SENNTUS - Der Teufel am Totenbett

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VÖ: 01.10.2021
Bandinfo: SENNTUS
Genre: Post-Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

SENNTUS ist das 2011 gegründete Einmann-Post-Black-Metal-Projekt des Österreichers Mayr Jürgen, aus der steirischen Gemeinde Neuberg an der Mürz. Mit "Der Teufel am Totenbett" wirft die Allzweckwaffe Jürgen Mayr das nunmehr vierte Album unter dem SENNTUS-Banner auf den Markt. Und er kann sehr zufrieden mit seiner Arbeit sein.

Was seinem kreativen Prozess entsprungen ist, ist eine Gemengelage an dunklen Sounds. Black Metal, Post Black Metal, Viking/Folk-Einflüsse und noch einiges mehr gilt es zu entdecken. Das Alles wurde von Jürgen Mayr alleine aufgenommen und bis aufs Mastering auch selbst produziert. 

Wenn man dahinter ein typisches Ein-Mann-Black-Metal-Projekt mit Rasierapparat-Gitarren vermutet, ein Werk mit einem Sound welcher an obertrve Werke erinnert, Alben die es auch heutzutage noch genügend gibt mit einem Sound der entweder necro oder nur übel ist (ein Beispiel), tja dann liegt man hier falsch. Schön roh grillen die Gitarren, das Schlagzeug herrlich organisch, die Stimme röchelt dunkle Geschichten.

Zu den Texten sagt das Mastermind: "Inspiration find ich in allen möglichen Dingen im stinknormalen Alltag. Wenn man genau hinsieht, ist man ohnehin jeden Tag umgeben von potenziellen Massenmördern und Folterknechten bei denen nur noch ein winzig kleiner Tropfen fehlt, der das Fass zum Überlaufen bringt. 

Generell die menschliche Psyche und was alles zusammenspielen muss, dass jemand irgendwann sich selbst oder jemand anderen etwas antut, finde ich total interessant. Im Grunde kann der netteste und positivste Typ zum Monster werden, wenn ihm nur genug Scheiße passiert ist."

Was besonders spannend ist, ist die Tatsache, dass hier fast jeder Song wie sein eigenes kleines Universum funktioniert. Wir haben hier keine sich kopierenden Tracks, die nur da sind, um die Albumlänge zu erreichen. Es gibt vielmehr einiges zu entdecken. Während "Deine Asche" noch schön BM-artig nach vorne prescht, erinnert "Moloch" musikalisch an Viking/Folk-Metal der dunklen Sorte, ist aber textlich ganz woanders angesiedelt und punktet mit schönem Refrain.

Melodien gibt es auch bei "In Mutters Schoß". Hier wird anfangs ziemlich losgenagelt, die Strophe und der Refrain strotzen aber nur so vor Atmosphäre. Hier sieht man auch, wie viel Augenmerk auf die Stimme und die Lyrics gelegt wurde. Alles schön verständlich und im Vergleich zu einer Großzahl der auf Deutsch werkenden Bands kein bisschen peinlich. Hier versinkt im Blastpart zwar die Snare ein wenig, aber wer will schon eine sterile Hochglanzproduktion in diesem Genre. Wobei: um welches Genre handelt es sich eigentlich? Im Chat mit dem Protagonisten konnten wir uns beim besten Willen auf keine Schublade einigen, in der "Der Teufel am Totenbett" sich am wohlsten fühlt. Zu unterschiedlich sind die Songs. Hier hat Jürgen Mayr sich augenscheinlich massiv Mühe gegeben.

Apropos "Der Teufel am Totenbett". Der Titeltrack kommt äußerst abwechslungsreich daher, will sich nicht auf einen Stil festlegen und kulminiert im Refrain, auf das man live die Fäuste dazu recken möchte und hoffentlich bald wird. Hier fällt erneut die Stimme auf, die zwar im Black Metal beheimatet ist, aber doch die unterschiedlichsten Emotionen zu transportieren in der Lage ist. 

"Dornenkönig" schlussendlich bringt dann das "Post Black Metal"-Banner in den Vordergrund. Ich gebe es gerne zu, ich mag das Genre, welches meinen Blick in die Fern schweifen lässt und alles zu Atmosphäre macht. Und ein bisschen Religionskritik ist nie schlecht.

Stakkatoartig geht "Die Taschen voller Steine" los und ist mit dreieinhalb Minuten der kürzeste Song auf "Der Teufel am Totenbett". Nicht unbedingt mein Favorit auf dem Album, mit merkwürdigen Soundeffekten im Hintergrund haut einem der Song textlich dennoch gscheit in die Fresse und zaubert das einzige Gitarrensolo des Albums hervor.

Mit "Wendigo" geht es erneut unberechenbar zu Ende. Unberechenbar heißt im Falle SENNTUS erneut eine Mischung aus allen dunklen Facetten, die uns die Musikwelt bietet. 

Das Album ist durchgehend stark, bis auf einen Song (siehe oben) sogar sehr stark. Schön, wie sich meine Faves immer wieder geändert haben. Das zeigt, dass das Werk Substanz hat und noch eine Weile den CD-Player nicht verlassen wird. Was hier der einzelne Musiker Jürgen Mayr zuwege gebracht hat ist beachtlich, davor muss man den Hut ziehen. Eine weitere Perle des heimischen Untergrunds den es auch hier zu supporten gilt.

Kontakt mit SENNTUS zum Erwerb des Albums unter senntusband@yahoo.com

 

 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (19.10.2021)

WERBUNG: Hard
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