".

Damit werden am Ende Hörer sämtlicher Couleur bedient, obschon die Arschtritt-Fraktion die Platte klar dominiert. Es mag am Ende eine Geschmacksfrage bleiben, aber die aufbrausende Energie und Aggression der Songs machen "Survivors" zu einer gewichtigen Platte, die die Stärken der Band perfekt zur Geltung bringt und die man als Rock-Fan "überlebt" haben sollte. In diesem Sinne: KING ZEBRA auf den Teller schmeißen, die Lautstärke auf die Schmerzgrenze des Nachbarn aufdrehen und den Verdruss unserer Zeit in den Äther schmettern. Auf das Leben und den Rock'n'Roll! Cheers!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (10.09.2021)

WERBUNG: Hard
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