CRADLE OF FILTH - Existence Is Futile

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VÖ: 22.10.2021
Bandinfo: CRADLE OF FILTH
Genre: Symphonic Black Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Von CRADLE OF FILTH ist man es gewohnt, dass man nie länger als zwei bis drei Jahre warten muss, bis sie uns mit neuer Musik beehren. Dass zwischen "Cryptoriana - The Seductiveness Of Decay" und "Existence Is Futile" tatsächlich ganze vier Jahre liegen, wurde mir erst bewusst, als ich die Packungsbeilage zum neuen Dreher studierte und dabei daran erinnert wurde, dass die Kulttruppe um Dani Filth dieses Jahr ihren dreißigsten Bandgeburtstag feiert. Die bisher längste Verschnaufpause für den kreativen Geist und ein rundes Jubiläum - was mag uns da wohl Schönes aus Ipswich erwarten?

Wenn man den Worten von Dani Filth ("Sei wie das Virus! Mutiere und überlebe!") Glauben schenkt, haben CRADLE OF FILTH auf ihrem aktuellen Album experimentiert - schließlich ist jede Form von Existenz insofern sinnlos, dass ihr Ende ohnehin vorgezeichnet ist und man hieraus ableiten kann (nicht muss...), dass man im Prinzip alles tun darf, was man möchte (so auch ein Teil der lyrischen Ausrichtung der neuen Platte, die sich von der üblichen Schauermärchenerzählung distanziert). Von diesem Gedanken ausgehend dürfte man das wahrscheinlich ausgeflippteste und schockierendste CRADLE OF FILTH-Album aller Zeiten erwarten, doch weil Mr. Filth ebenso weiß, dass wirkliche Experimente in der Regel "total in die Hose" gehen, haben er und seine Truppe stattdessen einfach das CRADLE-OF-FILTHigste Album ihrer Karriere gemacht.

Denn soviel steht fest: die Sache mit dem Mutieren ergibt zumindest in den Ohren des Verfassers keinen wirklichen Sinn. CRADLE OF FILTH klingen auch nach drei Dekaden unverkennbar nach CRADLE OF FILTH und lassen sich nicht verbiegen - selbst, wenn sie offensiv in Experimentierlaune sind. Warum auch nach dreißig Jahren ernsthaft das Ruder rumreißen? Die Truppe hat einen Sound geschaffen, den keine andere Band auch nur im Ansatz kopieren kann, der jeden Lineupwechsel übersteht und für den ihnen überall auf der Welt (und wahrscheinlich auch außerhalb) Respekt gezollt wird. Insofern wirken die neuen Tracks so vertraut wie eh und je - wirklich große Überraschungen höre ich streng genommen nicht. Was allerdings auch feststeht ist, dass "Existence Is Futile" ein überraschend ausgereiftes und eingängiges Album mit viel Sinn fürs Detail geworden ist, das vor zukünftigen Livehits fast überquillt.

Ähnlich wie auf seinen beiden Vorgängern geht es auch auf dem neuen Langspieler ausgesprochen heiß her - wilde Raserei geht Hand in Hand mit cineastischer Orchestrierung, ein wahnwitziges Riff jagt das andere und alle Spielarten des extremen Sektors kommen in einer ausgeklügelten Heavy-Metal-Matrix gleichermaßen zur Geltung. Dani Filth und Co. zeigen sich einmal mehr in Bestform und verweisen alle Kritiker, Stänkerer und Nachahmer auf ihren Platz in der dritten oder vierten Reihe. Anspieltipps sind schwer auszumachen, weil die Platte wie ein einziges Donnerwetter durch die Gehörgänge prügelt und sich in seinen 57 Minuten keinen Patzer erlaubt. Vom urtypischen Symphonic-BM-Opener "Existential Terror" über das thrashige "Crawling King Chaos" bis hin zu aufreizenden Melodeath-Ausflügen in "Black Smoke Curling From The Lips Of War" bleiben auf "Existence Is Futile" und eisigen BM-Attacken in "Suffer Our Dominion" keine Wünsche offen.

Wenn nicht zwischendurch die ruhigen Interludes wären, könnte man vor so viel hochtourigen Spaß glatt außer Puste kommen - und das schreibe ich als jemand, der über lange Zeit Schwierigkeiten hatte, überhaupt einen Zugang zum CRADLE OF FILTHschen Kosmos zu finden. Den ersten großen Impuls in Richtung aufrichtiger Fanliebe machten die bombastischen Liveauftritte der Band aus und der zweite hört auf den Namen "Existence Is Futile". Wirklich anders ist die neue Scheibe nicht geworden, dafür aber so turbulent, pfiffig und unterhaltsam wie selten zuvor. Und sind wir mal ehrlich: wer sich was anderes von Dani Filth und Co. gewünscht hat, hat das Konzept nicht verstanden.


Noch nicht zwecklos genug? Dieses Review ist Teil eines gänzlich unsinnlosen Gangbang-Reviews, das ihr bald in unserem Gangbang-Darkroom finden könnt!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (18.10.2021)

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