WHITE STONES - Dancing Into Oblivion

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VÖ: 27.08.2021
Bandinfo: WHITE STONES
Genre: Death Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste

"Dancing Into Oblivion" dürfte zuletzt, genauso wie sein Vorgänger "Kuarahy" wohl auch, auf nicht besonders vielen Einkaufslisten beim Unterpunkt Death Metal gestanden haben. Wie schon zu Debützeiten agieren WHITE STONES auch weiterhin unter dem Radar und verzichten ganz bewusst auf förderndes Namedropping oder verzerrte Gitarren, die dann entweder an Florida, Stockholm, Birmingham, die Niederlande oder an alle vier auf einmal erinnern, und fokussieren sich vollständig auf ihren progressiv unterlegten, bodenständigen und damit sicherlich auch eigenbrötlerischen Death Metal, dem man seine Gelassenheit gegenüber übertriebener Selbstvermarktung o.Ä. durchaus abnimmt.

Vergleicht man "Dancing Into Oblivion" mit "Kuarahy", fällt nicht nur lyrisch besonders auf, dass ersteres deutlich düsterer und näher an der Realität kratzt, sondern auch atmosphärisch eine zeitweise erdrückende Dichte ausstrahlt, die man vom Debüt nicht unbedingt kennt. "Dancing Into Oblivion" versucht gar nicht erst zu verschleiern, dass es im ersten Covid-19-Jahr entstanden ist und sich dabei u.A. der psychologischen Betrachtung des Virus und seiner gesellschaftlichen Auswirkungen widmete. Ein Blick auf die Tracklist genügt schon, um zu erahnen, dass das in schonungslos-pessimistischer Art geschieht. 

Trotz progressiver Ausrichtung von Fusion ("Chain Of Command") über Jazz ("Iron Titans") bis hin zum gewohnten Laut-Leise-Trademark ("Freedom In Captivity") ist "Dancing Into Oblivion" also nicht zwingend ein Werk für die Schöngeister dieser Welt, da es neben all der instrumentalen Verspieltheit sowie dem wunderbar erdigen und organischen Mixing, das zwischen all dem überproduzierten amerikanischen Firlefanz nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern auch eine echte Wohltat ist, vor allem eines ausstrahlt: Negativität. Das kann durchaus anstrengend sein oder werden, doch wenn man es aus einer anderen Perspektive betrachtet, ist der dräuende Pessimismus, der hier zelebriert wird, auch ungemein faszinierend und dienlich, weil er das Album so authentisch und greifbar macht, wodurch es die Hörer:innen in gewisser Weise versteht.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (07.09.2021)

WERBUNG: Hard
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