BONDED - Into Blackness

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VÖ: 12.11.2021
Bandinfo: BONDED
Genre: Thrash Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

"Brutale Zeiten verlangen brutale Musik" - mit diesen Worten eröffnen BONDED die Vorstellung ihres Zweitwerks "Into Blackness". Was für den Künstler Allgemeingültigkeit besitzt, kann man auch den Ruhrpott-Thrashern nicht weiter verübeln, denn immerhin hatte die 2018 aus der Teufe gehobene Band bis dato kaum die Gelegenheit, ihren ersten Dreher "Rest In Violence" gebührend zu präsentieren. Anfang 2020 auf Platte debütiert, manövrierte die neu formierte Truppe schnurstracks in ein monatelanges Pandemie-Koma, das bis heute nicht vollständig überwunden wurde. Was also tun, wenn man nicht vor Publikum spielen kann? Richtig - einfach noch mehr Thrash einprügeln und nach der Zwangspause mit mehr Stoff im Gepäck zurückschlagen!

Und weil die Umstände wie schon angesprochen von widriger Natur waren, klingt das Resultat eine deutliche Ecke angefressener. "Into Blackness" deutet nicht nur Düsternis und Verdammnis an, es meißelt sie förmlich Note um Note in des Hörers Trommelfell. Denn während der Introtrack "The Arsonist" noch eine geradlinige Fortsetzung der melodisch-modernen Duftnoten des Vorgängers anzudeuten scheint, lässt "Watch (While The World Burns)" im direkten Kontrast dazu den Knüppel rotieren, als schrieben wir wieder 1982 und schnupperten das laue Vorlüftchen einer musikalischen Revolution, die den Grundstein für den kompletten Extreme Metal legen sollte. Man könnte meinen, der angestaute Unmut des Corona-Zeitalters würde alleine in diesem vierminütigen Hagelsturm entladen...man beachte hierbei auch die passenden Textzeilen wie "seems there's no limit in stupidity, a “tin-foil-headed” covidiocracy". Blödheit kennt bekanntlich keine Grenzen - und weil dieser Tage reichlich davon offen zur Schau gestellt wird, kann man als denkender Mensch eigentlich nur noch...wütende Songs schreiben.

Und so wie der erste reguläre Track des Albums ungehemmt die Balken brechen lässt, geht es fast über die volle Distanz ohne Ausnahmen und Werbeunterbrechungen weiter. Neben der erwähnten Kurskorrektur in Richtung rauerer Sitten erwarten einen bis auf kleinere Gesangs-Experimente ("Watch (While The World Burns)", "Destroy The Things I Love", "The Eyes Of Madness") keine allzu großen Überraschungen. Einzig das schleppende "Destroy The Things I Love" bügelt sich wie ein alter Schweröltanker in Konkurrenz um die langsamste Atlantiküberquerung durch die Lande - fetter Hinhörer! Die meinerseits sehr geschätzten und für die Catchiness des Erstwerks verantwortlichen Trademarks werden im Umkehrschluss entsprechend sparsam von der Leine gelassen (z.B. in "The Holy Whore", "Into The Blackness Of A Wartime Night" oder "The Eyes Of Madness"), was ich aber aus Gründen künstlerischer Freiheit nicht weiter als Wertungskriterium anführen möchte.

Dennoch muss ich zugegeben, dass die neue BONDED ihre Zeit brauchte, bis ich wirklich damit warmgeworden bin. Auf den ersten Hörer wirkte mir die Platte zunächst etwas stumpf und generisch, aber am Ende ist es wie so oft eine Frage der Erwartungshaltung. Wer ein modernes, vielseitiges und dezent aus der Reihe tanzendes Werk sucht, sollte lieber zu "Rest In Violence" greifen, wer aber mal wieder so richtig derbe nach Achtziger-Jahre-Manier die Schädeldecke poliert bekommen möchte, wird mit "Into Blackness" bestens bedient. Oder anders formuliert: ist sie zu stark, bist du zu schwach!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (08.11.2021)

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