MØL - Diorama

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VÖ: 05.11.2021
Bandinfo: MØL
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste

Sommerlich-farbige Hemden, lässig angeheftete Sonnenbrillen, Schnauzer, charmante Schwiegersohnmimik - die Dänen MØL verkörpern schon auf dem Pressefoto zu ihrem neuen Album, dem Zweitwerk "Diorama", wirklich alles, was das Blut unzähliger verbissener Black-Metal-Gatekeeper garantiert zum Sieden bringen wird. Ganz im Sinne der Sonnenplanscher DEAFHEAVEN gibt sich das skandinavische Quintett zwar aufreizend, aber doch nie gekünstelt anders und zelebriert shoegazigen Post-Black Metal, wie ihn beispielsweise ebenjene Amerikaner vor dem kontroversen "Infinite Granite" geprägt haben. Der Deal mit Nuclear Blast kommt nach dem vielversprechenden Debüt "Jord" also nicht allzu überraschend.

Natürlich erinnern MØL nicht nur an die berüchtigten DEAFHEAVEN, schließlich haben sie sich grundsätzlich keinem Stil hingegeben, den man aktuell als unterrepräsentiert bezeichnen könnte. Doch die Hoffnung vieler Entwicklungsverächter ruhte nach besagtem "Infinite Granite", das die schwarzmetallischen Ketten ablegt und stattdessen melancholisch-schwülen Post-Rock mit Post Punk, Gothic Rock und Shoegaze kombiniert, darauf, dass MØL die hinterlassenen Fußstapfen ausfüllen würden. Das wiederum tun sie auch in einer Vielzahl an Songs mit eleganter Präzision - und dennoch streift ihr Sound die Vergleiche rasch ab, entwickelt stattdessen ein Eigenleben zwischen punkigen Rhythmen ("Vestige"), GHOST BRIGADE und mittlere KATATONIA in Erinnerung rufende Schwermut ("Itinerari") und französisch-dreampoppiger Schwerelosigkeit im Stile eines "Shelter" ("Redacted" und "Diorama").

Womit ich hingegen meine größte Mühe habe, ist die merkwürdige, für mich abseits der Reputationsargumentation, also stilistisch-künstlerisch kaum nachvollziehbare Entscheidung, Landsmann Tue Madsen, der vielen vor allem für seine Arbeit mit derberen Metal-Bands wie ILLDISPOSED, EKTOMORF, HATESPHERE, BORN FROM PAIN oder auch HEAVEN SHALL BURN bekannt sein dürfte, für Mixing und Mastering zu konsultieren. Der Mann hat definitiv einen sehr markanten Stil, den man sofort wiedererkennt, doch im Falle von "Diorama" wirkt sich das hochgradig zum Nachteil MØLs aus, weil es nunmal kein reines und erst recht kein derbes Metalalbum ist (und wohl auch gar nicht sein will), trotzdem aber abgemischt wurde, als wäre dem so. Dadurch entsteht - zumindest für mich - ein oftmals unüberwindbares Missverhältnis zwischen dem, was "Diorama" sein könnte und dem, wonach es letztlich klingt: ein Werk, das zwischen zwei Welten gefangen scheint und viele seiner Vorzüge nicht entfalten kann, weil Stil und Ästhetik partout nicht mit dem Soundgewand in Einklang zu bringen sind. Sehr ärgerlich.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (08.11.2021)

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