LIMP BIZKIT - Still Sucks

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VÖ: 30.10.2021
Bandinfo: LIMP BIZKIT
Genre: Nu Metal
Label: Suretone Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Findet mal ein hochauflösendes Covermotiv von LIMP BIZKITs neuem Album "Still Sucks" (Stand 5.11.21) - Tut Euch keinen Zwang an, versucht es mal! Schwierigkeiten dabei? Woran kann das nur liegen? Das liegt daran, dass LIMP BIZKIT seit 1997 Sch@iße sind! Im Grunde wäre das schon das ganze Review, aber El Stormbringer-Cheffe fordert unnachgiebig Artikel mit einer Durchschnittspopelgröße Substanz - Ihr wisst, was ich meine: Die kleinen Grünen. Also widmen wir uns dem Elend voll und ganz...

Zehn Jahre haben wir auf dieses Trauerspiel gewartet. Fanver@rscheexperten wie Axl Rose können sogar einpacken, wenn die Männer aus Jacksonville, welche über die Jahre geradezu zu Koryphäen des Fan-Disrespects herangewachsen sind, auf den Plan treten. Wartet zufällig einer da draußen auf ihr Album "The Unquestionable Truth Part 2", dem Follow Up zum 2005er "The Unquestionable Truth Part 1"?

Ha! Dieses ist nie erschienen. Bist wohl kein LIMP BIZKIT Fan, was? Aber Spaß beiseite, das ist bitterer Ernst: Checkt schnell die deutsche Wikipedia-Seite von LIMP BIZKIT, bevor es einer noch nachträglich einfügt: "The Unquestionable Truth Part 1" ist dort nicht mal gelistet! Seit 16 Jahren steht das Teil nicht drin und Teil 2 ist wirklich nie erschienen. Gibt es da nicht Image- und Promotion-Firmen, die dafür sorgen, dass Wikipedia den Fans einen lückenlosen Überblick verschafft? Naja, was solls! Sollen Interessenten doch denken, zwischen 2003 und 2011 sei nichts erschienen - in Wirklichkeit war es ja nur von 2005 bis 2011, ein Wimpernschlag quasi. 2013/2014 wurde dann aber wenigstens zügig "Stampede Of The Disco Elephant" angekündigt - welches schlussendlich nie erschien, obwohl es eine ganze Weile auf Amazon mit offiziellem Covermotiv gelistet gewesen war. Pillepalle, schließlich wurden ganze drei Singles mit professionell produzierten Video-Clips für dieses Phantomprojekt released, während das tatsächlich veröffentlichte "The Unquestionable Truth Part 1" nur ein einziges, schlecht ausgeleuchtetes Camcorder-Garagenvideo spendiert bekam: "The Truth", denn diese ist nicht nur irgendwo out there, sondern auch kein Ponyhof für Fans.

*RRRRRRRING RRRRRRRING*

"Ja bitte?"

"El Cheffe am Apparat."

"Hi Alex! Lange nichts gehört von dir! Wie geht es Frau und Kind?"

"Du schwafelst schon wieder!"

"Ich reviewe LIMP BIZKIT!"

"LIMP... Ah du meine Güte..."

*KLACK*

"Hallo? Hallo-ooooh...?!"

*TUUUUUUUT TUUUUUUUT*

Was sollte das denn? Wie auch immer, weiter im Programm. "Stampede Of The Disco Elephant" erschien also nie. Kommt Ihr noch mit? Besser wär´s, denn die Sache wird immer... naja, nennen wir es "merkwürdiger", weil nämlich nach drei Jahren Wartezeit Fred Durst im Sommer 2017 behauptete, "Stampede Of The Disco Elephant" sei gegen Ende 2015/Anfang 2016 auf einer geheimen Online-Plattform veröffentlicht worden. Da war ja immerhin mal die Rede von 35 Tracks. Glaubt Ihr nicht? Hier Fred Dursts Originalzitat: "I already told you guys, the album is online. I put it on about a year and a half ago. It’s up to you to find it. You know the game Dig Dug? It’s an awesome game from back in the eighties. Dig Dug. You’re going to have to dig for it and find it."

