EXXPERIOR - Escalating Conflicts

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VÖ: 17.09.2021
Bandinfo: EXXPERIOR
Genre: Thrash Metal
Label: Iron Shield Records
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Lineup  |  Trackliste

Gute Güte, EXXPERIORs Neue verlangt mehr als einen ruhigen Sonntagnachmittag um auch nur annähernd dahinter zu kommen, worum es geht. Und damit meine ich nicht einmal das lyrische Konzept, welches sich mir noch immer nicht wirklich erschließt, nein, auch der musikalische Vortrag erinnert an Rockopern längst vergangener Tage oder an einige Veröffentlichungen aus dem Hause Progressive Promotion Records in den frühen 10-er Jahren. Im hier vorherrschenden Thrashbereich ist mir ein solch ausuferndes Konzeptwerk nicht bekannt.

Noch dazu hat die Metall-Allzweckwaffe Tom Liebing bis auf den Gesang mit ein paar illustren Gästen alles selber eingemeißelt. Selbst die programmierten Drums klingen, also ob hier ein veritabler Drummer sein Können ausgespielt hätte. Manche Leute sind wirklich mit überbordendem Talent gesegnet.

Mittlerweile hat der nicht ganz so kleine Schreiber bei Tom Liebing ein wenig zum Thema Lyrics nachgefragt. Der Protagonist trifft in jedem Song auf ein anderes Thema (teilweise durch den Antagonisten natürlich verdeutlicht - Meinungen treffen aufeinander). Es geht um zeitlose Thema, die bewusst nicht linear aneinandergereiht wurden. Jedermann kann sich die Geschichte, bzw. das Gesamtbild selber zusammenbauen. Deshalb auch die fiktiven Figuren: "Ist ja kein Film. Sondern Musik im Sinne von Kunst. Was liest du daraus" Was macht es mit dir" Wie interpretierst du es? Findest Du dich wieder?"  Es sollte also kein Konzept wie so viele sein. Dennoch gibt es mit Falk und Jaxx eine Art roten Faden.

Musikalisch geht hier einiges. Progressive Thrash Metal mit einem DEVIN TOWNSEND-Einschlag, vor allem stimmlich. Und man ist hier songtechnisch all over the place. Thrash meets Power Metal, meets 8-bit, meets Jazz, meets Frank Zappa. Sogar gerappt wird auf "Escalating Conflicts". Und dem guten Schmier wird gerne mit hohen Shrieks gehuldigt.

Das hört sich ein wenig anstrengend an und das ist es auch. Wobei man hier anstrengend gerne mit fordernd umschreiben kann. In Zeiten, in denen die Aufmerksamkeitsspanne auf Twitterlänge geschrumpft ist, braucht es Zeit, um sich dem Album adäquat nähern zu können.

Ich habe das Album in den letzten Wochen einige Male durchgehört und ihr seht mich noch immer etwas ratlos. Der Ansatz eines Konzeptalbums wird hier voll ausgeschöpft. Nicht nur in den Texten, auch musikalisch hängt hier alles zusammen. Beinahe erzählende Vocals treiben die sehr oft sehr harten Songs voran. Thrash-Riffs toben auf den gnadenlos gut programmierten Drums. "The Agnostic Jam" wird vom Thrasher zu einer Revue-Nummer und dann zu einer Art Gospel. Brecher wie "Multidimensional Mindblow" wechseln sich mit melodischerem Material wie "Masks Of Men" ab, TOWNSEND-artige Songs mit völligem Irrsinn wie "The Ethical Meaning Of Succes" in dem der avantgardistische Ansatz des Albums noch einmal in Überlänge zusammengefasst wird.

Das Album benötigt definitiv Zeit. Es passiert soviel dass es unmöglich ist, sich den Dreher kurz in die Autoanlage zu werfen. Die Texte und die beinahe opernhafte musikalische Ausführung haben hier etwas geschafft, was so schon lange nicht mehr im Metal zu sehen und hören war.

Auf jeden Fall ein Ohr riskieren! Aber Obacht, wir sind hier weit von Konsumentenmusik der Jetztzeit entfernt.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (20.11.2021)

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