REAPING ASMODEIA - Darkened Infinity

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VÖ: 15.10.2021
Bandinfo: REAPING ASMODEIA
Genre: Technical Death Metal
Label: Prosthetic Records
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Lineup  |  Trackliste

Der dritte Longplayer, der aus Minnesota stammenden Todesritter von REAPING ASMODEIA, „Darkened Infinity“, widmet sich einer Trinität, die keine Divinität benötigt: Leben, Tod, menschliche Existenz.

Apropos Trinität: Diese Band besteht aus drei Mannen Schlagzeug, Gitarre, Gesang, für eine Technical-Metal-Band eine ungewöhnliche Anordnung. Um das todesmetallische Spektrum abzudecken, sind zumindest ein Bass und eine weitere Gitarre von Nöten, dachte der unbedarfte Otto Nomalmetaller, nämlich meinereiner. Die Erweckung bzw. „False Awakening“ (Track 3) lehrt einen, dass ein Schlagzeuger und ein Gitarrist, die einander rhythmisch derart Pushen, als würden Dave Lombardo und Michael Hedges in einer Band wirken, keine Unterstützung diesbezüglich benötigen. Vor allem der adrette Herr hinter dem Schlagzeug, Daniel Koppy, prügelt auf seine Tierhäute in einer Komplexität, Präzision und Intensität ein, dass sich die Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio wohl erübrigt. Gitarre, Alexander Kelly, bzw. Gesang, Steven Lane, vervollständigen das Team, deren Arbeitsaufwand wohl ebenfalls ins Schwerarbeitergesetz reinfallen dürfte.
Kurzfassung: Rhythmisch zelebriert die Platte aus der Kategorie: This is Hardcore.



Nach dem Intermezzo „Lamentations“ wird nicht mal ein Intro angedeutet, nein, bei „Simulcra“ wird die Tierfellprügelattacke geradezu zelebriert. Was bei REAPING ASMODEIA auffällt, worum es explizit angemerkt wird: Der gediegene Technical-Metal-Gitarrist von Welt schnallt sich 2021 zusehends Gitarren um, die den Sieben-Saitern von Steve Vai eine weitere hinzufügt. Wir haben es hier also mit Multitasking im wahrsten Sinne des Wortes zu tun. Die grandiosen BEYOND CREATION setzten weiterhin auf die Trinität zwei Gitarren, ein Bass, wobei REPING ASMODEIA diesbezüglich auf eine Ein-Mann-Show setzt.

„Darkened Infinity“ weist drei Intermezzos auf, wobei mir nicht klar ist, welche Funktion diese erfüllen, denn sie bieten musikalisch, im Gegensatz zum Rest der Platte nichts, das mich hellhörig werden ließe. Sie fungieren im wahrsten Sinne des Wortes als Lückenfüller und das ist wohl das größte Manko dieser Platte, denn bei diversen Bands, etwa DVNE, fungieren die Zwischenspiele als eigenständige Nummern mit Potenzial bzw. als Verbindungsglieder, die das Werk zusammenhalten.

Mit Fortdauer der Trommelfellmalträtierung wird nicht nur das Hörvermögen strapaziert, nein, der Wunsch nach Vielfalt, nach Variation wird lauter. Der Duktus wird von Anfang bis zum Ende ohne Umwege verfolgt, die kürzeste Strecke zwischen Anfang- und Endpunkt ist immer noch eine Gerade. Das könnte der Band als Konsequenz ausgelegt werden, andererseits ist eine Gerade eine Determination, die keine Überraschungen zulässt. 

Die letzte Nummer „The Consequence Of Being“, lässt ein abschließendes Mal Salven aus einem Präzisionsgewehr auf Hörer*innen los, die mittlerweile wie geköpfte Schießbudenfiguren ihr Dasein fristen.

Fazit: REAPING ASMODEIA bieten rhythmische Raffinesse auf höchstem Niveau, das lässt allerdings dem Rest musikalischer Diversität wenig Spielraum. Was die nächste Langrille betrifft, wünschte ich mir mehr melodische Schnörkel, gesangliche Schlenker, differentes Songwriting.


 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (11.10.2021)

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