DŸSE - Widergeburt

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VÖ: 17.09.2021
Bandinfo: DŸSE
Genre: Noise Rock
Label: Cargo Records
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Lineup  |  Trackliste

Hin und wieder kommt es vor, dass der vor dem Schirm sitzende Rezensent lang hin und her überlegt, womit er eröffnen soll. Das ergibt sich meist automatisch beim ersten Durchlauf eines neuen Werkes. Bei DŸSE und ihrem aktuellen Longplayer "Widergeburt" (nein, das ist kein Tippfehler) verhält es sich anders. Wie soll man über eine Band schreiben, die man zwingend sehen, hören und fühlen muss, um ihrer Herr zu werden? Aber gut, erstmal ein paar spärliche Fakten: DŸSE sind eine Noise-Rock Duo mit Homebase in Berlin. Ein Schlagzeug (Jarii van Gohl) und eine Gitarre (Andrej Dietrich) müssen reichen. Tut es auch im Normalfall, nur auf "Widergeburt" garnierte man den Sound mit unterschiedlichen Gästen, die die ganz tiefen Frequenzen beisteuern durften.

Persönlich kam es vor ein paar Jahren in Kärnten beim legendären Sauzipf Rocks Festival zum Erstkontakt mit DŸSE. Nichtsahnend vor der Bühne stehend wurde ich gemeinsam mit allen Jungs und Mädels, die noch aufrecht stehen konnten, umgeblasen von der Energie, die dort oben von den beiden Herren entfacht wurde. Die Sauzipf-Crowd war fasziniert.

Aber nun zum Musikalischen. Bei "Widergeburt" erwartet den Hörer/die Hörerin eine wilde Mischung aus unterschiedlichsten Stilen und Geräuschen. "Laicos Neidem" gibt den Rhythmus vor und bereitet den Weg. Kryptische Wortschnipsel und schräges Scheppern - eh einem kurz vor der Minutenmarke erstmals fette Riffs um die Ohren fliegen und man instinktiv ins Moshpit springen möchte. Die Inspiration für diesen Song kam von der ikonischen Szene am Tian'anmen-Platz, wo sich ein einzelner Mann den Panzern der Chinesischen Armee entgegengestellt hat. 

Bei "Der Haifisch die Zähne" ist es schwieriger, die Inspiration zu verorten. Überhaupt macht es wenig Sinn, die Songs einzeln zu besprechen. Sie sind laut, wild, roh, unkonventionell. Eine Erfahrung der ganz besonderen Art. Immer getrieben vom stampfenden Drumming und fetten Riffs, zwischendurch gebrochen von Tempo- und Stilwechseln. Neben den Instrumenten nimmt die Vocal-Perfomance einen mindestens genauso großen Teil des Ganzen ein und versteht es, einen mitzureißen.

Fazit: Der DŸSE-Sound ist sicherlich nicht für Jedermann/-frau, bietet aber für den aufgeschlossenen Rock- bzw. Metalfan vieles, was es zu entdecken gilt. Steht man auf das Extravagante, das sich nicht schubladisieren lässt, ist eine Hörprobe Pflicht und nebenbei sollte man auf den Tourplan der Jungs blicken. Wenn man nämlich mal einen Termin in der Nähe erwischt, darf man sich das nicht entgehen lassen. Live sind DŸSE eine echte Naturgewalt.

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Hans Unteregger (16.09.2021)

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