UNTAMED LAND - Like Creatures Seeking Their Own Forms

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VÖ: 08.10.2021
Bandinfo: UNTAMED LAND
Genre: Epic Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Napalm Records haben wieder einmal spannende Soundwelten aufgetan, mit dem US-Projekt UNTAMED LAND, das sich der Folklore der unendlichen Weiten des wilden Westens verschrieben hat. Tatsächlich waten die Amis dann auf ihrem Zweitling „Like Creatures Seeking Their Own Forms“ auch knietief in Referenzen zu bekannten Western-Soundtracks, so kann man den ein oder anderen Seitenhieb auf Klassiker von ENNIO MORRICONE nicht negieren, aber durch die Verbindung mit epischen Schwarzmetall-Welten fügt sich das Gesamtkonzept zu einem schlüssigen, höchst eigenständigem Sound zusammen, zu dem man gerne in staubtrockener Wüste in den Sonnenuntergang reiten möchte.

Die epischen, ausladenden Titel erinnern häufig stilistisch an die heimischen Tolkien-Verehrer SUMMONING, beschreiten dabei jedoch gänzlich eigenständige, staubige Pfade. Bereits der stimmungsvolle Opener „Once Upon A Time In The Kenoma“ lässt den Hörer tief in die Wildwest-Romantik eintauchen und heizt die Erwartungen hinsichtlich der folgenden fünf Titel gewaltig an. Leider können die drei folgenden Brocken zwischen 10 und 15 Minuten trotz wirklich genial umgesetzter Atmosphäre das Versprechen des Openers nicht so ganz einhalten. Wiewohl die Songs trotz ihrer Länge gerade noch so die Kurve bekommen, die vorgetragenen Thematiken nicht bis in langatmige Bereiche auszudehnen, stellt sich gerade in den harscheren, deutlich schwarzmetallischen Passagen schnell Ernüchterung ein. Grundsätzlich ist der Wechsel zwischen atmosphärischen Teilen, mit teilweise sogar Banjo-Einlagen („Clothed In Smoke“) sowie wunderbar stimmigem Frauengesang, und elegisch-düsteren Gitarrenläufen mit solidem, angemessen garstigen Gegeifer sehr gelungen, doch wenn das Tempo anzieht und der zackige Blastbeat aus den Boxen donnert, dann schießt es den Hörer volley aus der einnehmenden Atmosphäre. In den pumpenden, atmosphärischen Passagen songdienlich und unauffällig, läuft der verwendete Drumcomputer in den harschen Teilen, die den aggressiven Druck der Riffs transportieren sollten, zu enervierendem, seelenlosen Geklapper auf, das für Freunde cineastischen Breitwandsounds nur schwer verdaulich ist. Das ist insofern schade, da UNTAMED LAND wirklich ein famoses, eigenständiges Konzept auf die Beine gestellt haben, das sich im besten Galopp aber selber ein Haxl stellt und die Songs damit so zerstückelt, dass man trotz der Stärken im Songwriting immer wieder kurz die Skip-Taste in Erwägung zieht.

Das klingt nun harscher als es ist, aber „Like Creatures Seeking Their Own Forms“ ist gerade, was die Atmosphärenbildung betrifft, ein wirklich grandioses Album, das sich aber durch Schwächen an ein paar neuralgischen Stellen unter Wert verkauft. Nichtsdestotrotz darf es, obwohl nicht perfekt, den Freunden episch-ausladender Kost ans Herz gelegt werden, sofern man gewillt ist, über die (noch) vorhandenen Mängel hinweg zu sehen. Vielleicht für das nächste Album einen Drummer aus Fleisch und Blut ins Studio setzen, dann hätten UNTAMED LAND das Potenzial, dass man sich in ihren wildromantischen Klängen vollkommen verlieren könnte...

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (21.10.2021)

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