LIFE ARTIST - Lifelines

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VÖ: 27.08.2021
Bandinfo: LIFE ARTIST
Genre: Progressive Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Um hier mal Tacheles zu reden: Mit bundesdeutschem Metal hatte ich immer so meine Probleme. In letzter Zeit wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. Nun machen LIFE ARTIST mit der Langrille „Lifelines“ ihre Aufwartung.

Die Unstetigkeit bezüglich der Band-Genese ist nicht zu übersehen. Bereits 1989 gegründet, löste sich die Band 1994 wieder auf, um 2012 einen weiteren Versuch zu wagen. Es dauerte Jahre, bis die Band komplettiert wurde und laut Bio wurde seit 2018 ernsthaft an einem Longplayer gearbeitet. Was soll ich sagen: We proudly present „Livelines“.

Prelude: The Architect“: Heureka. Endlich eine Band, die ein ansprechendes Intro so hinkriegt, dass ich gebannt darauf warte, was der nächste Takt bringen wird.

Of Lambs And Lions“: Woran erinnert mich dieser Sound, entfernt aber doch? Die Gitarrenarbeit auf jeden Fall an Tool. Wohlig ausgefeiltes Lied mit sattem Sound, geilen Takt-, Tempi- und Gesangswechseln.

Lifelines“: Diese Band weiß Synthesizer goldrichtig einzusetzen  und die Piano- bzw.-Forte-Passagen genauso hinkriegt, wie ich mir das vorstelle. Hier ist alles richtig dosiert. Die Gitarren-Arbeit ist knackig, gleichermaßen technisch herausfordernd.

Tightrope Walker“: Hier ist wiederum die sehr gelungene Rhythmus-Arbeit des Gitarristen hervorzuheben und das Solo am Ende ist von bemerkenswerter Grazilität.

Spirit Of The Sea“: Wow, großartiges fast zweiminütiges Intro, das zweigeteilt daherkömmt: Dezentes Klavierspiel zu Beginn, auf das alle Bandkollegen einstimmen. Hier mein erster minimaler Kritikpunkt: Der Gesang ist etwas mau, mehr Druck und Variation hätten nicht geschadet, ja, das Gitarren-Spiel (ein letztes Mal) ist beeindruckend gut.



Interlude: Shadowplay“: Ein rein klavierausgearbeitetes Intermezzo entfaltet sich, ich wiederhole mich, von erhabener Grazilität.

Sacrilege Of Sisyphos“: Was ist da los, bei den deutschen Kollegen aus Teutschen Landen? Abermals ein großartiges Intro und wieder ist es der Gesang, der etwas zu wenig für mein Gefühl ist. Das Timbre des/der Sänger/s (Marco Witte bzw. Dirk Eckhard) erinnert mich gedämpft an Erik Laan von CHAIN REAKTOR, wenngleich die Stimmen besser sind.

Layrinth Of Time And Space“: Seit Monaten habe ich keine Band mehr gehört, die Intros in dieser Nachhaltigkeit einspielt. Wie das Zusammenspiel zwischen Klavier, Schlagzeug und Gitarre dargebracht wird, ist exzellent. Oh Mann, die Geige. Bussi aufs Bauchi.

Epilogue: Miniature No. 1“: Wunderbares Ende. Ein Klavier, eine verzerrte Stimme. Klingt wie Glenn Gould auf Peyote, der mit dem jüngsten Gericht telefoniert.“

Fazit: Was schon aus die Maus? Überraschend gut herausgearbeitetes Album was Sound, Kreativität und Ausgereiftheit der Lieder betrifft mit verdammt guten Musikern. Ich bin sehr gespannt, in welche Richtung sich LIFE ARTIST weiterentwickeln werden. Das einzige, was meiner Meinung ausbaufähig ist, der Gesang müsste an Intensität bzw. Variation dazugewinnen. Abschließend sei gesagt, dass sogar da Video zu „Spirit oft he Sea“ äußerst gelungen ist.

Am Ende ein Schwur. Für die nächste Platte gebe ich der Band keine drei Jahrzehnte, sondern poche auf längstens drei Jahre. Sollte sie über diese Qualität verfügen, kann hier von einer 5-Sterne-Bewertung nicht abgegangen werden.

Das Album ist bei der Band direkt erhältlich.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (14.09.2021)

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