BAD BUTLER - Badtime Stories

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VÖ: 05.11.2021
Bandinfo: BAD BUTLER
Genre: Metal
Label: ACFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Während "Badtime Stories" von BAD BUTLER gerade in mehrmaligen Umdrehungen aus den Boxen meines Vertrauens schallt, fällt es mir manchmal schwer, zwei Dinge zusammen zu bringen. Erstens: Die Herr- und Damschaften aus dem Saarland (jaha, hier steht ein fähiges Mädel an den tiefen Saiten) klingen und schallen, als würden sie seit 30 Jahren nichts anderes machen als die Bühnen der Welt zu rocken. Und zweitens: "Badtime Stories" ist erst ihr Zweitling! Wie kann es sein, dass solch eine Lässigkeit und solch rockige Feierlaune in so jugendlicher Bandgeschichte zementiert ist? Wie auch immer die das geschafft haben, es macht Bock - und das schon zum zweiten Mal! Wo schon das Debut "Not Bad At All" ordentlich Furchen hinterlassen hat, schießt das ausgelegte Saatgut nun auf "Badtime Stories" ziemlich selbstsicher aus dem Boden.

Von BAD BUTLER kredenzt bekommt der musikalische Gast zehn Tracks in knusprigem Hookmantel, garniert mit eingängig-lockeren Melodien, die mit Leichtigkeit und ohne aufgesetzt und erzwungen zu wirken, einen angenehmen Hauch gediegener Altmeister mit sich bringen. Allerdings: Wo auf dem Erstlingswerk noch in einigen Passagen Spuren ehrwürdiger Idole und Vorbilder unmissverständlich ihre Fußabdrücke hinterlassen haben, haben BAD BUTLER nun vollständig ihren eigenen Sound gefunden und etabliert, stellen sich gleichzeitig aber in den vordersten Reihen von Genre-Kumpanen/Kumpaninnen/Kumpanessen auf. Zusätzlich gespickt mit einigem Groove, treibendem, aber dennoch nicht speedigem Rhythmus und über allem ein unmissverständlicher Könner an den Stimmbändern... Voilá, man lasse sich munden das Hauptgericht! Abstriche in der B-Note? Nope! An die gesamte Produktion vom ersten Ton bis zum finalen Produkt hat man definitiv keine Amateure gelassen. 

Will man das Werk bis ins Detail sezieren, wird man alsbald erkennen, dass BAD BUTLER keine Geheimnisse haben und ihren Sound direkt und straight forward offen legen. Gestartet wird direkt und mit einer leicht räudigen Note und punktierter Rhythmik (was meinereiner sehr zu gefallen versteht). Ohrwurm inklusive! "Ballad Of Flesh $ Blood" ist schon einmal eine Ansage und ein Versprechen für das restliche Album! Schwere, stampfende Tracks folgen mit eingängigen Refrain ("Black Church") oder mit mitgeliefertem Mitsing-Chant, bei welchem fast der Hauch einer Hymne mitschwingt ("Lost & Hopeless"). "Hornz Up" gast dann wieder an und lehnt sich nicht nur gehörig an sämtliche musikalischen Rock-Allüren, sondern auch an die Feierlaune, die so ungefähr jeder von uns schmerzlich vermisst. Schweres Kopfnicken wird unweigerlich bei "Serious Business" initiiert, während der Song Superkleber-Attitüde hat - das geht nicht mehr weg! 

Einen etwas aggressiveren, bedrohlicheren Grundtenor bringt "The Others" mit sich, was dem Antrieb der Scheibe neuen Schwung gibt und gleichzeitig die Grundstimmung ein wenig heavier, dunkler macht. "Shattered Dreams" rockt dann recht geradlinig durch, durchaus gut gebaut, aber der wohl am "unspektakulärsten" durchgepaukte Song der Scheibe. Doch kaum zu Atem gekommen, prügelt sich "Expect No Mercy" mit dem Namen als Programm durch folgende fünf Minuten - Tempowechsel von prügelnd zu stampfend inklusive. "The Stand" haut dann wieder geradliniger, aber gleichzeitig packender zu Buche. Coole Melodien im Aufbau, eine Portion Aggression im Chorus und klebrige Hooks - läuft! Wenn wir da nicht schon beim Rausschmeißer wären, der erst einmal mit ein wenig Rock´n´Roll und coolen fast schon country-lastigen Gitarrenlinien antanzt, ehe man pfiffig-fröhlich und obligatem Feier-Mitmach-Chorus mit "Raise Your Flag" aus der Scheibe geleitet wird. Und in den wenigen Sekunden Stille nach dem letzten Ton mit einem Ohrwurm zurück gelassen wird, bis die nächste Umdrehung von "Bedtime Stories" durchstartet. 

Puh, so lange wollte ich nun gar nicht über die Scheibe schreiben, aber es kam so über mich. BAD BUTLER haben mit dem Zweitling ordentlich überzeugt. Die Mischung aus einfach coolem Sound, der gut abgeht, aber niemals hektisch oder erzwungen wirkt, der Dichte an Ohrwürmern und den kaum vorhandenen "Strecken" auf der Scheibe, wenn ein Song nicht ganz so zündet (und doch gut unterhält) - und nicht zuletzt die Qualität der Musiker, die jeder einzelne für sich, im Zusammenspiel ordentlich draufhauen! Meinereiner ist sehr zufrieden. Und freut sich schon auf Live-Action. Wie gut, dass das Saarland und Umland in halbwegs erreichbarer Nähe ist. Und sonst: Wie wärs eigentlich mal mit den großen Festival-Bühnen? Das Zeug dazu liegt offensichtlich vor! 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (07.11.2021)

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