1914 - Where Fear And Weapons Meet

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VÖ: 22.10.2021
Bandinfo: 1914
Genre: Black / Death Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Innerhalb ihrer Sparte zählen 1914 sicherlich zu den Aufsteigern der letzten Jahre - Marschbefehle zu den Frontlinien namhafter Festivals, der Sprung aus dem ukrainischen Untergrund zu einem handfesten Bündnis mit Napalm Records und die damit einhergehende internationale Promotion... all dies spricht dafür, dass die auf den Ersten Weltkrieg spezialisierte Historiker-Koalition zu den interessanten Acts ihrer Zunft gehören. Und auch "Where Fear And Weapons Meet", das dritte Album der Truppe, macht dem vorauseilenden Ruf des Quintetts alle Ehre.

Son, your country needs you...

Musik und Texte gehen Hand in Hand - und ich verspreche nicht zu viel, wenn ich behaupte, dass 1914 in puncto Eindringlichkeit und Intensität klar an der Speerspitze des internationalen Rankings rangieren - ähnlich wie ihre kanadischen Kollegen von PANZERFAUST. Soundtechnisch bis zu Perfektion austariert, walzen die Riffs von "Vimy Ridge (In Memory Of Filip Konowal)" und "Don't Tread On Me (Harlem Hellfighters)" über den Hörer hinweg wie ein Hagelsturm aus Schwarzpulver und Eisen. Der erste Song "FN .380 ACP#19074" bewegt sich von der Melodieführung her zwischen heroischer Epik, Kriegerpathos und einem Hauch von Verzweiflung im Angesicht der bevorstehenden globalen Katastrophe - was sowohl die innere Haltung der Hauptakteure reflektiert als auch im Kontext der im Text thematisierten Gedanken Gavrilo Princips ein schlüssiges Bild ergibt. Der in der Mitte platzierte Akustik-Track, für den sich 1914 Sasha Boole (u.a. Gitarre und Banjo bei ME AND THAT MAN) ausgeliehen haben, zäsiert das Album in zwei Teile und geht mit seinem tief emotionalen Schwergang unter die Haut wie ein unbenutztes Rasiermesser (Anspieltipp!).

Froschfressers get what they deserve, Franzacken auf Wiedersehen!

Hinzu kommen die akribisch recherchierten Inhalte und das hohe Maß an Authentizität, das durch die zahlreichen Samples, zeitgenössische Musik, etc. geschaffen wird - vgl. die standesgemäßen Intro- und Outrotracks "War In" und "War Out", die eingestreuten Kriegsgeräusche in "Vimy Ridge (In Memory Of Filip Konowal)" oder die Intropassagen von "Pillars Of Fire (The Battle Of Messines)" und "Corps D'Autos-Canons-Mitrailleuses (A.C.M)". All diese Details katapultieren den Hörer förmlich an den Ort des Geschehens. Die Texte sind wie bereits erwähnt detailliert, wohl recherchiert und wahren Distanz zu Ereignissen und Zeitgeist - und dennoch wagen sie sich durch die Formulierung in der Ich-Perspektive weit hinaus ins Niemandsland zwischen beschreibender Kunst und Kriegsglorifizierung. So könnten Zeilen wie "Now the Austro-Hungarian beast as hydra lost one of its heads / The accursed Imperialism wiped out from Serbians' land" ("FN .380 ACP#19074") oder "Mit Gott für König und Vaterland / We are going to grind you down / Froschfressers get what they deserve / Franzacken auf Wiedersehen" ("Mit Gott für König und Vaterland") leicht in ein falsches Licht gerückt werden, wenn man sie nicht im Kontext einer anschaulichen Beschreibung der damaligen Realität verstünde.

I didn’t raise my boy to be a soldier

Manchmal erscheint die Darstellung von 1914 ein stückweit gewagt, während an anderer Stelle die vielbeschriebene Distanz zur ideologischen Identität des Ersten Weltkriegs und seiner Akteure klar hervortritt - spätestens in den Zeilen von "...And A Cross Now Marks His Place" (dem Wortlaut "eines Originalbriefs vom Tod des Gefreiten A. G. Harrison") oder des Outrosongs "War Out". Das Konzept von 1914 ist wahrlich nicht neu, aber auf alle Fälle grandios umgesetzt. Insofern bleibt mir nicht mehr, als dieser herausstechenden Band einmal mehr ihren Status als Aufsteiger und Geheimtipp (wobei..."geheim" sind sie vermutlich nicht mehr) zu attestieren und "Where Fear And Weapons Meet" einen festen Platz in der Hitliste meines Jahresrückblicks einzuräumen.


I didn’t raise my boy to be a soldier,
I brought him up to be my pride and joy,

Who dares to put a musket on his shoulder,
To shoot some other mother’s darling boy?
Let nations arbitrate their future troubles,
It’s time to lay the sword and gun away,
There’d be no war today,
If mothers all would say,
I didn’t raise my boy to be a soldier.

Auszug aus "War Out"


Möchtet ihr mehr wissen? Dann schaut mal in unserer Interview-Sektion vorbei! Sänger Dmytro Kumar stand uns Rede und Antwort zu "Where Fear And Weapons Meet"!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (18.10.2021)

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