SEVEN SPIRES - Gods Of Debauchery

Artikel-Bild
VÖ: 10.09.2021
Bandinfo: SEVEN SPIRES
Genre: Symphonic Metal
Label: Frontiers Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

SEVEN SPIRES hat die Pandemie mit voller Wucht getroffen. Kurz nach Veröffentlichung ihres formidablen 2020er Albums "Emerald Seas" (Review) sollte eine großangelegte Tour zur Promotion folgen und bis auf wenige Konzerte spülte das Virus alle Pläne komplett über Bord. Natürlich kein Einzelfall aber dennoch traurig.

Die Zeit wurde jedoch genutzt, um wieder neue Songs zu komponieren, sich nicht unterkriegen zu lassen und einen neuen Anlauf zu starten. So liegt nunmehr 18 Monate später der neue, überlange Silberling namens "Gods Of Debauchery" vor.

Wie auch schon der Vorgänger bietet auch das neue Langeisen ein großes Maß an Abwechslung. Es werden sowohl Symphonic-Metal-Fans aus dem NIGHTWISH-Lager als auch Death/Black-Metaller angesprochen und auch diejenigen, die mehr poppig-melodische Klänge bevorzugen, bekommen einiges geboten.

Nach dem choralen Intro "Wanderer's Prayer" geht es mit dem Titelsong erst einmal bombastisch zur Sache, mit ausufernden (Keyboard-)Streichern, ehe Adrienne Cowan mit voller Breitseite losgrowlt, ohne jedoch die Melodie außer Acht zu lassen. Ein Einstand nach Maß. 

"The Cursed Muse" startet zwar auch mit Grunz-Vocals, im ultramelodischen Chorus gibt es aber die erste Kostprobe von Adrienne mit Clean-Gesang, der ja bei ihr auch bekanntlich großartig ist. 

"Ghost Of Yesterday" ist kommt dann fast gänzlich ohne Growls aus, der orientalisch angehauchte Song ist eher von der ruhigeren Sorte, nimmt aber im Chorus doch noch ordentlich Fahrt auf.

"Lightbringer" ist die poppigste Nummer des Albums und erinnert schon fast etwas an ABBA mit dem mehrstimmigen Chorus. Eine nette Abwechslung und Verschnaufpause.

So abwechslungsreich geht es im Verlauf des Albums auch weiter. "Echoes of Eternity" (auch wieder orientalischer Art) und "In Sickness, In Health" bedienen die Melodic-Freunde und mit "Dare To Live" ist auch ein richtiger Ohrwurm-Hit versteckt. "Oceans Of Time" erinnert dagegen etwas an AVANTASIA, in deren Tourband ja Mrs. Cowan als Backing-Sängerin auf der letzten Tour mitwirkte. Scheint wohl etwas abgefärbt zu haben.

"Shadow On An Endless Sea" ist eine Bombastballade mit Melodic Death-Tupfern, diese sind auch in "Gods Amongst Men" allgegenwärtig und auch in "Dreamchaser" wird die Cookiemonster-Fraktion gut gefüttert. 

Highlight des Albums stellt der Longtrack ""This God Is Dead" dar, der in über zehn Minuten die Band gut in allen ihren Facetten widerspiegelt. Orchestrales, Bombast, Speed-Parts, Growls - alles untergebracht in einem clever strukturierten Stück, welches nie langweilig wird (im Gegensatz zu manchem Longtrack anderer Bands derzeit - Hallo IRON MAIDEN). Mit Roy Khan (Ex-KAMELOT) ist hier auch ein prominenter Gast zu hören

Mit "Through Lifetimes" gibt es einen reinen "Klassik"-Titel - nur orchestral unterstützt mit Adrienne in Opernstimmung. "Fall With Me" lässt das Album dann balladesk ausklingen.

Fazit: Natürlich ist Adrienne Cowan das Aushängeschild und die Geheimwaffe von SEVEN SPIRES. Was das kleine Energiebündel vocal-technisch drauf hat ist schon sensationell. Neben dem Gesang ist sie ja auch für die Arrangements zuständig. Den anderen Bandmitgliedern würde man damit jedoch Unrecht tun, insbesondere die Gitarrenarbeit von Jack Costo ist famos, aber kein Wunder, denn die Band hat sich am weltberühmten Berklee College of Music in Boston kennengelernt, ausgezeichnete Musikalität ist da wohl ein Garant.

Produziert wurde das Ganze im Hochglanzformat von AVANTASIA-Mastermind Sascha Paeth, der immer für einen voluminösen Top-Sound steht. So auch hier.

Viele Kritikpunkte fallen mir nicht ein, es gibt keinen richtig schlechten Song auf dem Album. Einzig die orchestralen Parts sind ab und an und zu doch etwas zu dick und theatralisch aufgefahren und man merkt eben, dass das kein echtes Orchester ist, sondern Keyboards. Live dürfte man da wohl auch auf viele Samples angewiesen sein, wenn man Adrienne nicht die ganze Zeit am Keyboard stehen sehen will. Die 78 Minuten vergehen doch recht kurzweilig schnell und jedem Fan der angesprochenen Musikrichtungen sei "Gods Of Debauchery" wärmstens empfohlen.

                    



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (11.10.2021)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE