CUESTACK - Diagnosis:Human

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VÖ: 06.08.2021
Bandinfo: CUESTACK
Genre: Electro Metal
Label: Rebeat Music
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Lineup  |  Trackliste

CUESTACK – dahinter verbergen sich zwei renommierte Landsleute, namentlich Gitarrist Bernth Brodträger (ua BELPHEGOR, SEILER&SPEER) und der renommierte Licht- und Showdesigner Marin Kames, die mit dem vorliegenden Debüt „Diagnosis: Human“ ihre musikalische Vision eines Multimedia-Gesamtkunstwerkes, eines faszinierenden Kosmos aus Musik, aufwändigen Visuals und bombastischer Bühnenshow verwirklichen wollen. Dass ein derartiges visionäres Projekt nicht mit cheesy 08/15 Easy-Listening-Stoff einher geht, sollte an dieser Stelle schon klar sein. Letztendlich braucht man aber tatsächlich ein gewisses Maß an Neugierde und Experimentierfreudigkeit, um der spannend zusammengestellten, abgefahrenen Stilmixtur auf „Diagnosis: Human“ etwas abgewinnen zu können.

Am ehesten kann man das, was CUESTACK auf ihrem knackige 40 Minuten spielenden Debüt veranstalten, noch mit einer Mischung aus den Finnen von TURMION KÄTILÖT (vor allem der tanzbare Opener „Alive (2020 Mix)“) und den Industrial-Granden von MINISTRY („Lines Of Code“, „Energize“) vergleichen – aber auch wieder ganz und gar nicht, wenn poppige Songs wie das eingängige „Nothing Without Me“ aus der Anlage erschallen, „Gynoid“ mit kreischenden Synths durch die Botanik wütet oder das düster-durchschlagende „Overpopulate“ gar mit Dubstep-Elementen liebäugelt.

Speziell der Gesang erweist sich als äußerst variantenreich („Horizon“) und oszilliert gekonnt zwischen elektronisch verzerrtem Sprechgesang, Klargesang, diversen Shouts und Nu-Metal-Elementen, was dem Album insgesamt eine beeindruckende Bandbreite gibt. Egal ob wütend, wie im abschließenden „Icon“, eingängig wie in „Stronger“ oder als Mischung aus beidem, wie in „Monster“ vorexerziert – CUESTACK brechen mit jedem Song die Genregrenzen auf, sprengen die Ketten allzu limitierenden, festgefahrenen Industrial Metals und eröffnen dem Hörer durch ihre oftmals unterwarteten Wendungen und Experimente eine ganz neue Perspektive.

Auch das lyrische Konzept von „Diagnosis: Human“ steht dem musikalischen Gesamtkunstwerk um nichts nach, konstruiert das Album doch eine dystopisch-düstere Zukunftsvision – an und für sich ein in den letzten Jahren bereits sehr ausgiebig von diversen Bands in diversen Genres strapaziertes Thema... - die aber durch den Brückenschlag mit der außergewöhnlich experimentellen musikalischen Untermalung deutlich mehr Substanz erhält als so manch andere, nicht minder niederschmetternde Zukunftsvision. Egal ob zutiefst menschliche Themen wie Laster und Abhängigkeiten, Verlust in all seinen Ausprägungen oder auch Mobbing im virtuellen Raum oder abstraktere Gedankenkreise wie Androidismus, philosophische Betrachtungen künstlicher Intelligenz zwischen menschlicher Fehlbarkeit und maschineller Perfektion, oder die abgefahrenen Abgründe von Roboter-Sex, CUESTACK kleiden ihre vielfältigen, mal simplen, dann wieder schwer fassbaren Themen in auf höchst spannende Weise passenden Klänge, dass man sich nur zu gerne tiefer und tiefer in den Kosmos des österreichischen Duos fallen lässt.

Natürlich mögen die Experimente und die von teils abrupten Wechseln lebende Struktur so manchem Hörer bevorzugt stringenterer Klänge viele Rätsel aufgeben, doch wer gerne über den Tellerrand schaut, der dürfte mit „Diagnosis: Human“ sehr viel Input bekommen. Ein sperriges, aber verdammt spannendes Debüt, das man nicht auslassen sollte!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (13.09.2021)

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