Jep, da guckt Ihr aber ganz schön blöd aus der Wäsche. Besser nicht ausmalen, wie erst diejenigen geguckt haben, die sich mühsam auf die Suche nach dem feinen Teil machten, davon träumten, es als erster auszugraben und dafür vom hohen Rat der LIMP BIZKIT Community als Held gefeiert zu werden - aber stattdessen einige Wochen später am überhitzten Rechner mit ausgetrockneten Augäpfeln auf die Meldung stießen, dass Freddy D. nur Spaß gemacht hat. Palimm Palimm!

Komisch... Kommt Euch auch unweigerlich das Metal Hammer Interview mit Wes Borland zu "Significant Other"-Zeiten in den Sinn? Er wurde sinngemäß gefragt, warum er selbst keine LIMP BIZKIT Scheiben kaufen würde, wenn er nicht in der Band spielen würde, was er geäußert haben soll. Wes erklärte, er sei falsch zitiert worden. Der gute Musikredakteur hakte aber nach und erkundigte sich, was Wes denn wirklich gesagt habe. "Etwas anderes", meine ich mich entsinnen zu können, entgegnete der Gitarrist. Ein Schenkelklopfer! Wes Borland ist doch nicht blöd - der verschwendet nicht kostbare Lebenszeit mit dem Warten auf imaginäre Sounds!

So... Bald ist Weihnachten. Eine Woche später haben wir 2022 - aber einen Monat vorher kommen LIMP MOTHERF@CKIN BIZKIT mit einem neuen Album um die Ecke! Wie? Ihr habt nix davon mitgekriegt? Wie auch, denn es ist einfach da. Kein Werbeclip und auch kein Teaser mit Selfie-Aufnahmen nickender, swaggender, Champus ausschüttender Musiker. (Axl, der alte Pascha, war sich fürs Bewerben von "Chinese Democracy" zwar auch zu fein, ließ aber wenigstens BLOODHOUND GANGs Evil Jared mit dem Van durch die Lande ziehn und die Scheibe promoten! Ihr dürft an dieser Stelle lachen, ich piss mich auch weg!)

"Egaaaaaaal, man", denkt ihr? "Hauptsache die LIMP BIZKIT-Scheibe in den feuchten Griffeln halten"?

Welche Scheibe? Ich wiederhole: "Welche Scheibe?!" Physischer Release in Form von Compact Disc? Fehlanzeige. Musikkassette vielleicht? Ich bitte Euch! Hier kommt Euer Hauptgewinn: NIX DAVON, Ihr Deppen! Eat my Sh@t!

Wenigstens ein offizielles Musikvideo zeitgleich zum Release? Nope. Das Video zu "Dad Vibes" ist eine Fanproduktion, die LIMP BIZKIT unkompliziert weiterverlinkt haben.

Diese kleinen Anekdoten zusammenzufassen hat ja schon ganz schön Laune gemacht. Ich kann mir gar nicht ausmalen, wieviel Spaß die Bandmember hatten, sich den ganzen Wahnsinn auszudenken. Herrlich... Mein verkümmertes Herz blutet ein wenig bei dieser Retrospektive. "You wanted the worst, you got the worst! The one, the only, Limp Bizkit!"

Ja, ja... War schon eine krasse Zeit mit ihnen. Zwischendurch gab es aber auch mal einen feinen "Nookie" oder ein verkanntes Meisterwerk mit KORNs Jonathan Davis und der inzwischen verstorbenen STONE TEMPLE PILOTS Front-Ikone Scott Weiland namens "Nobody Like You"... Wie viel Bekanntschaft schlossen wir mit Alkohol und dem weiblichen Geschlecht zu "Rollin"... DMX (Leider ebenfalls verstorben), METHOD MAN, REDMAN waren im Remix zu hören... Scott Weiland war auch im verträumten "Hold On" dabei... Kann sich einer erinnern, als Fred mit John Rzeznik PINK FLOYDs "Wish You Were Here" live gespielt und es nicht verkackt hat? In Frankfurt am Main sang er 2001 bei den MTV European Music Awards mit Wes Scatlin von PUDDLE OF MUDD und LED ZEPPELINs Jimmy Page "Thank you". Yeah, ich war dabei...

