ALDA - A Distant Fire

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VÖ: 08.10.2021
Bandinfo: Alda
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: Eisenwald Tonschmiede
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Lineup  |  Trackliste

Herbst. Es duftet nach faulendem Laub, der Wind bläst störrisch seine kalte Melodie, der Regen prasselt beruhigend auf Geist und Boden ein, gelegentlich lächeln vereinzelte Sonnenstrahlen durch die licht gewordenen Äste und viele gefiederte Lebewesen beginnen ihre hoffnungsvolle Reise hin zu wärmeren Klimazonen. Was sich unbeschwert lesen mag, ist in Wahrheit ein Gefühl, das Musik intensivieren kann, aber im Falle von ALDAs neuem Werk "A Distant Fire" nur die Hälfte der Geschichte, nämlich den atmosphärischen Teil, erzählt. Lyrisch hingegen schabt das amerikanische Atavismus-Quartett eine unsichere, verhängnisvolle Zukunftsvision in die Hirnrinde des Zuhörers, was in Anbetracht sich häufender, großflächiger Waldbrände und vieler anderer Naturkatastrophen, insbesondere auch auf dem nordamerikanischen Kontinent, auf dem sich auch ihre Heimat Tacoma befindet, logisch erscheint.

Auch sechs Jahre nach dem großartigen "Passage" vermengen ALDA Folk, Black Metal und Post-Rock zu einer schlüssig-authentischen Melange; allerdings weicht dieses Mal die melancholische Lagerfeuerromantik, die sich immer wieder in zerbrechlichen Interludes äußerte, häufiger der düsteren, schroffen Grundstimmung. In den fantastischen Longtracks "Drawn Astray" und "A Distant Fire" gibt es diese fragilen Harmonien und Duette zwischen Stephanie Knittle und Michael Korchonnoff noch, doch insgesamt fühlen sich die knapp 51 Minuten Spielzeit auch dadurch, dass sich "Stonebreaker" und "Forlorn" stärker auf den charakteristischen Black Metal fokussieren, noch um einige Nuancen bedrückender als zuvor an, was von einem "Loo-Wit", in dem ein flammendes Inferno gesampelt wurde, zusätzlich unterstrichen wird.

Abgesehen davon kann man aber keine Unterschiede zwischen "A Distant Fire" und "Passage" erkennen, was das größtmögliche Lob ist, das man zollen kann. Der Sound ist immer noch schön erdig und organisch, ja, regelrecht naturbelassen. Das Artwork fügt sich wunderbar mit dem musikalischen Teil zusammen. Und das Songwriting besticht wie eh und je durch das einmalige Pacing, wie man bei Filmen so schön sagt, das die Spannung permanent beibehält. Da fällt kein Part ab, man möchte nicht skippen, sondern einfach wieder und wieder darin versinken. Während ich mit WOLVES IN THE THRONE ROOMs "Primordial Arcana" immer noch kleinere Schwierigkeiten habe, konnte ich mit "A Distant Fire" nach vier, fünf Durchgängen connecten. Wer Lust auf emotionalen Black Metal mit ureigener Note hat, kommt an ALDA nicht vorbei.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (06.10.2021)

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