PILLARS OF CACOPHONY - Parerga

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VÖ: 20.08.2021
Bandinfo: PILLARS OF CACOPHONY
Genre: Extreme Metal
Label: Teratogen
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Lineup  |  Trackliste

Habt ihr euch schon einmal gefragt, was molekularbiologischer Death Metal ist? Nein? Dann lasst euch das einfach von Dominik Bulfons (SEDUCED) Projekt PILLARS OF CACOPHONY mit Gitarre, Gebrüll und Blastbeats erklären. Dieser vermengt nämlich nicht nur eine breite Range an Stilistiken des Extreme Metals zu einem garstigen Monolith von Album, sondern gibt im Vorbeigehen auch noch Nachhilfe in unter anderem pathophysiologischen Prozessen. Anstatt sich also über die 'üblichen', den extremen Metal-Strömungen sehr verbundenen okkulten Themen auszulassen, bietet PILLARS OF CACOPHONY Bildung statt Aberglauben. Und das tut wirklich gut.

Weniger gut tut dann die Musik auf dem vorliegenden Debüt „Parerga“, die dermaßen heftig und unkonventionell ins Gemächt tritt, dass es einem nicht nur kurzfristig die Ganglien zu einem gordischen Knoten verstrickt. Dominik hat die Endlos-Lockdowns des vergangenen Seuchenjahres genutzt, um in Eigenregie (unterstützt von seinen SEDUCED-Kollegen Georg an Clean Vocals und Craig an Mix und Mastering) ein Trümmerwerk auf die Beine zu stellen, das einem die Noten wortwörtlich vor die Füße kotzt. Dissonante Sounds treffen auf herrlich abartiges Gegurgel nur noch entfernt menschlichen Ursprungs und die bewusste Entscheidung gegen stringente Songstrukturen und einen stilistischen roten Faden macht das Album zu einem schwer konsumierbaren Brocken an garstigen Tönen, die einen abwechselnd mit fast doomiger Schwere zu Boden schmettern und dann wieder in blindwütiger Blastbeat-Wut nach vorne prügeln. Das experimentelle Gebräu spielt in einer Kaskade des Wahnsinns auf der stilistischen Klaviatur von Death-Doom bis hin zu aggressivem Schwarzmetall und bricht die Genregrenzen mit Industrial-Elementen (nicht nur im von Dr. Winters - über dessen Label Teratogen die Scheibe auch erschien - Violență Domestică beigesteuerten Opener „Prometheus“ zu erkennen) und beunruhigenden Clean Vocals wie in „Occam's Razor“ mit brachialer Gewalt auf. Egal ob dabei rasende, stark von Black Metal beeinflusste Songs wie „Necrosis“ oder „Diffraction“ herauskommen, dem Hörer ein garstiger, schleppender Brocken an purem Hass vorgeworfen wird („Desmotes“) oder in einem einzigen Song die komplette Klaviatur der stilistischen Bandbreite durchgeackert wird (das ausladende „Bias“ zerfetzt so manchen Lauschlappen), PILLARS OF CACOPHONY lässt niemanden kalt.

Der rohe, richtig brachiale DIY-Sound transportiert die dissonanten, oft sogar experimentellen Klänge von „Parerga“ authentisch und ansprechend und die thematische Ausrichtung, die höhere Bildung mittels garstigen Gegeifers vermittelt, macht das Album zu einer höchst eigenständigen Sache, der man unbedingt einmal ein Ohr leihen sollte. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass PILLARS OF CACOPHONY zu keiner Zeit versucht zugänglich oder gar gefällig zu wirken, sondern dem Fluss roher, brachialer Energie einfach freien Lauf lässt - und nicht nach dem Konsum des kantigen musikalischen Brockens weinen, weil einem der krasse Scheiß die Gehörgänge verätzt hat. Also Obacht, wenn ihr zu zart besaitet seid!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (06.11.2021)

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