ANOMALIE - Tranceformation

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VÖ: 05.11.2021
Bandinfo: ANOMALIE
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: AOP Records
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Lineup  |  Trackliste

Dass das Soloprojekt von Christian „Marrok“ Brauch nun auch schon wieder zehn Jahre auf dem Buckel hat, ist kaum zu glauben. Wo ist eigentlich die Zeit hin? In der angesprochenen Zeitspanne veröffentlichte das Fast-ein-Mann-Projekt ANOMALIE drei Longplayer und eine EP und durchlief währenddessen eine Metamorphose vom ursprünglichen Post Black Metal, hin zu deutlichen Einschlägen aus okkulten Strömungen und Neofolk. Diese Transformation hin zu einem rituelleren (es wird hier bewusst das Wort „erwachsener“ vermieden) Klang unterstreicht der Albumtitel des vierten Full-Lengths „Tranceformation“ mit seinem unterbewussten Statement.

Passend zu dieser musikalischen Entwicklung setzen ANOMALIE auf ihrem neuen Output vermehrt auf Cleangesang, was man auch schon in Teilen auf der letzten Veröffentlichung, der EP „Integra“, beobachten konnte. Doch nun rückt der Sound noch ein Stück weiter in beruhigtere Gefilde, teils sogar mit ganz sachtem Doom-Einschlag á la OUR SURVIVAL DEPENDS ON US, die im Promozettel angeführten Vergleiche mit HEILUNG und WARDRUNA sind dann allerdings doch zu hoch gegriffen. Die inhaltlichen Überschneidungen finden sich hauptsächlich in der zur Schau gestellten Naturverbundenheit, sowie in den pumpenden, bisweilen prominent eingesetzten schamanischen Drums, die das Gefüge der atmosphärischen, im melodisch-atmosphärischen Schwarzmetall verankerten Gitarren aufbrechen. Dazu bedient man sich oft mehrstimmigen Klargesangs und sogar bis in psychedelische Bereiche vorstoßende Gitarrenklänge, wie zB in „Trance II: Relics“ (mit Gast-Vocalist Nornagest von ENTHRONED) und ergänzt die Stilmittel durch mantraartige Refrains wie in „Trance III: Alive“. Aber es gibt trotz allem Folk-Einschlag auch noch die deutlich kratzigeren Titel, zu denen das atmosphärisch sehr stimmungsvolle „Trance V: Cerulean Sun“ gehört, für das man sich Sakis Tolis (ROTTING CHRIST) mit ins Boot geholt hat.

Unterm Strich macht es die deutlich intuitivere Herangehensweise an das Songwriting für den Hörer etwas schwerer, die Message und das Feeling von „Tranceformation“ zu erfassen und zu verinnerlichen. Nach den stringenteren, zum Träumen und die Gedanken treiben lassen anregenden früheren Werken, macht es das deutlich intellektueller gebürstete Material der „neuen“ ANOMALIE ungleich schwerer zu verarbeiten, zumal die magischen Klangwelten der angeführten Neofolk-Größen mit „Tranceformation“ bei weitem nicht erreicht werden. Der Schritt in Richtung musikalischer Eigenständigkeit, einer akkuraten Verbindung aus atmosphärischem Schwarzmetall und Neofolk ist noch nicht gänzlich vollzogen, aber die Richtung stimmt.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (04.11.2021)

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