FIRST FRAGMENT - Gloire Éternelle

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VÖ: 29.10.2021
Bandinfo: FIRST FRAGMENT
Genre: Technical Death Metal
Label: Unique Leader Records
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Lineup  |  Trackliste

Die unendlichen Weiten Kanadas beherbergen beängstigend viele Bands, die wuchtig in die Kerbe des Technical Death Metal schlagen, der Wald ist vor lauter Bäumen kaum zu sehen. Die seit 2008 bolzenden, holzenden FIRST FRAGMENT aus Quebec bringen nun ihren erst zweiten Langspieler in Position.

„Glorie Éternelle“ startet mit einem sehr schönen zweidreiviertelminütigen Intro, das mich zu Beginn an PSYCROPTIC erinnerte, dann aber auf wundersame Weise abdriftete, und zwar in Richtung (Pseudo-)Flamenco, Paco De Lucia meets Technical Death Metal. Der Heavy-Teil fällt astrein aus, wobei zwei Besonderheiten anzumerken sind: Rhythmisch wird der Duktus mehrmals gebrochen und der Bass ist hier kein Instrument, das im Hintergrund verweilt, um das Gebinde zu tragen, sondern gleichwertig bis vordergründig zu reüssieren vermag.

Während „Solus“ eröffnet, tritt der Bass endgültig in den Vordergrund, wobei der Rest der Band technisch auf sehr hohem Niveau ihre Unterstützung zusichert. Einzig der Gesang, bricht die Tradition altbewährten Death Metals nicht, was jedoch im Jahre 2021 eher der Ausnahme als der Regel entspricht.

La Veuvre & Le Matyr“, nimmt abermals ein an Flamenco erinnerndes Intro, und wieder ist es der Bass, der die Ablösung einläutet. Bleibt die Frage, wie diese Jungs aus Quebec Bezüge zu einer Musikrichtung begründen, die sich im Zuge der arabischen Expansion aus einer Hybridisierung arabischer bzw. iberischer Traditionen entwickelte. Der Metal-Teil ist wiederum technisch sehr anspruchsvoll, wobei ich mir manchmal weniger Noten in kürzester Zeit gewünscht hätte, sondern eine ausgereiftere Melodieführung.

Pantheum“: In Quebec nichts Neues. Technisch äußerst anspruchsvoll, zeigt FIRST FRAGMENT ihren Hörer*innen, wo der Bartl den Most herholt. Das eine oder andere Break, eine Bridge, eine Verschnaufpause, all das hätte Hörer*innen gechillt in ihren Ohrensesseln versinken lassen, so klingt es bisweilen anstrengend.

 



De Chair & De Haine“ bieten 9:23 Minuten Hochgeschwindigkeits-Metal, wobei der Übergang zum Outro bzw. dasselbige durchaus elaborierter sein hätte können. 

Sonata En Mi Mineur“: Eine instrumentale Nummer, welche knapp sechs Minuten umfasst und deren Ausformung zwischen Klassik, flamencoartigen Einsprengsel und Metal gut gelungen ist.

Ataraxie“ bezeichnet eine philosophische Strömung der Griechen, die Gelassenheit gegenüber Schicksalsschlägen als Ideal annimmt, um mit den Tücken des Lebens klar zu kommen. Ohne Entspannung und absoluter Konzentration ist diese Nummer wohl live nicht rüberzubringen, so technisch anspruchsvoll, wie sie aufgestellt ist. 

Soif Brulante“: Ruhigere Gefilde werden umschifft. Seltsamerweise wird diese Verschnaufpause nicht genutzt, um Melodie bzw. Song-Writing zu entwickeln und als der Gesang ab knapp Minute drei einsetzt, befinden wir uns wieder auf rauer See, wobei der Schlagzeuger die Snare ohne Ende malträtiert.

In`el“: Okay, ich nehme alles zurück. Dieses Lied breitet auf 19:25 Minuten einen ausgewogenen Klangteppich aus, samt Endlos-Intro (Klavier, Gitarre), guten Bass-Läufen, das Gitarren-Spiel, ditto, aber für meinen Geschmack, passt die Dosierung nicht während der gesamten Nummer. Kurzfassung: zu viele Noten. Ab knapp Minute sechs determinieren Gesang und Schlagzeug dieselbe Malaise wie gehabt.

Mort Éphémère“ Das Postludium geht in Ordnung. Es wird von akustischen Gitarren determiniert, ich erlaube mir hier wieder einen kleinen Kritikpunkt ins Feld zu führen. Auf die Melodieführung hätte etwas mehr Augenmerk gelegt werden können.

Fazit: Ähnlich wie OPHIDIAN I würde ich der Band empfehlen, trotz technischer Brillanz, das Song-Writing in den Vordergrund zu rücken. Die gesangliche Ausformung als reine Death-Metal-Darbietung zu unterbreiten, kann man machen, jedoch würde ich hier ebenfalls eine größere Bandbreite empfehlen. Der Mann hinter dem Bass, Dominic Lapointe, bedient seine Fretless-Axt mit dem richtigen Gestaltungswillen, ähnliches gilt für die Gitarristen, Phil Tougas bzw. Nick Miller, wenngleich hier die Dosierung etwas differenzierter ausfallen hätte können. Gutes Album, zur Meisterschaft reicht es, jedenfalls was die Instrumenten-Beherrschung betrifft, beim Rest geht noch was.
 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (28.10.2021)

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