U.D.O. - Game Over

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VÖ: 22.10.2021
Bandinfo: U.D.O.
Genre: Heavy Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Dachte man bei Ankündigung der „Game Over“-Tour von U.D.O. schon daran, dass es der German Tank nach dieser Runde sein lassen würde, mit der schier ewigen Bühnenpräsenz, so wurde man mit der Ankündigung eines Albums mit selbigem Titel dann doch eines Besseren belehrt. Ob man sich darüber nun freuen sollte, oder ob man doch eher geteilter Meinung sein darf, das wollen wir in den folgenden Zeilen beleuchten...

Es ist unbestritten, dass Udo Dirkschneider nicht nur im deutschsprachigen Raum eine verdiente, lebende Metal-Legende ist, die gefühlt ewig und unkaputtbar die Bühnen der Welt unsicher macht. Jedoch der Zahn der Zeit macht auch vor Stimmbändern aus Kruppstahl nicht halt, so war es schon auf der letzten Live-Veröffentlichung „Live in Bulgaria – Pandemic Survival Show“ augenscheinlich, dass die Stimme des German Tank schön langsam an ihre Grenzen zu stoßen beginnt, ist der Herr doch auch dem 60er längst entfleucht und geht hart auf das nächsthöhere Jubiläum zu. Ob nun „Game Over“ ein Omen ist, dass der German Tank nun doch in die Ruhestandsgarage rollt, ist weiterhin offen.

Fest steht, dass U.D.O. mit „Game Over“ einmal mehr Imagepflege betreiben und es keinerlei Überraschungen auf dem Album gibt. Von Songs im klassischen, flotten Teutonen-Stil wie der Opener „Fear Detector“ und der kantige Rausschmeißer „Metal Damnation“ über pathetische Hymnen à la „Metal Never Dies“ (mit einem Schäufelchen zuviel Pathos...) und galoppierende Headbanger wie „Prophecy“ bis hin zu groovenden Songs vom Format „Holy Invaders“, „Unbroken“ oder dem lästigen „Midnight Stranger“ fehlt eigentlich nichts, was man von einem hochklassigen Album der Deutschen erwartet. Ergänzt wird die Chose vom simplen, straighten aber höchst effektiven „Kids and Guns“, das ein wenig an AC/DC erinnert und dem zackigen, melodischen Powermetal-Song „Like A Beast“, das sich die Eingangssequenz aus einem Horrorfilm ausgeborgt hat („Scream“, wenn ich mich nicht täusche?).

Cool gelöst ist die Aufteilung der ganze 16 Songs starken Platte, indem nach der Hälfte der Tracklist erst einmal ein Bonussong eingeschoben wird, wo der Oldschool-Musikhörer die Oldschool-LP auf die B-Seite dreht. Leider ist die Ballade „Don't Wanna Say Goodbye“ (noch ein Hinweis auf eine bevorstehende Rente...?) höchst entbehrlich, ehrlich gesagt rollen sich beim Gesang des German Tanks leider selbsttätig die Fußnägel gen Decke. Die B-Seite (wenn man so sagen will) spielt dasselbe Spiel und serviert mit „Speed Seeker“ und „Time Control“ ebenfalls zwei Bonustitel, die jedoch auch eher das Prädikat „Füllmaterial“ verdienen und keine großen Akzente setzen können.

Leider macht sich der zuletzt schon zu bemerkende stimmliche Abbau nun auch bei einigen Songs auf „Game Over“ erkenntlich – so bleibt das ansonsten wie Sau rockende „I See Red“ ein wenig hinter den Erwartungen zurück und auch dem recht kernigen „Marching Tank“ fehlt ein wenig der Druck hinter der Stimme. Dazu gesellen sich noch ein paar durchschnittliche Titel wie „Thunder Road“, sodass man unter Strich dem neuen Wurf von U.D.O ein wenig zwiegespalten gegenübersteht. Ein Gutteil des Albums entfällt auf gutklassige Fanbedienung, das Füllmaterial und die unsägliche Ballade hätte man sich aber schenken können und die solcherart gestraffte Titelliste hätte wahrscheinlich unterm Strich mehr Durchschlagskraft gehabt. „Game Over“ ist bei U.D.O. wie es aussieht noch lange nicht, aber ein paar Abnützungserscheinungen zeigen sich schon...

 

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (23.10.2021)

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