Starten wir doch mal "Still Sucks" und erfahren, wie tief sie gesunken sind!

"Out Of Style" - What the...! LIIIIIIIIMP BIZKIT FOR LIFE!!! Sie sind ENDLICH zurück! Atmosphärisch, melodisch hart! Perfekter Start in eine bessere Welt!

"Dirty Rotten Bizkit" - Nahtloser Übergang in die Party-Rakete! Obwohl ein hauchzarter Fun-Punkrock Flair einfließt, hat die Nummer explosiven Pfeffer im Chocolate Starfish!

"Dad Vibes" - Spaltete von Beginn an die Fan-Basis. Die einen lieben es, die einen hassen es. Ich sage nur so viel dazu: "Now shut up! Here we go again!"

"Turn It Up, Bitch" - Tut mir leid, ich habe keine Zeit mehr für Euch! "Everybody needs some hardcore fucked up bang your head sh@t, so turn it up, bitch!"

"Don´t Change" - Uff... Äh...Ne... Ballade mit leichtem Autotune und Akustik-Gitarre... Kein Totalausfall, aber... Solches MACHINE GUN KELLY-Leierkasten-Gejaule ist für besoffene Werwölfe zur Brunftzeit vielleicht was. Was, das ist ein INXS Coversong? Immerhin besser als der "Behind Blue Eyes"-Folterversuch auf "Results May Vary".

"You Bring Out The Worst In Me" - Gott sei Dank! Schreien! Melancholisch angehauchtes, leicht verzweifeltes Schreien! Melodiös und trotzdem verhältnismäßig hart.

"Love The Hate" - Oldschool-artiger Hip Hop. Passt!

"Barnacle" - Das Meisterwerk auf "Still Sucks"! Der nächste verkannte Überhammer! Heftiger Alternative-Einschlag! Vereint den Dreck des Grunge mit der Wucht des Nu Metals erster Stunde mit der Experimentierfreudigkeit des Desert Rock! Erinnert ein wenig an DESERT SESSIONS´ "Screaming Eagle". Aber warum nur unter zwei Minuten Länge?! Ein Jammer!

"Empty Hole" - Experimentell und etwas ruhiger... Kann man so machen!

"Pill Popper" - Oh, hört man da leichte NINE INCH NAILS Einflüsse heraus? Könnte gut möglich die härteste LIMP BIZKIT Nummer seit Äonen sein! Grandios!

"Snacky Poo" - Wieder quietschiger Oldschool Hip Hop à la LIMP BIZKIT! Harmoniert mit den harten Nummern!

"Goodbye" - Gut gemacher, leichtfüßiger Pop-Rock. Geht hervorragend ins Ohr, aber mir wäre was Spaciges, Psychedelisches weitaus lieber gewesen.

Und damit wären wir auch schon am Ende angelangt - in meinem Falle zum fünften Mal in Folge ohne zu skippen! LIMP BIZKIT in Heavy Rotation. Ich bin dieses Review in fester Überzeugung angegangen, "Still Sucks" eine unterdurchschnittliche Bewertung vergeben zu müssen und durfte glücklicherweise die Erfahrung der positivsten Überraschung seit langer Zeit machen. Harte Sounds, mal dreckig rockig, mal industriell kalt, treffen auf Oldskool Rhymes. Die Frage nach der angeblich schlechten Produktion, muss an dieser Stelle jeder für sich selbst beantworten. Ich zumindest bevorzuge mittelmäßige Produktionen als diese unsäglichen, modernen, totgeschmirgelten Sachen, in denen alle Instrumente synthetisch und steril klingen.

"Still Sucks" klingt endlich wieder nach LIMP BIZKIT nach der Jahrtausendwende und macht eine Sache sogar besser als sein gelungener 2011er Vorgänger "Gold Cobra": Das Album wird nicht mit zu vielen Songs verwässert.

LIMP BIZKIT sind Sch@iße!! 4,5 Punkte!

 

(Hört den Song nicht tot, bevor Ihr Euch die ganze Scheibe runtergeladen habt!)



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (07.11.2021)

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