GAAHLS WYRD - The Humming Mountain

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VÖ: 05.11.2021
Bandinfo: GAAHLS WYRD
Genre: Extreme Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Haftungsausschluss: der nachfolgende Dialog ist frei erfunden. Beim Verfassen dieses Artikels wurden weder Tiere noch Redakteure, Künstler oder deren promotionsrechtliche Vertreter gequält. Sein Inhalt begründet weder Schadenersatzforderungen noch posthume Aufwertungen vergangener Rezensionen.


Der Mediator darf Sie zu unserem heutigen Täter-Opfer-Ausgleich begrüßen. Im folgenden Dialog geht es um die verbale Verunglimpfung des Erstwerks der GAAHLS WYRD Inc., vertreten durch den vor diesem Tribunal erschienenen Kristian E., durch die Stormbringer Kritikhandels-KG, vertreten durch den Rezensenten und Promotionslogistiker Lord S., den Urheber der für den Disput ursächlichen Abhandlung über "GastiR - Ghosts Invited".

Herr. E., bitte schildern Sie den Vorfall aus Ihrer Sicht und lassen Sie keine (auch keine intimen) Details aus!

Kristian E.: zunächst einmal darf ich betonen, dass ich seine Erhabenheit, den Almighty Lord of Dummschwätz, in keinster Weise mit meiner Produktpräsentation langweilen wollte! Aber die hierauf erfolgte Kritik des Lord S. war für mein Unternehmen und mich wie ein Tritt in die Kronjuwelen. Sie müssen wissen, nachdem mich mein alter Arbeitgeber, die GORGOROTH GmbH, aus - wie ich finde - nichtigen Gründen des Fließbands verwiesen hatte, stand ich mit leeren Händen da und musste mich neu orientieren. Mit der Gründung der GAAHLS WYRD Inc. wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit und fasste neuen Mut. Das Geschäft florierte und ich konnte mich endlich von Thomas König von Höllen und Deibelsheimer, dem eigentlichen Drahtzieher der GORGOROTH-Affäre, unabhängig machen. Und dann kam diese vernichtende Kritik, die sich gerade in der Startphase eines neuen Unternehmens als äußerst geschäftsschädigend erweisen kann. Dass ich nach dieser Erfahrung nicht ins Schlagergewerbe übergesiedelt bin, war allein meiner moralischen Standfestigkeit zu verdanken.

Lord S., wie beziehen Sie zum Vorfall Stellung?

Lord. S.: auch ich muss mit der gebotenen Demut und Reue im Hinblick auf meinen rauen Ton bei der Besprechung von GAAHLS WYRDs Erstwerk eröffnen. Ich wollte den Ineffable God of Slow Motion mit meinen Worten nicht über Gebühr in Ungnade fallen lassen und schon gar nicht seine wohlverdienten Absatzzahlen schmälern. Ich hatte da anscheinend...wie sagt man noch so schön...einen dieser "Manic Mondays". Was ich da vom Stapel gelassen hatte, tat mir schon bei der Livepromotion des Materials im Rahmen der Summer Breeze Leistungsschau 2019 aufrichtig leid.

Wie ich sehe, haben Sie beide es geschafft, den Vorfall zu reflektieren und sich in die Lage des jeweils anderen hineinzuversetzen. Das ist ein erster Schritt zur Konfliktbewältigung. Sehen die Herren überdies die Möglichkeit zur Aussöhnung?

Lord S.: durchaus! Ich meine..."GastiR - Ghosts Invited" tat es mir insoweit schwer, dass es ihm an Biss und Intensität fehlte und ich in meinem jugendlichen Leichtsinn vorschnell das Prädikat "langweilig" vergab. Aber das nun folgende Kurzwerk "The Humming Mountain" hat mich überzeugt. Zwar stellt auch der Einstieg mit "The Seed" meine Geduld auf eine harte Probe - immerhin kommt der Maestro erst nach geschlagenen fünf Minuten aus dem Quark und spannt dann abermals…aber…so viel muss ich ihm zugestehen, verfehlt er dabei niemals seine Wirkung und weiß mit Atmosphäre und Klargesang zu hypnotisieren.

Und wenn im Anschluss erst "The Humming Mountain" losbricht - mein lieber Herr Gesangsverein, endlich mal ein Stück von diesem nebulösen Shamanic-Avantgarde-Black-Metal, den man vor der Bühne so formidabel inhalieren durfte. Und "The Dwell" bringt mich sogar regelrecht ins Schwärmen: hier liefert die GAAHLS WYRD Inc. einen thrashigen Einstieg mit bedächtigem Abgang, der sich im weiteren Verlauf sowohl mit den großen BORKNAGAR als auch mit INQUISITION ins Bett legt. Geht’s denn noch geiler? Nun ja, zumindest nicht heute, denn "Awakening Remains - Before Leaving" kehrt kurz "before leaving" wieder mit klirrender Kälte und feinen EMPEROR-Reminiszenzen zur Basis zurück und "The Sleep" lässt den Dreher so ausklingen, wie er zuvor mit "The Seed" eingeläutet wurde.

Aber wollen wir mal nicht zu viel verlangen - "The Humming Mountain" ist wie schon angesprochen ein Kurzwerk und dafür mit dreißig Zeiteinheiten auskömmlich bemessen. Da kann ich dem Ineffable God of Slow Motion nur demütig die Hand zum Gruße reichen und auf eine vorsichtige Annäherung in Richtung einer normalen Geschäftsbeziehung hoffen.

Kristian E.: aber gewiss, verehrter Lord of Dummschwätz! Ich schätze eure Aufrichtigkeit und Reue und bin erfreut, dass unser aktuelles Produkt euren empfindlichen Geschmacksknospen schmeicheln konnte. Rückblickend war die ganze Sache ohnehin nur halb so wild. Eure niederschmetternde Kritik wurde sowieso von kaum jemandem gelesen und konnte damit unser Betriebsergebnis lediglich hinter den Nachkommastellen tangieren. Und dies wiederum führte lediglich dazu, dass die Stripperkolonne auf unserer letzten Weihnachtsfeier nicht mehr frisch geduscht auf's Parkett treten konnte, weil für die hierfür zu entrichtende Gebühr das nötige Kleingeld fehlte. Aber sind wir mal ehrlich - wer zu diesem Tagesordnungspunkt noch riechen kann, wird sowieso am nächsten Tag abgemahnt...so what?

Na, wenn das mal kein gelungener Täter-Opfer-Ausgleich war - meinen Glückwunsch! Es mögen sich die Herren nun zum Abschluss und als Zeichen der Aussöhnung die Hand schütteln und von der Nutzung von Elektroschockern, Stacheldraht und dergleichen absehen. Ferner sind unangekündigte Beimengungen von KO-Tropfen, Rizinusöl, Bärenurin und anderen Fremdsubstanzen im Festbier des Gegenüber zu unterlassen, sollte es zu einem gemeinsamen Konsum desselben kommen. Gehet hin in Frieden!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (03.11.2021)

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